Full text : Archiv für öffentliches Recht.Sechzehnter Band. (16)

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aber  eines  Rechtsaktes,  einer  Willenserklärung,  nämlich  des  Erbschaftsantrittes.
  Das  deutsche  Recht  kennt  diese  Vorbedingung
nicht;  der  Erbberechtigte  wird  mit  dem  Tode  des  Erblassers
ipso  jure  Erbe  und  Eigenthümer  des  hinterlassenen  Vermögens
(„Le  mort  saisit  le  vif.2  „Der  Todte  erbt  den  Lebendigen“).

Aber  die  Anwendung  erbrechtlicher  Grundsätze  führte  auch
zu  der  Theilung  des  Landes  unter  mehrere  Söhne,  und  da  die
hierdurch  herbeigeführte  Zerstückelung  nicht  allein  gegen  das
staatliche  Interesse  verstiess,  sondern  zugleich  vom  Standpunkte
der  Erhaltung  der  Familienmacht  zu  verwerfen  war,  so  gelangte
man  allmählich  zu  einer  Aenderung.  Zunächst  suchte  man  durch
Hausgesetze  die  Untheilbarkeit  einzuführen,  bis  endlich  seit  Beginn
  des  18.  Jahrhunderts  die  Ansicht  sich  Bahn  zu  brechen
begann,  dass  die  Landeshoheit  nicht  ein  Vermögensgegenstand
ist,  der  nach  privatrechtlichen  Grundsätzen  vererbt  werden  kann,
sondern  eine  staatliche  Stellung,  deren  Verhältnisse  lediglich  nach
staatsrechtlichen  Gesichtspunkten  zu  beurtheilen  sind.  Heute  besteht
  kein  Zweifel  mehr  darüber,  dass  von  der  Frage  der  Thronfolge
  alle  civilrechtlichen  Anschauungen  fern  zu  halten  sind,  dass
von  Erben  und  Erbfolge  hier  ebensowenig  die  Rede  sein  kann,
wie  von  den  daraus  hergeleiteten  Fragen,  ob  die  Thronfolge  ex
pacto  et  providentia  majorum  stattfinde,  ob  sie  Universal-  oder
Singularsuccession  sei,  ob  der  Nachfolger  die  Regierungsakte
seines  Vorgängers  anerkennen  müsse  u.  s.  w.  „Die  Staatssuccession
  in  Erbmonarchien  ist  überhaupt  keine  Erbfolge,  sondern
sig  bewegt  sich  nur  äusserlich  in  Formen,  die  dem  Erbrechte
entlehnt  sind.  Das  Wesen  der  Erbmonarchie  im  Unterschiede
zu  der  Wahlmonarchie  besteht  darin,  dass  eine  bestimmte  Familie
  mit  der  Thronfolge  verfassungsmässig  in  einem  solchen  Zusammenhange
  steht,  dass  lediglich  aus  ihr  nach  einer  festgeordneten
  Reihenfolge  diejenige  Person  hervorzugehen  hat,
welche  bei  eintretender  Thronerledigung  in  die  leer  gewordene
Stelle  des  bisherigen  Throninhabers  einzutreten  hat.  Im  Staats-