60 Erstes Buch. Die neue Staatsgründung des Großen Kurfürsten.
Ausschlag auch nicht das von dem Kurfürsten erst so stark be—
tonte Interesse Dentschlands, sondern das Frankreichs, welches
durch die Erhaltung des künstlichen Gleichgewichts im Norden
sich selbst dort den entscheidenden Einfluß sichern wollte. Darum
schützte es Schweden auch in Pommern, zumal der Kurfürst
erklärt hatte, bei dem Angriff auf Pommern nicht eine Eroberung,
sondern nur den allgemeinen Frieden im Auge zu haben. Auch
der Vorschlag, ihm statt Elbings Stettin zu überlassen, wurde
abgewiesen, und eine günstigere Regulierung der Grenze in
Hinterpommern so wenig wie die Ausschließung Schwedens von
den hinterpommerschen Lizenten gewährt. Gern hätte der Kurfürst
unter solchen Umständen das Friedenswerk irgendwie gestört
und den RKrieg fortgesetzt gesehen. Diese Möglichkeit lag
vor, solange Karl Gustav lebte: unermüdlich war er thätig,
die Mittel zur Weiterführung des Krieges zu beschaffen. Da
raffte der Tod ihn nach kurzer Krankheit am 23. Febrnar 1660
dahin, und sein Wirken, das die nordische Welt hatte aus den
Angeln heben sollen, ging schließlich fast spurlos vorüber. Das
war von einem Punkte abgesehen das Ergebnis der Friedensschlüsse,
die am 3. Mai 1660 zu Oliva und am 6. Juni in
Kopenhagen unterzeichnet wurden. Wahrend letzterer den Roeskilder
Frieden teilweise aufhob und das Gleichgewicht zwischen
Schweden und Dänemark auf lange Zeit sicherte, Deutschland
aber nichts von dem zurückgab, was es 1048 Schweden überlassen
hatte, gab Schweden in Oliva Polen das Königliche
Preußen und Zakob V. von Kurland sein Herzogium heraus
und erhielt dagegen endgültig den bisher von ihm innegehabten
Teil von Livland. Die baltische Frage war also auch jetzt noch
nicht gelöst. Aber sie wurde vereinfacht und für Deutschland
minder gefährlich durch die Beslätigung der in den Verträgen
von Wehlau und Bromberg auogesprochenen Sonveränetät
Preußens. Sie war hinfort der feste Punkt in den gärenden
nordischen Verhältnissen: durch sie war Brandenbmiag-Preußen
dort im Norden ein Glied des europäischen Staatensystemo
geworden.