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Er war der Liebling aller Ritter, und doch hatten ihn
auch die Pfaffen bei Hofe lieb, denn auch in der Lernung
hatte er Wenige seines Gleichen. Fast war er so gelehrt,
als man kaum gewöhnlich von den Hofpfaffen und Pfaffenschreibern
in der Kanzlei erwarten durfte, denn er verstand
sogar Latein. Sein Vater Kurfürst Ludwig, der noch
im Alter Latein lernte, weil Kaiser Sigismund gar zu boͤse
that, wenn er die Kurfuͤrsten grammatische Fehler machen
hoͤrte, die so derb waren, daß auch er selbst sie merkte, ?)
mag vielleicht selbst sogar diese Freude an ihm erlebt haben.
Doch Friedrich war erst zwoͤlf Jahre alt, da sein Vater
(1449) starb.
Ein junger Ritter ohne seines Gleichen. Sein aͤlterer
Bruder, Kurfürst LudwiglV., vervortheilte ihn nach dem
Tode des Vaters. Man drang in ihn, die schdnen Landesstücke
alle abzutreten, die der Vater den jüngeren Söhnen im.
Testamente bestimmt hatte, und kaum war er achtzehn Jahre
alt, so nöthigte man ihn zu einem seierlichen Reverse, und
kaum hatte er endlich auch in eine achtjährige Abtretung dieser
Stücke gewilligt,)F so schien man schon eine völlige Cession
derselben zu suchen.
Prinzen u. d. m.) sowohl hier, als im Nachfolgenden immer
auf eine bestimmte Stelle eines gleichzeitigen Schriftstellers
sich bezieht, die man leicht selbst bei Kremer in seiner Geschichte
Kurfürst Friedrichs J. von der Pfalz fin—
den kann.
*) Wimpheling in Epitome rerum german. c. 56. Ludovicus —
latinas litteras (Catonis exemplo) senex didicit, qucd audierat
Sigismundum lmperatorem dixisse, pudore sese allici ob
Principum Electorum barbariem, qui latinarum inertes essent
litterarum, quas tamen necessario scire deberent.
»*) S. die Urkunde vom 6. Oktober 1415. S. die Kurpfälzische
Deduktion wegen des zustehenden Erstgeburtsrechts bei eventueller
Successlon in das Herzogthum Zweibrücken, Beil. u. 24.