232 Zweites Buch. Die Zeit der Anläufe, Enttäuschungen und Irrungen.
nicht eingegangen zu sein, die Frankreich ihm einst für bloße
Neutralität gemacht habe; von den ihm damals gemachten Versprechungen
sei keine erfüllt, von Genugthuung für das durch
Schweden Erlittene nicht mehr die Rede, während doch der
Prinz selbst ihm geraten habe, Pommern zu nehmen, da das
dort Gewonnene ihm von niemand wieder entrissen werden
könne. Zu einer äußersten Anstrengung erklärte er sich bereit:
wie Oranien gewünscht, wollte er den Krieg in Pommern nur
defensiv fortführen und mit 20000 Mann nach den Niederlanden
kommen, um mit den Truppen Lüneburgs, Münsters
und Pfalz-Neuburgs gegen die Franzosen zu fechten. Alles
blieb vergeblich. So sagte der Kurfürst, ohne die französischen
Anträge als Basis der Verhandlungen anzunehmen, doch die
Beschickung des Nimwegener Kongresses zu: vielleicht gelang es
einen früheren Vorschlag der Generalstaaten durchzusetzen, daß
man ihn trotz des Friedens den Krieg gegen Schweden wie
einen Zweikampf fortsetzen lasse. Immerhin gab er damit den
bisherigen prinzipiellen Standpunkt auf, setzte sich auch dem
Verdacht aus, an dem Friedenswerke teilzunehmen, bloß um
sein Zustandekommen zu hintertreiben. Auch traf nun der
Vorwurf der Bundesbrüchigkeit gegen seine Alliierten nicht mehr
oder doch lange nicht mehr in so schlimmem Maße zu.
Aber es kam ärger, als er irgend erwartet hatte. In
dem am 10. August zu Nimwegen unterzeichneten Frieden verpflichtete
sich die Nepublik ausdrücklich, ihrem bisherigen Alliierten
nicht mehr beizustehen. Auch die Neutralisierung Cleves erfolgte
nicht. Vielleicht aber ließ sich durch neue Erfolge, durch
die Gewinnung auch des letzten Restes von Pommern noch die
Friedensbasis durchsetzen, die Schwerin allein als annehmbar
bezeichnete: uti possidetis, ita possideatis. Am 22. August verbündeten
sich Brandenburg, Dänemark und Münster in Kopenhagen
zur Fortsetzung des Krieges gegen Schweden. Mit fieberhaftem
Eifer rüstete der Kurfürst zu einem letzten großen Schlag
gegen Schweden. Ueber 200 Schiffe und gegen 150 Boote
wurden längs der pommerschen Küste zusammengebracht und
in drei Tagen 6000 Mann zu Fuß und 3000 Reiter eingeschifft,
um Königomark aus Rügen zu werfen. In der Frühe