Full text : Leitfaden für das Preußische Jäger- und Förster-Examen.

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Allgemeine  Eintheilung  der  Naturkörper.

Alles  das,  was  wir  mit  unseren  Sinnen  wahrnehmen  können,
ist  Natur;  die  einzelnen  Theile  der  uns  umgebenden  Natur  nennen
wir,  sobald  sie  eine  gewisse  Selbstständigkeit  besitzen,  Naturkörper.
Entweder  sind  diese  Naturkörper  unverändert  und  ursprünglich  (eigentliche
  Natur),  oder  sie  sind  durch  menschliche  Kunst  und  Kultur  so  verändert
  und  umgeformt,  daß  wir  sie  nicht  mehr  Naturkörper  im  eigentlichen
  Sinne  nennen.  Ein  Haus  z.  B.  nennen  wir  nicht  mehr  einen
Naturkörper,  sondern  etwa  ein  Kunstwerk;  es  ist  eine  solche  Umformung
  der  einzelnen  Bestandtheile,  die  wir  sonst  Naturkörper  nennen,
wie  Holz,  Steine,  Erden  rc.  vorgenommen,  daß  der  Begriff  der  Natur,
d.  h.  des  Ursprünglichen  ganz  verloren  gegangen  ist.  In  gleicher
Weise  können  wir  Alles,  was  uns  im  täglichen  Leben  umgiebt,  die
feinsten  Kunstwerke  wie  die  allergewöhnlichsten  Bedürfnißstücke  auf
Körper,  wie  sie  draußen  in  der  Natur  vorkommen,  zurückführen,  und
so  rechtfertigt  sich  der  obige  Satz,  daß  Alles,  was  wir  mit  unseren
Sinnen  wahrnehmen  können,  „Natur“  ist.  Im  engeren  Sinne  verstehen
  wir  jedoch  unter  „Natur“  den  Inbegriff  aller  der  Naturkörper,
  welche  sich  nach  bestimmten  Gesetzen,  die  wir  Naturgesetze
nennen,  entwickeln  und  wie  sie  sich  überall  im  Weltraum  resp.  auf
unserer  Erde  ursprünglich,  von  Menschenhand  noch  unberührt  oder
unverändert  vorfinden.  Die  Naturgeschichte  beschäftigt  sich  mit  der
Beschreibung  der  Naturkörper,  sie  umfaßt  die  Thierlehre  (Zoologie),
die  Pflanzenlehre  (Botanik)  und  die  Lehre  von  den  Gesteinen  und
Metallen  (Mineralogie);  die  Naturlehre  beschäftigt  sich  mit  den  Naturgesetzen;
  sie  umfaßt  die  Chemie  und  Physik;  beide  —  Naturgeschichte
und  Naturlehre  —  zusammen  bilden  die  „Naturwissenschaften“,
welche  die  Erkenntniß  der  ganzen  Natur  anstreben.  Das  Gebiet  der
Naturwissenschaften  ist  so  ungeheuer  groß,  daß  eine  einzelne  Menschenkraft
  kaum  ausreicht,  auch  nur  einen  Haupttheil  derselben  zu  beherrschen,
  geschweige  denn  mehrere  Haupttheile  oder  die  gesammten
Naturwissenschaften.  Deshalb  ist  es  Sache  der  einzelnen  Fachwissenschaften,
  sich  das  Nothwendige  herauszusuchen  und  von  den  gesammten
Naturwissenschaften  nur  soviel  als  zum  Zusammenhange  und  allgemeinen
Verständniß  gehört,  vorzumerken.  Es  finden  also  hier  nur  die  den
Forstmann  interessirenden  Theile  der  Naturwissenschaften  Berücksichtigung,
soweit  sie  der  künftige  Förster  verstehen  kann  und  muß.