im Reiche, daß die Quellen, die jetzt angestochen sind,
die letzten sind, die wir überhaupt im Reiche zur Disposition
stellen können; und ich wiederhole, was ich in
der vorigen Session gesagt habe, daß wir unsererseits nicht
gewillt sind, auf dem Gebiete der Zölle und indirekten
Steuern irgendwie einen Schritt weiter zu gehen. Das
Reich muß mit dem, was es jetzt an Steuerquellen hat,
haushalten« }).
Das Zentrum stellte sich durchaus auf den Boden dieser Erklärungen,
und da es auch die Beseitigung der Franckensteinschen
Klausel sauf Leben und Tod« (Windthorst) bekämpfte, konnte die
Regierungsvorlage unmöglich Gnade vor seinen Augen finden.
Das Bemerkenswerteste an dieser Stellungnahme ist, daß
anscheinend die Bismarcksche Finanzpolitik weiterhin lähmend auf
die Gestaltung der Reichsfinanzen wirken sollte: keine neuen
indirekten Reichssteuern, bevor nicht die Einzelstaaten ihre direkten
Steuern entwickelt haben, so etwa lautet jetzt die Losung.
Auf der andern Seite aber bot, wie erwähnt, den Freunden
einer organischen Finanzreform, insbesondere den Nationalliberalen,
die Vorlage wiederum zu wenig. Zwar klang es so, als sei in dem
Gesetzentwurf der Vorschlag Bennigsens, einige Steuern beweglich
zu machen, aufgenommen worden, aber tatsächlich wurde dem
Reichstag dieses Recht ja gar nicht eingeräumt, sondern nur in
Aussicht gestellt. Der $ 5 des Finanzreformgesetzes sagte:
»Zur Deckung eines im KReichshaushaltsetat bei den
fortdauernden Ausgaben und den einmaligen Ausgaben des
ordentlichen Etats sich ergebenden Fehlbetrages ... können
auch Zuschläge auf die dem Reiche zustehenden Stempelund
Verbrauchsabgaben gelegt werden. Die Bestimmung
darüber, auf welche Abgaben, in welcher Höhe und auf
welche Dauer Zuschläge gelegt werden sollen, erfolgt
durch ein besonderes Gresetz.«
Nichtssagender kann ein Gesetzesparagraph wohl kaum sein.
Selbstverständlich können Zuschläge zu den Verbrauchsabgaben
eingeführt werden, und selbstverständlich können Bundesrat und
Reichstag ein Gesetz darüber vereinbaren. Um diese theoretische
Möglichkeit festzustellen, bedarf es keines Finanzreformgesetzes.
Es ist daher begreiflich, daß die Enttäuschung über die »Finanzmaßregeln
großen Stils«, die man nach der Frankfurter Kon-I)
Sten. Bericht, 29. Jan. 1894, S. 914. Vergl. auch die Ausführungen Bachems,
ebenda, S. 941.