Volltext : Der Weltkrieg. II. Band. (2)

Finanzielle  Kriegführung

 

weitere  Schritt  auf  erhebliche  Schwierigkeiten.  Schon
innerhalb  des  Kreises  der  Reichsleitung  hatte  ich  es  nicht
leicht.  Namentlich  die  Postzuschläge  fanden  bei  dem  
Staatssekretär  des  Reichspostamts  den  stärksten  Widerspruch,
der  schließlich  nur  durch  eine  Entscheidung  des  
Reichskanzlers  überwunden  werden  konnte.  Die  Parteien  des
Reichstags  zeigten  sich  kühl  oder  feindlich.  Der  Führer
der  Nationalliberalen,  Herr  Bassermann,  machte  mir  die
eindringlichsten  Vorstellungen,  ich  solle  darauf  verzichten,
den  Burgfrieden  der  Parteien  auf  eine  Probe  zu  stellen,  der
er  nicht  gewachsen  sei.  Der  Reichstag  werde  unter  
Umständen  genötigt  sein,  über  meine  Vorlagen  einfach  zur
Tagesordnung  überzugehen.  Ich  hielt  Herrn  Bassermann
entgegen,  daß  ein  Burgfrieden,  der  nur  um  den  Preis  des
Verzichts  auf  zwingende  sachliche  Notwendigkeiten  
aufrecht  erhalten  werden  könne,  ein  fauler  Friede  sei,  der
mehr  schade  als  nütze;  ich  sei  entschlossen,  meine  
Steuervorlagen  einzubringen  und  mit  ihnen,  bei  aller  Geneigtheit,
über  Einzelheiten  mit  mir  reden  zu  lassen,  zu  stehen  und
zu  fallen.  —  Noch  unmittelbar  vor  Torschluß  kam  der
Zentrumsführer  Dr.  Spahn  aus  einer  Sitzung  seiner  Fraktion
  zu  mir,  um  mir  gleichfalls  dringend  nahezulegen,  die
Steuervorlagen  zurückzuziehen.  Auf  meine  kategorische
Ablehnung richtete  er  an  mich  die  Frage:  ‚Sind  Sie  wenigstens
  der  Deckung  durch  den  Kanzler  sicher?“  Ich  
antwortete  ‚Seiner  Zustimmung  unbedingt.“  Herr  Spahn
schüttelte  bedenklich  den  Kopf  und  erzählte  dann,  in

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