1786
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Flöte. Erst um Mitternacht ging er zu Bett; „denn nichts,“ sagte er, „hat
mehr Ähnlichkeit mit dem Tode als der Müßiggang.“
2. Leutseligkeit. Alljährlich im Mai machte der König Reisen durch sein
Land, musterte die Truppen und sah nach, ob alle seine Beamten ihre Schuldigkeit
taten. Auf der Reise hatte jedermann Zutritt zu ihm und durfte ihm seine
Bitte oder Klage vortragen.
Einst kam er durch Schlesien. Als die Pferde gewechselt wurden, drängte sich ein
altes Mütterchen dicht an den Wagen. „Mütterchen, was wollt Ihr?“" fragte der König
sehr leutselig. „Nur Sie sehen und weiter nichts,“ versetzte sie treuherzig. Der König
nahm einige Goldstücke aus der Tasche und gab sie der Alten mit den Worten: „Liebe
Mutter, hier auf den Dingern könnt Ihr mich ansehen, so lange und so oft Ihr wollt;
aber jetzt habe ich keine Zeit mehr, mich länger ansehen zu lassen.“
3. Die letzte Regierungszeit. Bis in sein höchstes Alter war Friedrich
für sein Land tätig, und eine seiner größten Sorgen war jetzt, seinem Lande
den Frieden zu erhalten. Gegen jedermann war er leutselig, und so war er der
Liebling seines ganzen Volkes geworden. Gewöhnlich nannte man ihn den
„alten Fritz“. Es war für die Berliner stets ein festliches Ereignis, wenn er
in die Stadt geritten kam. Die Bürger traten aus den Türen und grüßten
ehrerbietig, und er erwiderte jeden Gruß, indem er den Hut abzog. Nicht selten
liefen viele Kinder vor und neben ihm her, riefen ihm Lebehochs zu, warfen ihre
Mützen jubelnd empor, wischten ihm auch wohl den Staub von den Stiefeln
und trieben sonst allerlei Possen. Friedrich störte nie ihre Freude. Nur wenn
sie sein Pferd neckten, daß es scheu ward, stieß er wohl einige Drohungen aus,
ritt dann aber ruhig weiter.
Als es einst die Buben gar zu arg machten, erhob er seinen Krückstock und gebot
ihnen drohend: „Schert euch in die Schule, ihr Buben.“ Diese aber riefen ihm jubelnd
zu: „Etsch, der will König sein und weiß nicht einmal, daß Mittwochnachmittag keine
Schule ist!“ (Gedicht: Mittwochnachmittag.)
Im Jahre 1786 starb der große König. Als ein Bauer in Schwaben davon
hörte, rief er aus: „Wer wird denn nun die Welt regieren?“
7. Friedrich Wilhelm II. 1786—1797.
Wahlspruch: „Aufrichtig und standhaft.“
1. Milde. Friedrich d. Gr. hatte keine Kinder. Sein Brudersohn bestieg
daher nach ihm den Thron. Dieser war gütig und wohlwollend gegen jedermann.
Das zeigte sich besonders den Soldaten gegenüber. Seit dem alten Dessauer war
der Stock in der Armee zur Herrschaft gelangt. Die Soldaten wurden selbst
bei leichten Vergehen gescholten, gestoßen, geohrfeigt, mit dem Stocke geprügelt
und nicht selten mit der blanken Klinge geschlagen. Auch das Spießrutenlaufen
war an der Tagesordnung, besonders bei eingefangenen Ausreißern. (S. 14.)
Das alles wollte der König nicht mehr dulden. Schon ein Jahr vor dem Tode
Friedrichs d. Gr. war eine Verordnung erschienen, die diese harte Behandlung
der Soldaten streng verbot. Darin hieß es: „Der König hat keine Schlingel,
Canaillen, Hunde, Kroppzeug in seinen Diensten, sondern rechtschaffene Soldaten,
von denen viele ebensogut sind als wir.“ Und nach diesem Grundsatze wollte
auch Friedrich Wilhelm II. die Soldaten behandelt wissen.