Full text : Illustrierte Geschichte der Sächsischen Lande und ihrer Herrscher. I. Band, 2. Abteilung. Von der Landesteilung von 1382 bis zum Übergange der Kurwürde an die Albertiner (1547). (2)

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Unter  dem  Einflusse  der  Neuankömmlinge  wurde  nun  die  Messe
beseitigt,  und  vor  allem  wandte  sich  der  Eifer  dieser  Neuerer  gegen
die  Zeugen  der  Vergangenheit,  gegen  Altäre,  Bilder,  Statuen,  sonstigen
Zierrat;  alles  das  wurde  als  unchristlich  beseitigt  und  zerstört.  Während
Friedrich  der  Weise  auch  jetzt  noch  unschlüssig  zusah,  erwirkte  Herzog
Georg  im  Januar  1522  ein  Edikt  vom  Reichsregiment,  das  den
Bischöfen  von  Merseburg  und  Meißen  anbefahl,  gegen  die  kirchlichen
Neuerungen  einzuschreiten.  Kein  Zweifel:  in  dem  Auftreten  der
Schwarmgeister,  wie  Luther  die  Zwickauer  und  Karlstadt  nannte,  lag
in  diesem  Augenblick  eine  große  Gefahr  für  die  Sache  des  Evangeliums;
  es  bot  den  Gegnern  eine  willkommenc  Waffe,  und  sie  säumten
nicht,  sie  zu  benutzen.  So  bald  als  möglich  mußte  etwas  geschehen.
Und  so  verließ  Luther  am  1.  März  1522  allein  die  Wartburg  und
ritt  auf  Wittenberg  zu.  In  Jena  blieb  er  im  Bären  und  hatte  da
jene  Zusammenkunft  mit  den  beiden  schweizer  Studenten,  dem  Johannes
Keßler  und  seinem  Freunde,  bei  der  sich  die  ganze  heitere  Ruhe  eines
Mannes  zeigte,  der  mit  sich  und  der  Welt  im  klaren  ist.  Von  Borna
aus  schrieb  er  dann  an  den  Kurfürsten,  dessen  ängstliche  Natur  nicht
recht  mit  dem  Rücktritt  Luthers  in  die  Welt  einverstanden  war  und
der  für  Luther  namentlich  von  seiten  des  Herzogs  Georg  fürchtete,
ienen  heldenhaften  Brief,  in  dem  sich  die  ganze  furchtlose  und  überzeugungstreue
  Seele  des  Mannes  abspiegelt.  „Ich  hab'  Ew.  Kurfürstlichen
  Gnaden  genug  gethan,  daß  ich  dies  Jahr  lang  meinen  Platz
geräumt  habe,  Ew.  Kurfürstlichen  Gnaden  zu  dienen.  Denn  der  Teufel
weiß  sehr  wohl,  daß  ichs  aus  keiner  Furcht  gethan  habe.  Er  sah
mein  Herz  wohl,  da  ich  zu  Worms  ankam,  denn  wenn  ich  gewußt
hätte,  daß  so  viel  Teufel  auf  mich  gelauert  hätten,  als  Ziegel  auf
den  Dächern  sind,  so  wäre  ich  doch  mitten  unter  sie  gesprungen  mit
Freuden.  Nun  ist  Herzog  Georg  noch  sehr  ungleich  auch  nur  einem

einzigen  Teufe  Von  mir  weiß  ich  wohl,  ich  wollte  in
sein  Leipzig  hineinreiten  —  Ew.  Kurfürstlichen  Gnaden  verzeihen  mir
meine  närrischen  Reden  —  wenn's  gleich  neun  Tage  eitel  Herzog

George  regnete,  und  ein  jeder  wäre  neunfach  wütender  als  dieser  ist.
*.  Ich  hab's  auch  nicht  im  Sinn,  von  Ew.  Kurfürstlichen  Gnaden
Schutz  zu  begehren.  Ja,  ich  meine,  ich  wollte  Ew.  Kurfürstlichen
Gnaden  mehr  schützen,  als  sie  mich  schützen  könnten.  Sogar  wenn