3. ENTENTENETZ. HAAGER FRIEDENSKONFERENZ. 159
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wenn die deutsche Regierung wirklich eine kriegerische
Lösung der Streitigkeiten gegen die französisch-englische
Entente beabsichtigt oder auch nur für möglich gehalten
hätte. —
In der Zeit, als sich Lord Haldane mit seinem neuen Armeeproblem
zu beschäftigen hatte und Sir Edward Grey noch
dabei war, die Verhandlungen mit Rußland über die asiatische
Entente abzuschließen, sollte eine zweite Friedenskonferenz
im Haag abgehalten werden. Die erste Anregung dazu war
schon Ende 1904 von dem Präsidenten der Vereinigten Staaten
gegeben worden, und zwar sollte sich die neue Konferenz hauptsächlich
der Weiterbildung des Seekriegsrechts widmen.
Rußland, auf dessen ausdrücklichen Wunsch die Einberufung
der Konferenz bis nach Beendigung des ostasiatischen Krieges
verschoben wurde, übernahm es, ein Programm zu entwerfen
und die Einladungen ergehen zu lassen, nachdem die Einberufung
der Konferenz mit Rücksicht auf den panamerikanischen Kongreß
endgültig auf den Sommer 1907 festgesetzt worden war. Anfänglich
standen auf dem Programm nur rechtliche Fragen, vor
allem Fragen des Seerechts, und eine Vervollkommnung des
auf der ersten Haager Konferenz beschloßnen schiedsgerichtlichen
Verfahrens. Bei dem sich anschließenden Gedankenaustausch
zwischen den Regierungen forderten England und Amerika
als Verhandlungsgegenstand auch die Frage der allgemeinen
Abrüstung, die ja auch bereits bei der ersten Haager Konferenz
zur Diskussion gestellt werden sollte. Die treibende Kraft für
diese Vorschläge war sicherlich England, das hierdurch versuchen
wollte, seine starke numerische Übermacht zur See auf Jahre
hinaus ohne zu große weitere Kosten festzulegen. Die englischen
Staatsmänner erkannten klar, daß das bisherige Kräfteverhältnis
infolge des steten Wachstums der französischen, japanischen
und vor allem der deutschen Flotte nur unter großen finanziellen
Opfern aufrechtzuhalten sei. So entspann sich bereits vor Einberufung
der Friedens-Konferenz ein lebhafter Kampf um die
Formulierung des Programms. Die deutschen Staatsmänner
waren vom Kaiser an geschlossen gegen die Aufnahme des eng-