Metadata : Kumbuke. Erlebnisse eines Arztes in Deutsch-Ostafrika.

128  Das  Märchen  vom  Kibo  und  Mavenzi

Wirbelsäule  fehlte.  „Der  Mavenzi  war  einst  beinahe  ebenso  hoch
wie  der  Ribo.  Doch  er  schlief  zu  gern  und  liebte  die  Arbeit  gar
nicht.  Eines  Tages  war  ihm  nun  das  Feuer  verloschen.  Da  ging
er  hinüber  zum  Bibo,  der  gerade  seinen  Mais  stampfte.  Jambo
bwana  Kibo  „Guten  Morgen,  Serr  Kibo).“  „Was  willst  du#  fragte
der  brummig,  ohne  mit  dem  Stampfen  aufzuhören.  —  „GOh,  mir
ist  das  Feuer  ausgegangen.  Leih  mir  doch  bitte  etwas  Glut.“—
„Du  Faulpelz,  gib  gefälligst  besser  acht.“  —  Ja,  ich  will  es  zukünftig
auch  tun.“  —  Und  zufrieden  zog  er  ab.  —  Es  regnete,  und  Mavenzi
verschlief  natürlich  das  Uachlegen.  Mit  bangem  Gesicht  schlich  er
hinüber  zum  Tibo,  der  fleißig  wie  immer  seinen  Mais  stampfte
und  dabei  laut  pustete.  Jambo  sana  bwana  mkubwa  (recht  guten
Morgen,  Euer  Sochwohlgeboren“.  —  „Was  willst  du  schon  wieder,
du  Bummler?“  —  „Ob,  es  hat  mir  ins  Feuer  hineingeregnet.  Und
ich  lag  ohnmächtig  da  im  Fieberwahn.  O  Herr,  gib  mir  doch
wieder  etwas  Glut.“  —  „Du  Lügner  bist  nie  um  eine  Ausrede  verlegen.
  —  „Gein,  Serr,  ich  hatte  doch  so  gut  nachgelegt  und  soviel
Brennholz  bereitliegen.“  —  „Alter  Quatschkopf,  nimm  du  diesmal
noch  Glut  mit  und  scher’  dich  weg,  aber  das  sage  ich  dir:  kommst
du  mir  wieder,  dann  schlage  ich  dich  tot.  —  „Du  wirst  mich  gewiß
nie  wiedersehen.“  —  Uun  bekam  er  aber  wirklich  Fieber  und  lag
tagelang  schwerkrank.  Er  konnte  nicht  essen  und  trinken.  Das
Feuer  war  längst  ausgegangen.  Kr  fror  entsetzlich.  Als  er  nun
wieder  einigermaßen  bei  räften  war,  schleppte  er  sich  mühsam
zum  VPibo  hin,  den  er  wie  immer  beim  Uiaisstampfen  tref.  Der  ließ
ihn  gar  nicht  erst  zu  Wort  kommen,  sondern  schwang,  sowie  er
ihn  erblickte,  den  Maisstampfer  und  schlug  furchtbar  auf  den
schreienden  Mavenzi  ein.  Kuma  njoko,  du  verfluchter  Sundesohn,
ich  werde  dir  die  Faulheit  für  immer  austreiben.“  Mavenzi  gab
bald  keinen  Ton  mehr  von  sich.  Er  war  niedergestürzt  und  zog  im
Sterben  den  schmerzenden  Rücken  ein,  daß  viele  Falten  und  Furchen
über  ihn  herliefen.  So  sieht  er  heute  noch  aus.“

Die  Bops  waren  stolz,  unsere  Aufmerksamkeit  auf  sich  gezogen
zu  haben.  Kinige  neue  Zunftgenossen  kamen  heran.  „Morrsen,
morrjsen“,  begrüßten  sie  einander  lachend.  SEine  Zigarette  ging  von
Mund  zu  Mundz  jeder  tat  einen  tiefen  Zug  und  gab  sie  dem
Jächsten.

„Weiter“,  bat  mein  Boy  Tünnes,  ein  Mitussihalbblut,  „was  ist
eigentlich  das  Weiße,  das  oben  auf  dem  Kibo  draufliegt?  Sie