Full text : Regierungsblatt für das Königreich Württemberg vom Jahr 1852. (29)

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Art.  4.

Wenn  aus  der  Untersuchung  (Art.  3)  hervorgeht,  daß  der  Angeschuldigte  dem  Müßiggange,
  Spiel  oder  Trunk  sich  hingibt  und  zu  Gefährdung  seiner  Heimathgemeinde  die  ihm
zu  Gebot  stehenden  Erwerbsquellen  unbenützt  läßt,  so  ist  hiegegen  nach  Art.  24  des  Polizeistrafgesetzes
  vom  Bezirksamte  das  Geeignete  zu  verfügen.

Die  wegen  Asotie  erkannten  Strafen  sind  durch  Anschlag  am  Rathhause  des  Wohnorts
und  durch  Eröffnung  des  Verzelchnisses  der  verurtheilten  Asoten  an  die  Wirthe  des  Bezirks
bekannt  zu  machen,  und  es  vertritt  diese  Veröffentlichung  die  im  Art.  24,  Abs.  3  des  Polizeistrafgesetzes
  bezeichnete  Verwarnung  der  Begünstiger  der  Asotie.

Wer  nach  der  Verwarnung  einem  wegen  Asotie  Bestraften  zur  Fortsetzung  seiner  asotischen
  Lebensweise  behülflich  ist,  soll  mit  Geldbuße  bis  zu  zehn  Gulden  oder  mit  Gefängnißstrafe
  bis  zu  acht  Tagen  belegt  werden.

Wirthe,  welche  aus  diesem  Grunde  dreimal  wegen  eines  und  desselben  Asoten  bestraft
worden  find,  verlieren  vom  Tage  der  letzten  Bestrafung  an  die  Ausübung  des  Wirthschaftsrechts.


Kaufleute  und  Zuckerbäcker,  welche  mit  gebrannten  Wassern  im  Detail  handeln,  werden
hinsichtlich  dieses  Rechts  den  Wirthen  gleich  behandelt.

Art.  5.

Arme,  welche  zu  ihrem  persönlichen  Unterhalte  oder  zu  dem  ihrer  Familie  öffentlicher
Unterstützung  bedürfen,  sind  in  Ermanglung  eigener  zweckmäßiger  Beschäftigung  verbunden,
die  ihnen  von  der  Ortsobrigkeit  angebotene  oder  vermittelte  Arbeit,  welche  ihren  Kräften
angemessen  ist,  gegen  entsprechenden  Lohn  unweigerlich  und  fleißig  zu  verrichten.  Sie  können
hiezu  nöthigenfalls  durch  Strafen  nach  Maßgabe  des  Art.  24  des  Polizeistrafgesetzes  und
andere  Zwangsmaßregeln,  z.  B.  Entziehung  der  Kost  auf  so  lange,  als  fie  nicht  arbeiten,
angehalten  werden.

Die  Gefängnißstrafe  kann  durch  Schmälerung  der  Kost  je  über  den  andern  Tag  geschaͤrft

  werden.
Art.  6.

Mit  Arrest  bis  zu  vier  Wochen,  in  Rückfällen  bis  zu  drel  Monaten,  ist  zu  bestrafen:

1)  wer  sich  aus  Muthwillen  oder  Bogheit  in  die  Lage  versetzt,  öffentliche  Unterstützung
ansprechen  zu  müssen,  insbesondere  wer  zu  dlesem  Zweck  seine  eigenen  Klelder  zerreißt;