116 I. Verträge mit außerdeutschen Staaten.
Eine solche Anordnung ist u. a. erforderlich, wenn es sich
um eine hilfsbedürftige Person handelt. Gehört dieselbe einem
außerpreußischen Bundesstaate an, so ist sie, soweit aus den
Bestimmungen des Freizügigkeitsgesetzes ein Bedenken nicht
entgegensteht, unter Beachtung des Bundesratsbeschlusses vom
28. Februar 1873 (MBl. S. 221) nach ihrem heimatlichen
Bundesstaate zu befördern. Im Falle einer doppelten Staatsangehörigkeit
entscheidet der letzte Unterstützungswohnsitz
bzw. der letzte Aufenthalt °?).
Berlin, den 6. Mai 1894.
Der Minister des Innern.
Graf zu Eulenburg.
29) Der Runderlaß des preußischen Ministers des Innern vom 7. November
1894 (IB 6415 — MBl. S. 209) ordnet in -dieser Hinsicht an,
„daß aus Rußland übernommene hilfsbedürftige Personen, bezüglich deren
bei der Übernahme zweifellos feststeht, daß sie den Unterstützungswohnsitz
nicht in ihrem Heimatstaate, sondern in einem anderen Bundesstaate
besitzen (bzw. den letzten Unterstützungswohnsitz in einem anderen
Bundesstaate als dem Heimatstaate besessen haben), zur Vermeidung der
aus den $$ 31 und 33 des Unterstützungswohnsitzgesetzes (Anh. Nr. 5)
sich ergebenden Weiterungen nicht nach dem Heimatstaate, sondern nach
dem Bundesstaate des Unterstützungswohnsitzes (bzw. des letzten Unterstützungswohnsitzes)
zu befördern sind, soweit nicht aus den Bestimmungen
des Freizügigkeitsgesetzes (Anh. Nr. 1) Bedenken entgegenstehen.“
Schon aus diesem deklaratorischen Erlasse zu der Ausführungsanweisung geht
hervor, wie bedenklich die hier getroffene Anordnung ist, wonach jeder von
Rußland übernommene Angehörige eines außerpreußischen Bundesstaates nach
dem heimatlichen Bundesstaat befördert werden soll. Die Übernahmeerklärung
erfolgt Rußland gegenüber von Reichs wegen. Die Frage, wie mit dem
vom Reiche Übernommenen innerhalb Deutschlands weiter zu verfahren ist,
wird ausschließlich durch die innere Gesetzgebung bestimmt. Wird also ein
Hilfsbedürftiger übernommen, so muß er nach $ 28 des Unterstützungswohnsitzgesetzes
(Anh. Nr. 5) vorläufig von dem Armenverbande des Grenzübernahmeortes
auch dann unterstützt werden, wenn er einem außerpreußischen Bundesstaate
angehört. Die Weiterbeförderung nach dem heimatlichen Bundesstaate
kann daher in solchen Fällen nur für Bayern und Elsaß-Lothringen in Frage
kommen, weil dort das Unterstützungswohnsitzgesetz nicht gilt. (Vgl. auch
Anm. 42 zu Nr. 7 der Ausführungsanweisung zum deutsch -niederländischen
Niederlassungsvertrage (S. 51.)