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den wir in diesem Büchlein lasen. Lasset uns darum den 20. Octobertag
dazu benutzen, über das allmalige Wachsen und Sinken
des Sachsenlandes eine kurze Betrachtung anzustellen. — Schon
zur Zeit der Geburt Christi gab es ein mächtiges, blühendes Sachsenland,
gelegen an der Weser und Elbe, an den Küsten der Nordsee
und in den Gegenden des jehigen Hannovers, Braunschweigs, Westphalens
und Oldenburgs. Dort lebte ein Sachsenvolk acht Jahrhunderte
hindurch frei und gefürchtet in seinen Gauen und bestand, obgleich
ohne gemeinsames Oberhaupt, fort und fort, wenn hundert
andere deutsche Stämme auftauchten und wieder verschwanden. Durch
Karl den Großen ward seine Unabhängigkeit vermindert, seine Macht
gebrochen; es lebte nun unter Herzogen, aber beschränkt von fränkischem
Einflusse. Unter Heinrich dem Vogelsteller, der eigentlich Sachsenherzog
war, sehen wir die Sachsenmacht wiederum hoch erhoben:
hundert Jahre hindurch wählt Deutschland seine Kaiser aus dem
blühenden Volke; aber unter Herzog Heinrich dem Löwen, diesem
tapfern, aber übermüthigen Manne, brach Sachsens Blüthe aufs
Neue; es ward zerstücktz es blieb von dem gewaltigen Volke zuletzt
nichts als der Herzogtitel übrig, den ein Fürst mit einem kleinen
Ländchen in der Wittenberger Gegend erhielt, Bernhard von Anhalt
oder Ascanien. Auf diesem kleinen Gebiete von wenigen Quadratmeilen
erhielt sich beinahe zweihundert Jahre lang der uralte, edle
Sachsenname, und die Fürsten des neuentstandenen Sachsenlandes
hießen nach und nach Kurfürsten. Nach dem Tode des kinderlosen
Kurfürsten Albrecht ging das kleine Ländchen sammt der Kurwürde
auf Markgrafen Friedrich den Streitbaren über, und der vielwandernde
Name Sachsen fand seine Heimath im Markgrafthume Meißen.
Das neue Kursachsen war ein großes, schönes Gebiet; denn es umfaßte
neben dem kleinen Kurlande bei Wittenberg das reiche Meißen
und Thüringen, das Osterland und mehre kleinere Länderstücken.
Aber schon die Söhne des ersten Kurfürsten aus dem Meißner Hause
zertheilten das Erbe, und noch mehr geschah dies durch die Theilung
in zwei Linien im Jahre 1485, die auch noch das Ungünstige herbeiführte,
daß das Kurländchen allzusehr von Thüringen, dem zugefallenen
Erbtheile der Ernestiner, getrennt war. Doch erhoben sich
beide Linien zu einem herrlichen Glanz und Ansehen: das Ernestineroder
Kurland unter seinem Friedrich dem Weisen und Johann dem
Beständigen, unter den weltberühmten Heroen Luther und Melanchthon;
das Albertiner= oder herzogliche Land unter dem gefürchteten,
tapfern Albrecht und später unter Herzog Moritz. Allein nur ein
halbes Jahrhundert entschwand den blühenden und hochgeachteten