Full text : Die Lügen unserer Sozialdemokratie.

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in  keinem  Kampf  gesehen,  kein  zweites  Mal  mehr  sehen  wird.“  Und
was  wird  diese  überwältigende  Intelligenz  thun,  nachdem  sie  gesiegt
hat?  Sie  wird,  nach  Herrn  Bebel,  zunächst  „durch  eine  große
Expropriation  das  gesammte  Privateigenthum  in  gesellschaftliches
Eigenthum  verwandeln"“.  (S.  148.)  Das  ist  allerdings  eine  That,
welche  dieser  in  der  Geschichte  nur  einmal  vorhandenen  Fülle  von
Intelligenz  würdig  ist.  Franz  Moor,  welcher  sich,  nach  seiner  bekannten
  Versicherung,  doch  auch  nie  mit  Kleinigkeiten  abgegeben
hat,  würde  erkennen,  daß  er  doch  nur  ein  ganz  armseliger  Stümper
gewesen  ist,  wenn  er  seine  allerbesten  Leistungen  mit  dieser  „großen
Expropriation“  vergleicht.  Denn  alles  Privateigenthum  an  Grund
und  Boden,  alles  Geld,  aller  Geldeswerth,  alle  seit  Hunderten  von
Jahren  vererbten,  ersparten  und  in  saurer  Mühe  errungenen  Güter
des  Staates,  der  Gemeinden,  der  frommen  Stiftungen  und  der
hundertmillionenfach  zählenden  einzelnen  Privatbesitzer  und  Erwerber
keschisden  mit  einem  Schlage  in  dem  ungeheuren  Rachen  der
„Gesellschaft."“

Wie  die  Sache  an  diesem  Wendepunkte  gemacht  wird,  verräth
uns  Herr  Bebel  nur  durch  ein  kurzes  Citat  aus  dem  Evangelium
seines  Herrn  und  Meisters  Karl  Marx  („Das  Kapital“  2.  Auflage
S.  792  und  793),  welches  uns  den  Trost  gewähren  soll,  daß  schließlich
  alles  Vermögen,  Kapital,  Geld  u.  s.  w.  sich  doch  nur  in  den
Händen  einer  verhältnißmäßig  kleinen  Minderzahl  der  Gesellschaft
zusammenhäufen  wird.  So  werden  in  unserm  lieben  Deutschland
wohl  nur  einige  lumpige  Hunderttausend  oder  Millionen  Reicher
abgeschlachtet  zu  werden  brauchen,  wenn  diesen  ihr  Eigenthum  abgenommen
  wird,  welches  die  neue  „Gesellschaft“  fortan  als  Gemeineigenthum
  zu  ihrem  eigenen  Unterhalte  bedarf.  Aber  auch  Karl
Marx  wirft  einen  Schleier  über  dieses  Ende  mit  Schrecken.  Er
sagt  nur:  „Die  kapitalistische  Hülle  wird  gesprengt.  Die  Stunde
des  kapitalistischen  Eigenthums  schlägt.  Die  Expropriateurs  werden
expropriirt.“

Für  die  in  der  Geschichte  wohl  gleichfalls  beispiellosen  Gewaltthätigkeiten,
  welche  unsere  —  freilich  nur  „kapitalistische“  —  Einbildungskraft
  an  diesen  Vorgang  am  Ende  des  19ten  Jahrhunderts
knüpft,  gewährt  uns  Herr  Bebel  den  schönen,  weissagenden  Trost
(S.  149),  daß  von  nun  an  „die  Lebens=  und  Arbeitsbedingungen
für  beide  Geschlechter,  Industrie,  Ackerbau,  Verkehr,  Erziehung,  Ehe,
das  wissenschaftliche,  künstlerische  und  gesellige  Leben,  kurz  die  ganze
menschliche  Existenz  eine  andere  werde“.  Wie  das  Alles  „anders"
wird  oder  werden  soll,  mag  uns  der  vormalige  Drechsler  Herr
Bebel  nun  mal  im  Zusammenhang  vortragen.

Wir  verfahren  dabei  jedoch  keineswegs  nach  der  Methode  des
Herrn  Bebel,  welcher  seinen  urtheilslosen  Lesern  auf  über  siebzig