60. Zahrgans
Rt. 241
Ge## 18. Oktober 1914
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Sonnulagsblattꝰ ers
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— E — Nren und * Nr. 72;
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Vor einer neuen Riesenschlacht in Rußland
Fortsetzung der Kämpfe in frankreich und Belgien. — ein englischer Kreuzer zum S#nken gebracht. — ein deutscher Flicger uder Taem
französischen Hhauptquartler. — furcht und Angst j in England. — die plündernden Ruffen. — örohec verluste der Ruffen. — bic
mubammedaner an der RArbeit. — der Rufltand in Südafrtika. — Die Gdrung in Indien.
„Wir werden sie totmarschieren!“. das war
rie RPatole, welche die deutschen Truppen sich
gaben, als es nach dem Falle von Aniwerpen
galt, aie Verfolgung der Besatzung und der
abrigen Teile des englischen und belgischen
Heeres in Belgien auf zunehmen und durchzuführen.
Diese Parole ist in die Tat umgesehzt
worden. Der# Vormarsch der deuschen Trappen
war se unaufhaltsam, daß schon am 14. Ol.
tober Brugge und am 15. Trteber Citende
von uns beietzt werden donnte. Nugh dern Falle
von Antwerpen waren also nur jüm Tage ersorderlich,
um ganz Belgien in unieren Besih
zu hringen. Die Truppen der Verbundeten sind
abgezogen, ihr endliches Schi ssal L jedoch noch
nicktn festgeslellt. Wir wissen nur, daß etliche
Tauscule die holländische Grerz: überschritlen
haden, wo sie dann entwaffnet wurden. Jür
alleo übrige sind wir bisher nur autr Privalmelbnagen
angewiesen. Eine dav n beit agie,
das, englische und belgische Truppen m Euglaud
eingetroffen wären, eine andere laulet:
„Da: große Heer der Verbönde ten iit nach
dem Süden abgezogen.“ Etwas Beitimnites
darüber weiß man aber nicht. Sicheriich merren
die deutschen Truppen ihnen auf den Fersen
sein, io daß wohl bald nähere Mitteilungen
zu erwarten sind. Von den Kämufen in
Frankreich lagen bia Samstagmittag nähere
Meldungen nicht vor. Selbst franzöiische und
engli iche Quellen wußten nur Bedrulangsloses
zu Lt#en.
Im Östen künden die erbitlerten Käwpfe an
der mielieren Weichsel den Beginn einer grohen
Schiacht an. Die vereinigten Streiklkräte der
deutschen und österreichischen Truepen haben
domn esne kecht schwierige Arbeil zu leinen. Die
Hauptiache ist, duß die deutsch- osterreichische
Vereiniguno am linken Beichselufer in Südhelen
vorwärts dringk und auf ihrem Weg
überall die Uebertrittsversuche ruh;: ssher Armeeteile
hber die Weichsel vereitelt. Das verbundele
Heer eilt Warschau und den beiden
Vorfestungen Zwangorod im Südosten und
Neu#n ieordiewst im Nordwiste# zu. Daß es
am eine Belagerung der drei Fellungen, nameiisch
der alten Hauptstadt Pocas, abgesehen
ist geht aus dem Umstande Ceroor, daß
deutsche Streitkräfte auch aus dem Wenen und
eemr Nordwesten her dorthin dorräden. Selbst
bn saWarschau wird unseren sweren Geslüten
ebensowenig lange widerstihen können
wie Antwerpen und die übrigen jeilen. Plätze
auf dem mestlichen Kriegsschauplatz. Die Russen
aber werden verzweifelte Anstrengungen machen,
um die vollständige Einschliestund zu verbindern.
Eine Riesenschlacht, dielleidt die grõhie
des ganzen Krieges, steht in diesen Gediein vevor.
Der gigantische Kampf wird sich vorauslichtlich
bei Warschau absvielen. Gleichzeitig
wird cs aber auch Zusammenstöhe an der
Weichsellinie im Süden von Wacschau bis nach
Calizien hinein, sowie nordsstlich von Warschau
in der Richtung Ostrolenka, Osowieg, Grodno.
gelen, wo sich der rechte Flügel der run#ischen
Aassteilung befindet, der sich an der Ostarenze
des in deutschen Händen befindlichen Gouvernenmepte
Suwalki bis an die nordöstlile Grerze
Ostrreuhzens hinzieht. Die Russen hofsen nämlich,
einen möglichst großen Teil der deutschen
Suneitkräfte dort hinüberzuziehen. Dieie Hoffbung
wird aber trügerisch bleibeg. ebensa wie
die Haffnung, welche man in Rußland auf
den Minter setzt. 1914 ist nicht 1812 Wenn
die Deutschen und die Oesterreich- r heute in
R.ad eindringen, haben sie 27#masch ausdebat##.
dichte Eisenbahnnetze ninter sich durch
welche sie täglich alle Deeresbedür' e deden
können. Außerdem stehen ihnen Te'aphen,
Telephene und Luftsahrzeinge zur Verfücung.
Ueberoies ist es mehr wie wahrscheintich, daß
wit Derren Warschaus geworden sind, eh: noch
der ru'sische Winter ins Sand gesogen ie. Mi
Warschau haben aber dann unsere siegreich vordringenden
Heere einen besonde: starlen TZiützpuntt
gewonnen.
Bei allem Interesse für die Voron## auf
den Kriegeschauplatzen dürfen wir der Last ni.hr
vergesien, welche der ron Tuglund angesachte
Krieg namemlich auch den neutturen Staaten
auserlegt. In erster Linie haben wir hier Hol
tand im Auge. Die militärtsche Machlenlj. "jI
tung zum Schutze der Neutralität beraubt das
Land viel schaffender Kräfte im Wirrschafts
lenen:; dazu kommen englische Schikunen und
Beltitigungen. Eben ietzt wieder hat Holland
ourch die Belagerung und den Feanl von An'.
werpen für die großen Mengen der fach Holland
gefluchteten bürgerlichen Bevölkerun und
die vielen Tausende belgischer Soldaten eine
neue schwere Zast an verantwortilher Muh.
sal und wildtätiger Hilfe aufgebürdet erhalten
Das trifft das lleine Zand, deisen gang Be
vollerung wegen Knappheit an Getreide.
vorrälen schon längst auf Graubrot angewiesen
ist, namentlich bei der Verpilegung einer An
zahl Fluchtlinge, die ein Viertel der gesamten
holländüchen Bevölkerung ausmacht, außerordentlich
schwer. Es ist daher recht und billig.
bh wir in unserer eigenen harten Krie 3& 1hei
nicht versäumen, den Blit #roll Achtung ur'-Bewurderung
sowohl auf Holland wie auf die
übriger neutralen Zänder zu werfen. die zwar
klein on Volkszahl, aber groß an Op,
leil sind in einer Zeit, in der die Volter auf
Herren und Nieren geprüft werden.
* §F "
Der Einzug in Antwerpen#.
London, 16. Okt. „New D#rk World“
brinat eine Beschreibung des Einzuges der
Deutĩchen in Antwerpen. Der Kotcripondent
sah ihn von dem Balkon des umerita#n#n dhen
Koasulates. das er nach der Flucht des Konfu.s
in Besitz nahm. Er war der ##nige Zu
schauer in der ganzen Stadt. Die ersten ein
rückenten Truppen waren Radfahrer, ½ sbigien
eine Brigade Infanterie und verschtorne Feldbatterien.
Diese ogen in schnellem Tralc durch
die Stadt nach den Kais und schossn dort nut
Granaten auf die belgische Nachhul, die auf
der anderen Seite der Schelde slüchtet. Eine
Kompanie Infanterie ging über die Pon'
brücke, die in der Mitte von den Belgiern de—
sprergt war. Zwei Soldalen speangen ins
Wasier und schwammen uber die offene Stelle,
klellerten auf der anderen Seite der Vrue
empm und rückten, um das andere Ufer aufzuklären,
vor. Die Deutschen stellten eie BVtuͤle
in zwei Stunden her. Sodann zogen d e Truvpen
in ununterbrochenem Strom binnor-. Der
Hauptleil der Armee kam erst am Samslaaabend.
80 000 Mann wurden ꝑnan dem He-
neral v. Schutz und ron dem Admiral v. Schröder
inipiziert, die mit einem glänzenden Stabe
zu Pferd vor dem Königspalafst nonden Die
Trunpen DLgen fünf Stunden #à#u3 durch die
Straben. Die verlassenen Häusfer langen unter
Azu räftigen Paradeschritt wider. K 10 inte
auf Kempanie, Regiment auf Ne Biigade
auf Brigade rüdten ein. Die Augen be-Jannen
in schmerzen beim Hinol'en #u
laugen Reihen in Grau unter dim
Stahln rrioneit. Die Truppen fangen di. „Wacht
am Rhein“ und „Eine feste Zurm unser
ECotill. Jedem Regiment zog#ein Mustklorps
nehill FSabne voraus. Die Truvp= bestunden
aus denen, die in den letzten zwei Whclenforldauernd
im Kampfe waren und 15 Stunden
Tidund Verderben auf die Stodt schtenderten.
Die Vfierde und das Geschirr waren gut und die
Geschune gut geputzt. Nach der Artille#### kam
die Kovalleric, Kürassiere, Hu#ten, Ulanen,
daun TZeesoldaten von der Marinedir'tion. tine
Mbeilung dunkelblane, banerische Naitn anteri#.
beubtaue sächsische Truppen, Oellerer in
Subergrau, eine Abteilung V#idermerie in
Sner und Grün chl5 den Zug. Allicz meist
darauf hin. daß die Denischen den Besehl banten,
die Bevölkerung mit großer Umeichs
behandern.
In Antwerpen.
Amsterdam, 16. Okt. Der „Notterdamsche
Courant“ meldet aus Rosendaal vom 15.
Ollober: Die deutsche Militärbehörde: forderte,
wie verlautet, von der Stadt Antwerpen. de
volle Unterhaltung der starken Vesehung.
Verordnung, daß die Türen der bewo anen
Häuser auch nachts offen bleiben müssen, wurde
zurückgezogen, jedoch muß auf Korridoren beständig
Licht breunen.
Die Lage
Amsterdam, 17. Okt. Die zahl der Flucht
linge, welche in Sluis aus dem no#rdmieitrichen
Belgien eintraf, wird auf 60 000 geschätzt. Ihr
Zustand ist unbeschreiblich; es Zlb: für sie keine
Unterkunft, so daß viele die Nacht im Freien
verbringen müssen. Es herrscht Mangel an
Nahrungemitteln, die Bäckereien sind leer. Alle
Bauernwagen sind requiriert, um die Zeute
nach Bresken zu bringen, wm? duch ###on alles
voll ist. Zwanzig große Boote. die lonst für
den Transport von Zuderrüben dienen. lind
mit Fluchtlingen besetzt. Fortgesezt kommen
velgüche Flüchtlinge auch in England an. Es
sind insaesamt nun 160 000 Perioa:a dort.
2500 belgische Soldaten sind gestern ebensalls
eirgetrafjen. König Albert will lei ver Armee
bleiben, die Konigin weigert #ich, ihn zu verlassen.
Aus Brügge wird gen#eldet, daß lich
20 000 Deutsche in Maldegen befinden. Die
Engländer ziehen sich andauernd zuru 1 und die
belgischen Soldaten überschreilen sortgesetzt die
helländ'sche Grenze. Am 15. Ollober krenzten
engü#lche Kriegsschiffe in der Nordiec auf der
Höhe von Ostende. In der Nicht zum Dienstag
zoeen 30 000 Mann belgische Soll##ien an
Ostende vorbei in südwestlicher Richtung. Die
Deutschen bewachen sämtliche nach Holland fühin
Belgien.
renden Straßen, so daß der Uebertritt der
Belgier nach Holland nur in Wäldern und
Moorca stattfinden kann.
Der Kampf gegen die abziehenden belgischen
und englischen Truppen ipiell:e sich in einer
Reibe von Einzelgesechten ab. Außer in der
Cegend von Dirmuiden, D#ern, Dünnichen und
Thzuront fanden jolche auch in der Oegend von
Zeebrügae sicl#. die Bruden bei Selzacte wurden
von den deutschen Truppen wirder hergestellt.
Dem Einzug der Deutschen in Brügge
ging ein Gefecht gegen die deig'sche Nachhut
voraus. Hunderte ron Belgiern sind in Zioilkleitern
desertiert und über die hiländische
Grenze geflüchtet. Die Lazarette wurden von
den Belgiern aufgelost, öhne daß man sich um
die Vermundeten weiter belämmert hätte.
11. Millionen Belgier sollen in Holland sein.
Ein Flicger über dem französischen
Hauptquartier.
Kaapenhagen, 17. Okr. Naltion :# Tidende
meide:: Ueber Joffres Hauptquartier warf
ein Flieger eine Bombe herab, die in der Näte
bes Vréfidenten Poincare und Jofires niederfiel.
Das deutĩche Flugzeug wurde von einem
französischen verfolgt. —
Die Angst vor Zeppelin.
London, 16. Okl. Der Kommandant der
Verteidigungswerke an der Themse leß eine
Bekanntmachung anschlagen, in der die Beohkkerung
vor feindlichen Luftschissen und Flugzeugen
gewarnt wird. Man müsse deshalb, wenn
man schießen hört, Deckung suchen, möglichst
in Kellern oder Bodenvertiefungen.
Die englische Furcht vor einem
deutschen Angriff.
London, 16. Okt. Der militäruch: Mitarleiter
der „Times“ beschäftigt sich neuerlich
mit rinem deutichen Angriff gegen England
und ichreibt: Wir müfjsen etwarten, daß wir
in unserem Heimatland angegr'itren werden.
Das kann aber nur durch eine Tiuppenerpedilion
geschehen. Die Seeverteidigung eines Zandes
wie England bietet große Schwierigleiten.
nicht nur weil eine große Stärte wegen der
cU#nedehnten Küste notwendig ist. sondern auch,
weil dic britischen Truppen aus'dem Kontinent
sind und wegen des Mangels eines nation#alen
Heer. das nun in der Bildung begeissen ist.
Die Gefahr, die die Unterseeboote bieten,
häl! ost eine große Flotte von den Bestimmungsorten
fern. Die Zeppeline und Minen
leger dem Admiral Zellicoe eine große Verontu
#riung auf. Solange die Deutschen Fortschritie
machen, besteht die Mögtichleit, daß
sie Truvpen unter dem Schutze alteret Kriegsschille
en das Land setzen konnen, während die
Oauxtsleten an anderen Orten im Kamogl sind.
Es gidt deutiche Häfen genug, wo eine Viertelmilnn
Mann schnell eingeschifst werden lan.
Die Deutschen selbst aber dürften zugeben,
die Aussicht auf ein Gelingen vering sei.
Operationen zu Lande ließen augendliklich nicht
annehmen, daß lsie binnen #bsehL#ar## an
Ü
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