Full text : Lehrbuch des deutschen Verwaltungsrechtes.

468  Drittes  Buch.  $  168.

preußischen  auswärtigen  Ministeriums  auf  den  Bund  übernommen.
Seit  dem  1.  Januar  1870  nahm  demnach  das  frühere  preußische
Ministerium  der  auswärtigen  Angelegenheiten  den  Charakter  einer
Bundesbehörde  an  und  führte  die  Bezeichnung  „Auswärtiges  Amt
des  Norddeutschen  Bundes“;  die  betreffenden  Gesandtschaften  waren
fernerhin  nicht  mehr  preußische,  sondern  Bundesgesandtschaften.
Das  Konsulatswesen  wurde  bereits  durch  die  Verfassung  für  eine
ausschließliche  Bundesangelegenheit  erklärt®.  Die  Bearbeitung  der
Konsulatsangelegenheiten,  die  ursprünglich  dem  Bundeskanzleramt
übertragen  war,  ging  mit  dem  1.  Januar  1870  auf  das  auswärtige
Amt  über.  Die  Einrichtungen  des  Norddeutschen  Bundes  wurden
im  Deutschen  Reiche  unverändert  beibehalten.

I.  Allgemeine  Grundsätze.
$  168,

Verwaltung!  der  auswärtigen  Angelegenheiten  ist
der  Inbegriff  der  auf  den  internationalen  Verkehr  bezüglichen  Staatstätigkeiten.
  Der  internationale  Verkehr  umfaßt  den  Verkehr
der  Staaten  untereinander  und  den  internationalen  Privatverkehr.
  Ersterer  ist  seinem  Wesen  nach  Staatssache,  er  kann
daher  nur  durch  staatliche  Organe  vermittelt  werden,  letzterer  ist
Verkehr  von  Privatpersonen;  die  staatlichen  Organe  haben  lediglich
die  Aufgabe,  diesen  zu  schützen  und  zu  fördern.

Die  Befugnisse  in  auswärtigen  Angelegenheiten,  welche  dem
einzelnen  Staate  nach  völkerrechtlichen  Grundsätzen  zustehen,  sind
das  Recht  der  Kriegserklärung  und  Friedensschließung,  der  Vertrags
schließung,  der  Annahme  und  Entsendung  von  Organen  des  inter
nationalen  Verkehrs.  Organe  des  internationalen  Verkehrs  sind  Ge
sandtschaften  und  Konsulate.  Erstere  erscheinen  als  Organe  des
internationalen  Staatsverkehrs,  letztere  als  Organe  des  internationalen
Privatverkehrs.

Von  allen  Gebieten  der  Verwaltung  entzieht  sich  das  der  aus
wärtigen  Angelegenheiten  am  meisten  einer  rechtlichen  Beschränkung
und  Fixierung.  Dies  gilt  namentlich  vom  internationalen  Staatsverkehr,
  wo  fast  alle  Entscheidungen  von  der  Beurteilung  der  konkreten
  politischen  Verhältnisse  abhängen.  Dagegen  vertragen  die
Staatstätigkeiten  zur  Förderung  und  zum  Schutz  des  internationalen
Privatverkehrs  in  höherem  Maße  eine  gesetzliche  Regelung.

 

*  Verfassung  des  Norddeutschen  Bundes.  Art.  56.

!  [Nach  Otto  Mayer  1,  10  sind  vom  Begriff  der  Verwaltung  aus
geschlossen  alle  Tätigkeiten  des  Staates  zur  Verwirklichung  seiner  Zwecke
mit  welchen  dieser  aus  dem  Bereich  seiner  Rechtsordnung  heraustritt.  Vertrags
abschlüsse  mit  fremden  Staaten  und  diplomatische  Schritte  bei  ihren  Regierunge?»
Vorstellungen,  Beschwerden,  Drohungen  stehen  nicht  mehr  unter  den  Be
dingungen  unserer  eigenen  Rechtsordnung.  Ibre  rechtliche  Regelung  nach
Grund  und  Wirkung  erhalten  sie  in  dem  alle  Staaten  verbindenden  Völkerrecht.
Darum  ist  das  alles  keine  Verwaltung.]