Volltext : Geschichte der Deutschen Frauenwelt. Erster Band. (1)

In  den  germanischen  Wäldern.  27

Man  ist  versucht,  zu  sagen,  ein  geheimer  Instinkt
habe  die  Römer  gestachelt,  der  Gefahr  einer  germanischen
Invasion,  wie  der  Zug  der  Kimbrer  und  Teutonen  sie
angekündigt,  dadurch  zuvorzukommen,  daß  sie  Roms
Herrschaft  und  damit  auch  Roms  Civilisation  in  die  unwirthlichen
  Gegenden  nördlich  von  den  Alpen  trugen.
Epochemachend  waren  in  dieser  Beziehung  die  Kriegszüge,
welche  Julius  Cäsar,  als  Statthalter  von  Gallien,  um
die  Mitte  des  letzten  Jahrhunderts  v.  Chr.  rheinüber
unternahm.  Dieser  geniale  Staatsmann,  General  und
Literat  ging  darauf  aus,  Germanien  nicht  nur  physisch,
sondern  auch  geistig  zu  erobern,  indem  er  es  erforschte
und  beschrieb.  Sein  Bericht  über  Deutschland,  den  unvergleichlichen
  Kommentarien  über  den  gallischen  Krieg
einverleibt,  bleibt  auch  dann  noch  von  großem  Wertbe,
wenn  man  nicht  verhehlt,  daß  er  am  Generalisiren  leide,
d.  h.  die  bei  einzelnen  germanischen  Stämmen  beobachteten
  Zustände  allzu  willkürlich  auf  die  ganze  Nation
übergetragen  habe.  Im  Vergleich  mit  den  Galliern,
welche  von  der  römischen  Kultur  schon  einigermaßen
beleckt  waren,  fand  Cäsar  unter  den  Germanen  noch  sehr
waldursprüngliche  Zustände  vor.  Namentlich  weis't  seine
Nachricht  von  der  geringen  Neigung  und  Sorgfalt  der
Deutschen  für  den  Ackerbau  auf  einen  niedrigen  Kulturgrad
  hin.  Es  dürfte  aber  seine  allgemein  gehaltene
Notiz:  „Um  Ackerbau  kümmern  sie  sich  nicht“  —  sehr
einzuschränken  sein,  wenn  man  bedenkt,  daß  schon  Tacitus
Germanien  „ziemlich  fruchtbar  an  Getreide“  fand.  Für
unser  Thema  von  größtem  Belang  ist,  was  Cäsar  über