Finanzielle Kriegführung
weitere Schritt auf erhebliche Schwierigkeiten. Schon
innerhalb des Kreises der Reichsleitung hatte ich es nicht
leicht. Namentlich die Postzuschläge fanden bei dem
Staatssekretär des Reichspostamts den stärksten Widerspruch,
der schließlich nur durch eine Entscheidung des
Reichskanzlers überwunden werden konnte. Die Parteien des
Reichstags zeigten sich kühl oder feindlich. Der Führer
der Nationalliberalen, Herr Bassermann, machte mir die
eindringlichsten Vorstellungen, ich solle darauf verzichten,
den Burgfrieden der Parteien auf eine Probe zu stellen, der
er nicht gewachsen sei. Der Reichstag werde unter
Umständen genötigt sein, über meine Vorlagen einfach zur
Tagesordnung überzugehen. Ich hielt Herrn Bassermann
entgegen, daß ein Burgfrieden, der nur um den Preis des
Verzichts auf zwingende sachliche Notwendigkeiten
aufrecht erhalten werden könne, ein fauler Friede sei, der
mehr schade als nütze; ich sei entschlossen, meine
Steuervorlagen einzubringen und mit ihnen, bei aller Geneigtheit,
über Einzelheiten mit mir reden zu lassen, zu stehen und
zu fallen. — Noch unmittelbar vor Torschluß kam der
Zentrumsführer Dr. Spahn aus einer Sitzung seiner Fraktion
zu mir, um mir gleichfalls dringend nahezulegen, die
Steuervorlagen zurückzuziehen. Auf meine kategorische
Ablehnung richtete er an mich die Frage: ‚Sind Sie wenigstens
der Deckung durch den Kanzler sicher?“ Ich
antwortete ‚Seiner Zustimmung unbedingt.“ Herr Spahn
schüttelte bedenklich den Kopf und erzählte dann, in
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