Full text : Preußische Geschichte. Erster Band. (1)

II.  Die  Ermerbung  Cleves  und  Preußens  und  der
Anlchluß  an  die  KReformierten  durch  Johann
Sigismund.  1608  —164109.

Als  Joachim  Friedrich  starb,  war  sein  Erbe  unterwegs  nach
Preußen.  Bei  der  Größe  der  Interessen,  die  dort  auf  dem
Spiel  standen,  setzte  er  die  Reise  fort.  Am  8.  August  traf  er
in  Königsberg  ein.  Die  Marken  befahl  er  Adam  Hans  Edlem
zu  Putlitz  als  Statthalter.  Daß  eben  in  jenen  Tagen  sein
jüngster  Bruder  Christian  Wilhelm  (geb.  18.  September  1587)
mit  vollendetem  einundzwanzigsten  Jahr  die  bisher  von  dem
Domkapitel  geführte  Regierung  des  Magdeburger  Erzstiftes
selbst  in  die  Hand  nahm,  war  bei  der  zweidentigen  Haltung
Kursachsens  eine  glückliche  Fügung.

Auch  in  Preußen  war  die  Lage  kritisch.  Da  für  Johann
Sigismund  als  Gemahl  Annas  von  Preußen  die  Kuratel  erst
recht  als  Vorstufe  zur  Nachfolge  galt,  stieß  er  bei  dem  Werben
darum  auch  auf  stärkeren  Widerstand.  Die  Städte  freilich
hatten  nachgerade  erkannt,  was  ihrer  wartete,  wenn  das  monarchische
  Element,  das  durch  Markgraf  Georg  Friedrich  und
Johann  Sigismund  selbst  endlich  wieder  würdig  vertreten  war,
ans  der  eben  gewonnenen  Stellung  verdrängt  wurde  und  die
preußischen  Herren  ihren  Wunsch  nach  getreuer  Nachbildung  der
polnischen  Libertät  erfüllt  sahen:  während  diese  Preußen  der
polnischen  Republik  inkorporieren  wollten,  wünschten  sie  durch
Anerkennung  des  Erbrechts  Johann  Sigismunds  die  deutsche
Zukunft  des  Landes  gesichert  zu  sehen.  König  Sigismund  war
dem  nicht  abgeneigt:  denn  noch  bestand  die  Gefahr  des  Anschlusses
  von  Brandenburg  an  Schweden.  Auch  lockte  ihn  der
finanzielle  Gewinn,  der  sich  dabei  machen  ließ.  Schwierig  blieb
es,  den  polnischen  Glanbenseifer  zu  beschwichtigen,  größere  Frei-