Volltext : Jahrbuch für Gesetzgebung, Verwaltung und Volkswirthschaft im Deutschen Reich. Dritter Jahrgang. (3)

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Einkommen  von  unter  600  Mark  entziehen  s#  der  Berechnung,  da  diese  hier  steuerfrei
  find;  der  Verfasser  schätzt  sie  auf  mindesten;  30,000.  In  Hamburg  bleiben  60  Proc.

inter  den  Einkommenegrenzen  von  1200  Mai,  über  80  Proc.  der  Gesammtbevölkerung
binter  denen  von  2100  Mark  zurück.  Die  Kl  ssen  mit  über  12,000  Mark  Einkommen
versteuerten  1872  50,1:  Proc.  des  gesammten  verF  erten  Einkommens.  Eine  Vergleichung
der  Verschiebung  der  Procentsätze  zeigt  uns  ine  Zunahme  der  unteren  Klassen  der
Steuerzahler,  im  Großen  und  Ganzen  aber  während  der  4  Jahre  1869—72  keine
wesentliche  Verändernng.  —

Der  2.  Theil  der  Schrift  sucht  die  Ber  stheilung  der  Wohlstandsverhältnisse  in
dem  Maßstabe,  wie  eines  der  allgemeinsten  Bo  ürfnisse  des  menschlichen  Lebens,  nämlich
  das  Wohnungsbedürfniß,  befriedigt  wird.  In  der  That  ist  die  Wahl  der  Wohnungsverhältnisse
  zur  Beurtheilung  der  Woh  standsverhältnisse  wohl  einc  sehr  glückliche
  und  unanfechtbare  zu  nennen.  Der  Veri  isser  hat  Recht,  wenn  er  behauptet,  daß
kein  Bedürfniß  allgemeiner  und  deshalb  die  Act  seiner  Befriedigung  zum  Wohlstandsmaßstabe
  geeigneter  ist  als  das  Wohnungsbel  ürfniß,  da  es  weit  weniger  als  andere
Bedürfnisse  von  der  Individualität  beherrsaht  vird  und  nach  den  Neigungen  und  dem
Geschmacke  des  Einzelnen  wechselt,  sondern  bei  einer  gewissen,  vorauegesetzten  Höhe  der
Kultur  von  Jedem  so  vollständig  als  möglih  befriedigt  werden  wird.

Das  hervorragendste  Interesse  verursacht  natürlich  die  Reichshauptstadt,  welche
zuerst  behandelt  wird,  und  zwar  betrachtet  de:  Verfasser  Berlin  zunächst  als  Ganzes.

Als  Kriterium  eines  gewissen  Wohlstank  es  auf  der  einen,  einer  gewissen  Beschränktheit
  auf  der  andern  Seite  erscheint  des  Halten  resp.  Nichthalten  von  Dienstboten.
  Wenn  man  die  Haushaltungen  ausschließt,  welche  zugleich  Chambregarnisten
oder  Schlafleute  halten  und  deshalb  die  Dienstt  oten  mehr  zur  Vedienung  für  diese,  als
zur  eigenen  Bequemlichkeit  benöthigen,  so  ergibt  sich,  daß  in  den  Jahren  18604—71  mehr
als  80  Proc.  aller  Berliner  Haushaltungen  keine  Dienstboten  zu  halten  im  Stande
waren,  ein  Procentsatz,  der  offenbar  die  Tendenz  zur  Zunahme  hat,  da  die  Zahl  der
Haushaltungen,  welche  Dienstboten  zu  halten  im  Stande  sind,  im  Jahre  1864
15,1  Proc.,  1867  15,1  Proc.  und  1871  12,7  Proc.  betrug.  Die  Zahl  der  Familien,
welche  mehr  als  1  Dienstboten  halten,  ist  6,)  Proc.

Das  zweite  Mittel  zur  Konstatirung  eines  bequemen  oder  nicht  bequemen  Wohnens
  und  damit  zur  Erkenntniß  der  Wohlstandsgliederung  ist  das  Halten  oder  Nichthalten
  von  Chambregarnisten  oder  Schlafleuten.  Denn  nur  diejenigen  Familien  werden
  einen  Nebenerwerb  durch  solche  Kategorien  auf  Kosten  der  eigentlichen  Zwecke  der
Paushaltung  suchen,  denen  die  regelmäßigen  Einkünfte  zur  Bestreitung  der  vorhandenen

edürfnisse  nicht  ausreichen.  Es  sind  dies  im  Jahre  1861  10,3  Proc.,  im  Jahre  1864
7,1  Proc.,  im  Jahre  1867  8,  Proc.  und  1871  5,1  Proc.  aller  Haushaltungen.

Ein  bedenklicheres  Symptom  für  den  Wohlstaud  resp.  die  Dürftigkeit  der  Hausbaltungen
  als  das  Halten  von  Chambregarnisten  ist  aus  klaren  Gründen  das  Beherergen
  von  Schlafleuten.  Es  kann  nur  eine  unabweisbare  Noth  zur  Aufnahme  von
Schlafleuten  zwingen.  In  den  Jahren  1861  auf  71  nahm  die  Zahl  der  Schlafleute  in
Berlin  in  Folge  des  größeren  Zusammenströmens  des  Proletariats  von  43,000  auf  67,000
und  dem  entsprechend  die  Zahl  der  Haushaltungen,  welche  sie  zu  beherbergen  bestimmt
sind,  von  21,000  auf  36,000  zu;  von  diesen  Haushaltungen  hatte  etwa  die  Helfte
1  Schlafburschen,  alle  übrigen  hatten  ?  oder  mehr.  Wenn  wir  alle  Haushaltungen
der  Reihe  nach  ihrer  wirthschaftlichen  Stellung  gruppiren,  wobei  wir  noch  die  Haushaltungen
  ohne  Dienstboten  und  Chambregarnisten,  über  deren  Wohlstand  sich  nichts
estimmtes  aussagen  läßt,  einfügen,  so  ergeben  sich  für  das  Jahr

Z„  die  Haushaltungen:  Procente  der  Gesammtzahl:
ohne  Dienstboten  und  Chambregarnisten  34
mit  mehr  als  1  Dienstboten  ..  507,
mit  1  Dienstoboboen  1156,

mit  Shamörtgarnisten  .  5898,
mit  1  Schlafburschen  .....
mitmehrecrnSchlafleutcn.......10,1,

Die  Kenntniß  von  der  Zusammensetzung  der  Haushaltungen  ist  zugleich  die  nothwendige
  Vorbedingung  für  das  Verständniß  der  eigentlichen  Wohnungsverhältnisse,
weil  ja  diese  auf  die  Feuszaltung  als  Grundlage  basirt  ist.  Für  die  Betrachtung
der  Wohnungsverhältnisse  erscheint  dem  Verfasser  ein  möglichst  enger  Begriff  der

Haushaltung  wünschenswerth,  der  womöglich  nur  diejenigen  #n  onen  umfassen  müßte,