Volltext : Geschichte der Hohenzollern.

ruͤgen;  dem  Praͤfidenten  des  Kriegsraths  soll  sogar  die  Aeußerung  entfallen  sein,
der  Kaiser  habe  gar  keinen  Gefallen  daran,  am  baltischen  Meere  ein  neues  Königreich
  der  Vandalen  entstehen  zu  sehen.  Auf  keine  Weise  wollte  Leopold  l.  dem
Karfürsten  zur  Eroberung  des  schwedischen  Pommern  verhelfen;  diese  feindselige
Gefinnung  erfuhr  er  in  jedem  Augenblick  bei  den  zu  Nimwegen  eröffneten  Friedens-Unterhandlungen.
  Hier  wollte  sich  der  Kurfürst  nicht  als  Reichsstand  vertreten
lassen,  sondern,  wie  dies  wirklich  der  Fall  war,  als  selbstständiger  mit  Frankreich
  kriegführender  Machthaber.  Konnte  er  doch  mit  vollem  Gewicht  anführen,
daß  er  im  Elsaß  mit  einem  größeren  Heere  als  der  Kaiser  erschienen  sei.  Man
mußte  dieser  Forderung  nachgeben,  doch  um  so  größeren  Widerstand  leistete  man
in  Betreff  der  Entschädigung.  Holland  war  überdies  des  Krieges  müde,  England
  den  französischen  Interessen  günstig;  beide  stimmten  zum  großen  Verdruß
des  Kurfürsten  für  einen  Waffenstillstand  zwischen  den  nordischen  Mächten.  Dennoch
  gelang  es  Friedrich  Wilhelm,  ein  neues  Schutzbündniß  mit  Holland  auf
zehn  Jahre  abzuschließen,  in  welchem  die  Staaten  für  Schenkenschanz  und  die
rückständigen  Subsidien  auf  alle  Anforderungen  wegen  der  vieljährigen  Hoofeiserschen
  Schuld,  deren  Betrag  nach  der  Rechnung  des  hohen  Hofes  von  Mecheln
sich  jetzt  auf  zwölf  Millionen  Gulden  belief,  verzichteten.

Um  den  Staaten  Muth  zur  Fortsetzung  des  Krieges  zu  machen,  stellte
Friedrich  Wilhelm  mit  Münster  und  Neuburg  18,000  Mann  an  der  Maas  auf,
wie  auch  der  Prinz  von  Oranien  seinerseits  Alles  aufbot,  um  den  Frieden  zu
verhindern.  Der  Kurfürst,  dessen  Stellung  von  Tage  zu  Tage  verlassener  wurde,
suchte  Englands  Vermittelung  nach,  um  das  schwedische  Pommern  wenigstens  bis
zur  Peene  als  Kriegsentschädigung  zu  erhalten;  aber  auch  hier  glückte  es  ihm
nicht,  und  Ludwig  XIV.  erklärte  unumwunden,  er  würde  sich  auf  keine  Unterhandlung
  einlassen,  bis  Schweden  für  seine  sämmtlichen  Besitzungen  sicher  gestellt
wäre.  Zuletzt  forderte  er  nur  noch  Stettin,  doch  die  französischen  Bevollmächtigten
  erwiederten,  die  Ehre  ihres  Königs  verlangte,  daß  seine  Bundesgenossen
unverletzt  aus  dem  Kampfe  hervorgingen.  Der  schwedische  Gesandte  erklärte
geradezu,  sein  König  würde  lieber  seine  Krone  als  Stettin  verlieren.

Die  Generalstaaten,  der  Kriegslast  und  der  endlosen  Verhandlungen  müde,
lösten  vermittelst  eines  Separatvertrages  mit  Frankreich  für  sich  wenigstens  alle
Schwierigkeiten  (14.  August  1678).  Vergebens  suchte  der  Prinz  von  Oranien
durch  ein  verzweifeltes  Mittel,  nämlich  einen  Angriff  auf  die  Franzosen  bei  Mons.
nach  der  schon  erfolgten  Unterzeichnung,  den  allgemeinen  Frieden  zu  verzögern.
Auch  diese  Hoffnung  wurde  vereitelt.  Alles,  was  sich  noch  in  den  Händen  der
Franzosen  befand,  erhielten  die  Holländer  zurück;  sämmtliche  kriegführende  Mächte,
sofern  sie  binnen  sechs  Wochen  an  dem  Frieden  Theil  nehmen  wollten,  waren
in  denselben  eingeschlossen.

Es  läßt  sich  denken,  daß  Friedrich  Wilhelm  Alles,  was  in  seinen  Kräften
stand,  anwendete,  um  das  Geschehene  rückgängig  zu  machen  oder  wenigstens
die  nachtheiligen  Folgen  desselben  für  seine  Stellung  zu  schwächen;  aber  welche