Full text : Das Preußische Volk in Waffen und die neue Militär-Organisation.

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üppig  auf,  aber  nur  zu  bald  zeigte  es  sich,  die  Blüthen  waren  taube  und
die  Früchte  fielen  ab,  bevor  sie  zur  Reife  gediehen.  Die  Selbstsüchtigen
und  Aengstlichen  im  Lande,  welche  kurz  vorher  am  lautesten  die  Geister
herbeigerufen  hatten,  die  das  Wasser  herbeitragen  sollten,  um  den  alten
Schlamm  und  Unrath  wegzuschwemmen,  welcher  das  Land  zu  ersticken  drohte,
fürchteten  nun  schon  zu  ertrinken,  als  ihnen  das  Wasser  nur  bis  an  die
Ferse  reichte,  und  schrieen  verzweiflungsvoll  nach  dem  bannenden  Wort  des
Meisters  in  Wien,  der  denn  auch  nicht  ermangelte,  es  nur  zu  bald  auszusprechen.
  Das  Wasser  verlief  sich,  Unrath  und  Schlamm  traten  wieder  zu
Tage  und  häuften  sich  immer  mehr  wieder  an.  Mit  den  Carlsbader  Beschlüssen
  verschwand  die  Hoffnung  auf  eine  glückliche  Zukunft  Deutschlands.

Daß  es  mit  der  preußischen  Armee  nicht  so  schnell  rückwärts  ging,
danken  wir  dem  wachsamen  Auge  seines  eben  so  gerechten  als  dankbaren
Königs.  —  Nach  einigem  Schwanken  wurde  die  allgemeine,  nun  dem
Volke  vertraute  Wehrpflicht  beibehalten,  aber  auch  dafür  Sorge  getragen,
daß  dem  Volke  wenigstens  zunächst  die  dafür  gewährten  Aequivalente  verblieben;
  ja  sogar  die  Aussicht  hinzugefügt,  daß,  da  nun  das  gesammte
Volk  nicht  allein  sein  Geld,  sondern  auch  seine  Haut  zu  Markte  tragen
  müßte,  es  künftig  wenigstens  indirect  auch  ein  Wort  mitsprechen  sollte.
Zwischen  Heer  und  Volk  bestand  vollständige  Einigkeit,  und  durch  die
volksthümlich  gewordene  Landwehr  betrachteten  beide  sich  fortan  als  eins.
Zwischen  adeligen  und  bürgerlichen  Offizieren  war  kein  Unterschied,  beide
lebten  mit  einander  in  wahrer  Harmonie,  und  wo  es  einem  der  erstern
eingefallen  wäre,  auf  von  seinen  Vorfahren  „erkämpfte“  Privilegien  zu
pochen,  man  hätte  ihn  herzlich  ausgelacht.  Gott  und  König  führte  man
nicht  fortwährend  im  Munde,  aber  man  diente  beiden  desto  treuer;  eine
sogenannte  Gesinnung  brauchte  man  nicht  zu  heucheln,  weil  man  sie  besaß.
Dem  Avancementshunger,  wie  der  Stellenjägerei  ward  im  Heere  wie  in
der  Verwaltung  wenig  Ausbeute  geboten,  denn  der  „alte  Herr“  sorgte,  daß
keinem  der  treuen  Kampfgenossen  unrecht  geschah.  „Dann  schreibe  ich  an
den  König“  war  das  Donnerwort,  mit  welchem  der  Beamte  wie  Subaltern-Offizier
  ungerechter  Behandlung  entgegentrat:  der  Schild  eines  Jeden,
der  sich  seines  Rechts  bewußt  war;  immer  des  Erfolgs  sicher.  —  Es  war
eine  gute,  eine  schöne  Zeit.  —  —

Aber  schon  unterwühlten  auch  hier  „die  alten  Maulwürfe“,  welche
nach  ihrem  verlorenen  Paradiese  strebten,  den  gewonnenen  festen  Boden,
und  zwar  auf  Wegen,  die  dem  Auge  des  Herrn  verborgen  blieben.  Nicht
zu  gedenken,  wie  sehr  bald  die  aristokratischen,  exclusiven  Elemente  im  Heere
sich  wieder  Geltung  verschafften;  wenigstens  unter  der  Hand,  so  weit  es