Blätter
für
UNechtsanwendung
zunächst in Bayern.
Nr. 11. Sanstag, den 22. Mai 1852.
Ungenügende Zeugenbenennung. Verfügung darauf.
O. Kap. 10. S. 0.
Es kömmt in der Praxis nicht selten der Fall
vor, daß in einem Rechtsstreite der Probank einen
Zeugen nach Namen, Stand und Wohnort nicht
so genau bezeichnet, daß seine Vorladung oder die
Regquisition einer auswärtigen Behörde um seine
Vernehmung erfolgen kann.
Daß wegen mangelhafter Bezeichnung eines
Zeugen, wenn er nur wirklich existirt, die Parthei
dieses Beweismittel in Anwendung der Ger.-Ord.
Kap. 10 F. 3 Nro. 1 und der Novelle vom 22. Juli
1819 §. 12 nicht verliert, haben diese Blätter
(Bo. 13. S. 397) schon früher gezeigt.
Es wird nun gewöhnlich dem Probanten die
Auflage gemacht, den fraglichen Zeugen binnen 14
Tagen näher zu bezeichnen, außerdem der Verzicht
auf denselben angenommen werden soll.
Manche prozeßleitende Richter erlussen diese Verfügung
sogleich nach eingekommener Beweisantretung,
andere erst nach Einlauf der Erklärung des Probaten
und des direkten Gegenbeweises, und es dürfte
dieses Verfahren vor dem ersteren den Vorzug verdienen,
weil der Reprobant vielleicht denselben Zeugen
als untüchtig oder verdächtig, oder als eigenes
XVII.