Full text : Medizinal-Statistische Mittheilungen aus dem Kaiserlichen Gesundheitsamte. Zweiter Band. (2)

66

Außerdem  fand  noch  eine  Prüfung  des  neuen  Variolavaccinestammes  statt,  welchen
Dr.  Hime  zu  Bradford  (England)  gezüchtet  hat.  Es  waren  4  Proben  der  ersten  und
zweiten  Generation  eingegangen.

Die  Lymphe  der  ersten  Generation  sollte  am  7.,  8.  und  9.  Tage  nach  der  Impfung
gewonnen  und  bei  ihrer  Ankunft  14  Tage  alt  sein.  Die  Lymphe  der  zweiten  Generation
sollte  vom  4.  Tage  stammen.  Auf  ein  Kalb  übertragen  abortirten  3  Proben,  aber  die
Lymphe  erster  Generation,  gesammelt  am  9.  Tage,  lieferte  schöne  weiße  Pusteln.  An
2  anderen  Kälbern  gedieh  die  alte  Hamburger  Variolavaceine  besser  als  dieser  junge
englische  Stamm,  dessen  Pusteln  zur  Eiterung  neigten.  Bei  einem  4.  Kalbe  reiften  die
Pusteln  der  3.  Generation  des  Bradfordstammes  erst  am  7.  Tage  und  ihre  Lymphe  wurde
erst  am  8.  Tage  abgeimpft.  Nach  dem  Vericht  spricht  gerade  diese  langsame  Reifung  der
Pusteln  des  jungen  Stammes  —  zumal  im  Sommer  —  dafür,  daß  die  Lymphe  wirklich
von  Menschenpocken  hergeleitet  ist.  Verimpft  wurde  die  neue  Lymphe  nicht.

Wenig  erfolgreich  erwiesen  sich  in  Metz  die  Versuche  zur  Fortzüchtung  der  aus
Karlsruhe  begogenen  Variolavacecine,  die  schon  nach  2  Generationen  abgebrochen  wurden.
In  dem  einen  Falle  boten  die  Pusteln  nicht  die  für  die  Weiterimpfung  auf  Kälber  erforderlichen
  Eigenschaften  dar,  im  anderen  konnten  von  70  Impfschnitten  in  Folge  nur
theilweiser  Pustelentwickelung  einer  Gegend  des  Impffeldes  17  nicht  verwerthet  werden.