Full text : Deutsche Weltpolitik 1890-1912.

3.  ENTENTENETZ.  HAAGER  FRIEDENSKONFERENZ.  159

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wenn  die  deutsche  Regierung  wirklich  eine  kriegerische
Lösung  der  Streitigkeiten  gegen  die  französisch-englische
Entente  beabsichtigt  oder  auch  nur  für  möglich  gehalten
  hätte.  —

In  der  Zeit,  als  sich  Lord  Haldane  mit  seinem  neuen  Armeeproblem
  zu  beschäftigen  hatte  und  Sir  Edward  Grey  noch
dabei  war,  die  Verhandlungen  mit  Rußland  über  die  asiatische
Entente  abzuschließen,  sollte  eine  zweite  Friedenskonferenz
im  Haag  abgehalten  werden.  Die  erste  Anregung  dazu  war
schon  Ende  1904  von  dem  Präsidenten  der  Vereinigten  Staaten
gegeben  worden,  und  zwar  sollte  sich  die  neue  Konferenz  hauptsächlich
  der  Weiterbildung  des  Seekriegsrechts  widmen.
Rußland,  auf  dessen  ausdrücklichen  Wunsch  die  Einberufung
der  Konferenz  bis  nach  Beendigung  des  ostasiatischen  Krieges
verschoben  wurde,  übernahm  es,  ein  Programm  zu  entwerfen
und  die  Einladungen  ergehen  zu  lassen,  nachdem  die  Einberufung
der  Konferenz  mit  Rücksicht  auf  den  panamerikanischen  Kongreß
endgültig  auf  den  Sommer  1907  festgesetzt  worden  war.  Anfänglich
  standen  auf  dem  Programm  nur  rechtliche  Fragen,  vor
allem  Fragen  des  Seerechts,  und  eine  Vervollkommnung  des
auf  der  ersten  Haager  Konferenz  beschloßnen  schiedsgerichtlichen
Verfahrens.  Bei  dem  sich  anschließenden  Gedankenaustausch
zwischen  den  Regierungen  forderten  England  und  Amerika
als  Verhandlungsgegenstand  auch  die  Frage  der  allgemeinen
Abrüstung,  die  ja  auch  bereits  bei  der  ersten  Haager  Konferenz
zur  Diskussion  gestellt  werden  sollte.  Die  treibende  Kraft  für
diese  Vorschläge  war  sicherlich  England,  das  hierdurch  versuchen
wollte,  seine  starke  numerische  Übermacht  zur  See  auf  Jahre
hinaus  ohne  zu  große  weitere  Kosten  festzulegen.  Die  englischen
Staatsmänner  erkannten  klar,  daß  das  bisherige  Kräfteverhältnis
infolge  des  steten  Wachstums  der  französischen,  japanischen
und  vor  allem  der  deutschen  Flotte  nur  unter  großen  finanziellen
Opfern  aufrechtzuhalten  sei.  So  entspann  sich  bereits  vor  Einberufung
  der  Friedens-Konferenz  ein  lebhafter  Kampf  um  die
Formulierung  des  Programms.  Die  deutschen  Staatsmänner
waren  vom  Kaiser  an  geschlossen  gegen  die  Aufnahme  des  eng-