Contents : Rosenheimer Anzeiger. 62. Jahrngang (62)

Kummer  31

zungen  der  griechischen  Neutralität  zukommen
zu  lassen.  Der  Kommandant  des  Forts  Karaburungsoll
  vor  ein  Kriegsgericht  gestellt  werden,
weil  er  sich  der  Landung  der  französischen  Truppen
  nicht  widersetzte.  Nach  Berichten  aus  Saloniki
  wurde  bei  dem  Luftangriff  durch  einen
deutschen  Lenkballon  auch  der  gesamte  Goldbestand
  der  Banken  zerstört.  General  Sarrail
hat  für  alle  zurückgebliebenen  Griechen  die  Paßrflicht
  angeordnet.  (3.)

Ool  aud  Fersonalnachrichler.

München.  6.  Feb.  Der  König  empfing
Sonniagvormittag  den  General  der  Infanterie
Grafen  Bothmer.

Baerische  Nachrichten.

St.  Ingbert,  6.  Febr.  In  unmittelbarer
Nähe  der  Stadt  stürzte  gestern  vormittag  ein
Flugzeug  al.  dessen  beide  Insassen  getötet  wurden.
  Der  Absturz  erfolgte  infolge  eineo  Motordefeltes.
  (33.)

Simbach  a.  J.,  6.  Febr.  In  Gumperting
lrach  infolge  Brandstiftung  beim  Oelonomen
Joseph  Niederreiter  Großfeuer  aus,  welches  zuerst
  Scheune  und  Stallung  einäscherte  und  zuoleich
  auf  das  Nachvaranmesen  des  Michael  Rieß
und  der  Therese  Eder  übergriff  und  das  Gesamtlesitztum
  der  beiden  letzteren  ebenfalls  in
Schutt  und  Asche  legte.  Nur  das  Großvich
lonnte  gerettet  verden.  Der  Schaden  ist  sehr
groß.

 

 

 

 

Gtenzlende.

Uufstein,  G6.  Febr.  Das  eiserne  Wahrzeichen
  der  Stadt,  der  Kufsteiner  Standschutze,
hat  in  den  eriten  zuei  Monaten  8000  Kronen
fur  den  tirolischen  Kriegsschax  zur  Fürsorge
ron  Inraliden,  Wituen  und  Militärmaisen
eingebracht.  Das  auf  Anregung  des  Vorftandes
des  Kuffteiner  Kriegsfürsorgeamtes  Herrn  Ed.
Lippott  vom  Bildhauer  Joh.  Enrich  aus
Cröde=  geschnitzte  Standtild  des  Kussteiner
Schützen  in  der  schmucken  historischen  Tracht,
wie  sie  heute  noch  getragen  wird,  stellt  ein  Stück
Tiroler  Vollslunn  dar;  um  diese  zu  erhalten,
wird  nur  der  Sockel  genagell.  Der  Standschütze
soll  demnächst  in  München  auf  kurze  Zeit  Aufstellung
  finden.

 

E.Sf

Westerndorf  St.  Peter,  7.  Febr.  Am
Samstag,  den  5.  d.  M.  abends  war  in  Westerndorf
  St.  Peter  Kirchenversammlung  der  dortigen
  Kirchengemeinde.  Die  im  Dezember  vorgenommene
  bauamtliche  Visitation  der  Kirche
lestätigte,  wuas  man  schon  längst  befurchtete,
daß  Ve  Neueindedung  der  Kirche  nicht  mehr
zu  vermeiden  sei.  Die  Kosten  zur  Hebung  der
Mauschäden  belaufen  sich  auf  nahezu  30000  Mk.
Die  Kirchenstistung  ist  arm  und  außer  Stande,
hiefür  aufzulommen.  Da  der  ganze  Baufall
mit  einem  einmaligen  Umlagensoll  gewendet
werden  kann,  genehmigte  die  gut  besuchte  Kirchengemeindeversammlung
  debattelos  und  einstimmig
  die  einmalige  Einhebung  einer  Kirchengemeindeumlage
  von  100  Prozent.  Man
ming  dabei  von  der  Erwägung  aus,  daß  es
praltisch  sei.  unter  den  dermaligen,  nicht  ungünstigen
  Verhältnissen  die  ganze  Summe  sofort
  ganz  zu  Lezahlen,  da  zu  erwarten  steht,
daß  die  nächsten  Jahre  noch  größere  Zahlungen
  bringen  werden.  Wenn  es  denn  doch
sein  muß,  lieber  jetzt  als  später.  Der  Kirchengemeinde
  gereicht  der  Beschluß  nur  zur  Ehre.

Stefanskirchen,  7.  Febr.  Unser  Altbürgermeister,
  der  Austragsvater  zum  Lackermann

—

in  Gregling,  Herr  Joh.  Bapt.  Aßbichler,  ist
in  der  verflossenen  Nacht  gestorben.  Während
30  Jahren  war  er  Bürgermeister  der  Gemeinde
Stesanskirchen,  die  seine  vielsachen  Verdienste  mit
der  Verleihung  des  Ehrenbürgerrechts  auszeichnete.
  Er  erreichte  ein  Aller  von  78  Jahren.

Bad  Aibling,  7.  Febr.  Der  Metzger  Josef
Schönlechner,  welcher  seit  mehreren  Jahren  beim
Metermeister  Kühner  beschäftigt  war,  stand
seit  Kriegebeginn  im  Felde,  galt  aber  als  vermißt
  oder  gefallen.  Jetzt  ist  Nachricht  von
ihm  eingetroffen,  daß  er  sich  in  russischer  Gesangenschaft
  befindet.  Der  Bezirlsamts-ssistent
  Hans  Weter  von  Bad  Aibling,  zurzeit
Ofsizierstellvertreter  im  Heeresdienst,  ist  zum
Bezirksamtssekretär  in  Morltt  Oberdorf  befördert
  worden.

De  Rosenhemer  M  lä  Rpelle
in  Kusstein.

 

Unsere  Militärkapelle  gab  am  vergangenen
Mittwoch  (Maria  Lichtmeßz)  nachmittags  und
abends  zwei  große  Wohllätigkeitskonzerte  in
Kufstein  und  zwar  auf  Einladung  des  dortigen
Kriegssursorgeamtes  und  zum  Besien  der  heimlehrenden
  Krieger  und  deren  in  Not  geralenen
Familien.  Die  Konzerte,  deren  Zustandelommen
dem  eifrigen  Bemühen  des  Grunders  und  Leiters
  der  Kriegöfürsorgeamtes  Kusstein,  Herrn
Buchdruckereibesitzer  Ed.  Lippott  jun.,  zu  dauken
  ist,  der  auch  die  kürzlich  in  Nosenheim  siallgesundenen
  Militärkonzerte  der  Tiroler  Kaiserläger
  vermitlelte,  bildeten  für  beide  Teile  ein
Ereignis  insofern,  als  es  das  erste  Mal  war.
daß  eine  bayerische  Militarmusik  offiziell  in
Kufsstein  spielte.  Der  Empfang  seitens  der  Kuf—
sieiner  Bevolkerung  am  Mittwoch  mittag  halb
1  Uhr  war  überaus  herzlich  und  unter  klingendem
  Spiel  marschierte  die  Kapelle  durch  die
festlich  geschmückten  Straßen  der  Stadt  zum
großen  Eggersaal.  Trotz  der  herrlichen  Witterung
  war  dieser,  sowohl  nachmittags  als  abends
dicht  gefüllt.  Fahnen  in  den  verbündeten  Farben
  verliehen  ihm  wirkungsvollen  Schmuck.

Bei  dem  Nachmittagskonzert  hieß  der  k.  l.
Statthaltereirat  Karl  Bruder-Kufstein  die  Rosenheimer
  Musiker  herzlich  willkommen  und  wies
auf  die  gemeinfamen  segensreichen  Beziehungen
der  beiden  verbündeten  Staaten  und  Länder  und
der  Nachbarstädte  Rosenheim  und  Kufstein  hin.
Er  brachte  ein  begeistert  aufgenommenes  Hockauf
  König  Ludwig  von  Bayern  aus,  worauf  die
Kapelle  die  bayerische  Königshymne  anstimmte.
  Bei  dem  Abendlonzert  hielt  der  Genannte
eine  längere  Rede,  in  der  er  der  Rosenheimer
Garnisons-Kapelle  den  herzlichsten  Dank  aussprach
  dafür,  daß  sie  sich  in  den  Dienst  der  tirolischen
  vaterländischen  Bestrebungen  gestellt  habe.
Sein  Hoch  galt  diesmal  dem  treuen  Bundeskaiser
Wilhelm.  Herr  Bataillonsadjutant  Leutnant
Ruhr  überbrachte  von  der  Bühne  aus  Grüße
aus  Rosenheim  und  danfte  den  Kufsteinern  für
den  herzlichen  schönen  Empfang.  Er  betonte,  daß
die  Kapelle  mit  Freuden  der  ehrenden  Einladung
des  Kufsteiner  Kriegsfürsorgeamtes  gefolgt  seir
galt  es  doch,  zur  Linderung  der  Not  braver,
österreichischer  Kriegslameraden  beizutragen.
Das  Bündnis  der  Treue  zwischen  beiden  Staaten
  müsse  auch  in  der  Heimat  zum  Ausdruc
tommen.  Sein  Hoch  galt  dem  greisen  Freund
unseres  Kaisers,  dem  Kaiser  Franz  Josef,  und
wurde  mit  srürmischen  Heilrufen  begleitet.  Dann
brauste  das  alte  Kaiserlied:  „Gott  erhalte,
Gott  beschütze“  durch  den  Saal.

Herr  Ed.  Lippott  sprach  der  Kapelle  namens
des  Kriegsfürsorgeamtes  Kufstein  Dank  und
Anerkennung  aus  für  die  prächtigen  musikalischen
  Darbietungen  und  bestellte  den  Mitwirkenden
  treudeutsche  Grüße  an  die  allen  Kufsleinern

liebe  Nochbarstadt  Rosenheim,  sowie  an  die  heldenmütigen
  bayerischen  Waffenbrüder.  Dann
überreichte  er  der  wackeren  Kapelle  unter  stürmischen
  Beifall  und  brausenden  Heilrusen  einen
mit  einer  Widmungsschleise  versehenen,  vom
Kufsteiner  Kriegsfürsorgeamt  gespendeten  Lorbeerkranz.
  Die  „Wacht  am  Rhein“  beschloß  den
feierlichen  Akt.

Ueber  den  musikalischen  Teil  der  beiden  Konzerte,
  die  Herr  RKapellmeister  Frz.  Bertrams
dirigierte,  schreibt  der  Kufsteiner  „Grenzbote"
u.  a.:  „Wer  mit  zweifelnden  Gefühlen  den  Konzertsaal
  betreten  hatte,  der  wurde  gar  bald  angenehm
  enttäuscht,  wer  aber  mit  hoffnungsfrohem
  Herzen  gekommen  war,  den  riß  die  Freude
  am  Dargebotenen  bald  zu  ehrlicher  Begeisierung
  sort.  Es  waren  schöne,  an  inneren  und
äußeren  Erfolgen  reiche  Stunden,  und  Anerkennung
  muß  der  Kapelle  gezollt  werden  für
ihre  waderen  Leistungen.  Beglückwünschen  müssen
  wir  sie  aber  zu  dem  Manne,  den  sie  sich  zu
ihrem  musikalischen  Leiter  erkor,  der  sich  in  diesen
  Konzerten  als  feinfühliger  und  zugleich
schneidiger  Dirigent  auf  das  Vorteilhaftesle  einführte:
  Herrn  Kapellmeister  Franz  Bertrams.
Das  Verdienst  am  Gelingen  der  Konzerte  gebührt
  unttreiltig  ihm.  In  allen  Musiknummern
spürte  man,  mit  welchem  Verstandnis  er  den
Tattiiock  führte,  mit  welcher  Hingabe,  Energie
  und  Gründlichleit  die  Siucke  einstudiert
warcu.  Er  beherrschte  seine  „Rosenheimer  Landflürmler“
  volllommen.  Die  Vortragsordnungen
zeigten  in  der  Wahl  guten  (eschmock.  So
lauchte  das  Publikum  mit  besonderem  Entzücken
  der  „Lohengrin-Phantasic“,  und  der
Pilgerchor  aus  „Tannhäuser“  wirkie  wie  immer
mit  der  heiligen  Gewalt  seiner  Töne  auf  die
Herzen  der  Zuhörer.  Aus  dem  reichhaltigen
Programm  erwähnen  wir  „Rakoczy  Vorspiel“
(Keler  Bela),  einen  schneidigen  „Hindenburg-Festmarsch“
  (Bomhard),  mit  Glanz  instrumentiert,
  und  die  große  launige  Potpourri  „Aus
der  Wache“  (Thiele).  Von  besonders  durchschlagender
  Wirkung  waren  die  Soli  des  (Trompeters
  von  Nosenheim)  Herrn  Pröll.  Die  Phanlasie
  über  „Webers  letzter  Gedanke“  von  Fuchs
gab  ihm  Gelegenheit,  dem  alten  klangschönen
und  vollstümlichen  Liede  warmen,  innigen  Ton
zu  geben.  Er  fand  slürmischen  Beisall  und  mußie
sich  oft  verbeugen.  Die  Glanzleistung  des
Abends  waxr  entschieden  das  Tongemalde  von
„Die  Aöllerschlacht  bei  Leipzig“,  ein  wirkungsvolles
  Kriegemotiv,  das  alle  Abschnitte  dieses
  großen  Ringens  musikalisch  darstellte  und
in  machtvollen  Aklorden  mit  dem  Choral  „Nun
dantket  alle  Gott!“  schloß.  Damenhände  überreichten
  den  Musilern  Sträußchen  frischer  Bergblumen
  und  von  den  braven  Tiroler  Kaiserjagern
  am  Tonale  gepflücktes  Edelweiß.  Auch  den
österreichischen  Verwundeten  der  Kufsteiner  Lazarette
  war  der  Konzertbesuch  ermöglicht  worden,
  sodaß  man  wohl  sagen  kann,  daß  die  beiden
  Veranstaltungen  voll  und  ganz  ihren  Zweck
erfüllt  haben.  Der  Besuch  der  Rosenheimer  Ka—
pelle  wird  noch  lange  als  eines  der  schönften
Ereignisse  während  der  an  derartigen  Frenden
nicht  sehr  reichen  Kriegszeit  im  Gedächinis  aller
Teilnehmer  fortleben.  “

 

Kol#chsss

Rosenheim,  7.  Februar.

Auf  dem  Felde  der  Ehre  gefallen:
Baumeister  Franz  Hallinger,  VDizeeldwebel  und
Offiziersiellvertreter  in  der  5.  preuß.  Landsturm-Pionier-Kompanie.
  Herr  Hallinger  zog.  42
Jahre  alt,  im  Dezember  ins  Feld;  er  hinterläßt
  eine  Witme  mit  vier  RKindern.  Früher
nar  er  längere  Zeit  in  Rosenheim  lätig  und
ist  durch  verschiedene  große  Tiefbauten,  wie  die
Hafendauten  in  Passau  und  Regensburg,  in

Diĩenstãg,  s.  Februar  1918

weiten  Kreisen  belannt  geworden.  Auch  am
Kaiser-Wilhelm-Kanal  haite  er  verschiedene  Arbeiten
  auszuführen  und  wurde  bei  dessen  Eröffnung
  mit  dem  preuß.  Kronenorden  4.  Kl.
ausgezeichnet.  Ferner  sind  auf  dem  Felde  der
Ehre  gesallen:  Franz  Baumgartner,  Riesbauerssohn
  von  Mühldorf,  Pfarrei  Halfing,
Ers.,  Res.  im  1.  Inf.-Rgt.;  Johann  Feichtner,
Kalklgruberbauerssohn  von  Kalkgrub  bei  Rimsting,
  Soldat  im  J.  Inf.-Rgt.

Auszeichnungen  im  Felde.  Der  Erpedient
  Josef  Hochholzner  der  Papierwarenfabrik
  M.  Niedermayr  in  Rosenheim,  welcher
im  Z.  Res.  Inf.-Rgt.  sieht,  wurde  mit  dem
Militärverdiensttreuz  3.  Klasse  mit  Schwertern
ausgezeichnet.  Der  Kriegsfreiwillige  Jos.  Empl
bei  einer  bayer.  Fußartilleriebatterie,  Gärtner
der  Stadtgärtnerei  Rosenheim,  Sohn  des  Taglöhners
  Ernst  Empl  in  Rosenheim,  erhielt  dao
Militärverdienstkreuz  3.  Klasse  mit  der  Krone
u.  Schwerten.  Leutnant  Hans  von  Stralendorff
aus  Brannenburg,  dem  früher  schon  das  Eiserne
Kreuz  und  das  Mecklendurgische  Verdienstkreuz
verliehen  wurde,  wurde  jent  auch  mit  dem  Mili
tlärverdienstorden  ausgezeichnet.  Der  Leutnant
d.  R.  ##ul.  n##.d.  v  u.  Fritz  Zimmermann,  Sohn
des  Bahnvern  alterd  Zimmermann  in  Endorf.
murde  mit  dem  Militärverdiennorden  4.  Kl.
mit  Schuertern  ausgezeichnet;  damit  hat  er  die
dritte  Kriegeaue  zeichnung  bereils  erbdalten,  der
Konig  uberreichte  sie  ihm  persönlich.  Der  In
fanterist  Georg  Leulmuer  von  Bernau,  der  im
1.  Ret.  Infs.  Rgl.  icht,  erbielt  das  Eiserne
Kreuz  und  das  Militärrerdichilreuz  mit  der
Krone  und  mit  Schuerlern.  Der  seit  Kriege
beginn  in  Felde  fiehende  Weberbauerssohn
Engelbert  Dialler  von  Feilnbachk,  Gefreiler  i#n
.  Jus.  Rat.,  uurde  mil  dem  Eisernen  Krenz
ausgezeichnet.

Oberbayerischer  Schuldienst.  Wie
dervermendet  werden  die  zur  Ableiltung  ihrer
aktiven  Militärpflicht  bLeurlaubten,  zurzeit  im
Heere  stehenden  Hilfslebrer  Mar  Jungmann
ron  Feldlirchen,  BA.  Traunnein,  ab  1.  Januar
  und  Bartholomäus  Scheibmayr  von  Cber
taufkirchen.  BA.  Mühldori,  ab  1.  Dezember
1915,  je  ausf  ihrer  bie#erigen  Dienitstelle.  Be
jordert  nurde  die  vormalige  HKilfslehrerm  Ma
rin  Kaxirammer,  zulett  in  Kirchseeon.  BM.
Elersberg,  nun  in  Munchen,  unter  Wieder
aufnahme  in  den  oberbayerischen  Lehrerverband
abt  25.  Januar  zur  Schulvermeserin  auf  der
erledigten  Schulvreruesernelle  in  Kolbermoor,
BM.  Aibling.

Todes  fall.  MWie  bereits  berichtet,  hat  die
Holzgropbhndlung  der  Firma  Klopfer  &  Königer
  den  Tod  ihres  Gründers  und  Seniorchefs,
  Herrn  Job.  Chrisian  Klöpfer  zu  bellagen.
  Herr  Klopfer,  ein  Mann  von  seleener
Arl.  ist  in  Munchen  kurz  vor  der  Vollendung
seines  660.  Jal#res  verschieden.  Aus  den  ein.
fachten  Verhaltnissen  alo  schwäbischer  Bau
ernjunge  hat  er  sich  durch  unermudlichen
Fleis  und  laufmämische  Begak  ung  in  die  Höhe
gearkeitet,  so  daß  er  ichließlich  zu  den  ange
seheninen  Burgern  der  Stadt  München  gehörte.
Trotzdem  war  er  ein  Mann  ohne  alle  Eitel
leil,  der  im  Erfolg,  in  den  glänzendsten  Ver
lältnissen  sich  gleich  geklieben  war,  schlicht  und
einfack.  Funfundzwanzig  Jahre  lang  war  er
PHundelsrichter,  und  als  er  aus  diesem  Ehren
amte  schied.  hat  er  jede  ihm  zugedachte  Auszeicknung
  abgelehnt.  Allen,  die  ihn  näher  kann
lten,  die  ihn  auf  seinem  schonen  Besitz  am  Simessee
  sahen,  wie  er.  art  eitend  und  schaffend  bis
zuletzt,  ireundlich  zu  jedem,  in  seiner  still  beschautichen
  Weise  seine  Ruhe  genoß,  wird  er
im  besten  Andenken  bleiben.

Ein  Jubiläum.  Die  Herren  Rechtsanwalt
  Kollmann  und  Mobelfabrilant  Ri##auer
geboren  nunmehr  seit  25  Jahren  den  slädtischen

—

 

Beain-Konstanlinopel.

Eindrücke  während  der  Fahrt  des

ersten  Balkanzuges.

„Ballanzug!“  Schon  diese  Aufschrift  in  groken,
  leuchtenden  Buchstaben  auf  jedem  Wagen
verlündel  in  knappster  Form,  aber  eindrunglich,
daß  es  sich  nicht  nur  um  die  Wiederaufnahme
einer  durch  den  Krieg  gestörten  Verkehrsverbindung
  handelt.  Mit  militärischer  Bestimmtheit
spricht  sich  darin  die  organisatorische  Kraftleistung
  aus,  mitten  im  Kriege  ein  Gebiet,  das
zuischen  der  serbischen  Donau  und  Bulgarien
in  schweren  Kämpfen  dem  Feind  entrissen  werden
  muhte,  von  einem  mit  allen  Bequemlichkeiten
ausgestatteten  Zuge  bio  zum  Bosporus  durch,
lausen  zu  lassen.

Was  das  im  technischen  Sinne  bedeutet,  wurden
  wir  erst  während  der  Fahrt  von  Semlin
über  Belgrad  und  Nisch  bis  Joribrod  gewahr.
Von  der  großen  Brücke  über  die  Save,  die
Semlin  mit  Belgrad  verbindet,  konnten  wir
rechts  und  links  im  Wasser  noch  Spuren  der
don  den  Serben  vorgenommenen  Sprengung

erbli  2  Die  Brücke  aber  trug  den  schweren
Zug  M##  vordem  ungefährdet  hinüber  nach  Belgrad.
  Wie  hier  eine  überlegene  Technik  in  lurzer

  Frist  der  Schwierigkeiten  Herr  geworden
var,  so  zeigte  sich  auch  auf  der  weiteren  Strecke
durch  Serbien,  wie  schnell  der  während  der
Kämpfe  beschädigte  Bahnkörper  inftand  gesetzt,
Brücken  wieder  betriebsfähig  gemacht  oder  durch
neue  Bauten  ersetzt  waren.  Der  Zug  konnte  ohne

 

Hemmmis  auf  seiner  Bahn  dahingleiten.  Vielsach
  sahen  wir  deutsche  Eisenbahner  noch  an
der  Arbeit,  um  weitere  Sicherungen  für  den
Verkehr  zu  schaffen.

4  Diesen  Vertretern  der  deutschen  Wehrmacht
im  fernen  Orientlande  den  Gruß  der  Heimat
zu  übermilteln,  war  uns  ein  besonderer  Genuh.
Von  ihren  freudig  bewegten  Gesichtern  konnten
wir  ablesen,  daß  das  Erscheinen  des  ersten
Ballanzuges,  der  tags  zuvor  Berlin  verlassen
hatte,  sie  gleich  einem  Hauch  der  heimatlichen
Luft  anmutete.  Als  ihnen  Berliner  Zeitungen
vom  Samstagfrüh  hinausgereicht  wurden,  verlündelen
  sie  den  Kameraden  jubelnd,  daß  die
Blätter  nur  einen  Tag  alt  seien.  Wir  aber,  die
wir  unsere  bewehrten  Landsleute  in  der  Ferne
ihr  ernstes  Werk  verrichten  sahen,  waren  erfreut
  über  die  frische  Stimmung,  die  uns  überall
  entgegentrat,  obmohl  unsere  Truppen  auch
dort  unten  sich  zumeist  in  recht  bescheidener  Art
mit  den  rüchständigen  Verhältnissen  abfinden
müssen.

Für  unsere  Landsleute  im  Waffenrock  da
draußen  war  der  Balkanzug  vor  allem  ein  personliches
  Erlebnis.  Bei  der  Durchfahrt  von
Berlin  durch  deutsches  und  österreichisches  Gebiet
  rief  er  darüber  hinaus  als  ein  Ereignis
von  hoher  politischer  Tragweite  freudige  Kundhebungen
  hervor.  In  Sachsen,  vornehmlich  bei
und  in  Dresden,  war  des  Jubels  kein  Ende.
König  Friedrich  August  mar  persönlich  erschienen,
  um  den  Zug  zu  besichtigen  und  dann  bis
Tetschen  mitzufahren.  Als  der  Zug  sich  in  Bewegung
  setzte,  erklang  aus  zahllosen  Kehlen

 

„Deutschland,  Deutschland  über  alles“!“  An
vielen  Punkten  Böhmens  und  Mährens  schol
len  uns  begeisterre  Heilrufe  enigegen.  Inzwischen
  senkten  sich  die  Schatten  des  Abends  und
das  Dunkel  der  Nacht  hernieder,  so  daß  Wien
und  Budapest,  sowie  das  ganze  weitere  öflerreichische
  und  ungarische  Gebiet  bei  unserer  Hinsahrt
  die  Ruhe  der  späten  Stunde  zeigten.
Als  am  Sonntagfrüh  der  erste  Sonnenstrahl
aufleuchtete,  wurde  und  bei  der  Fahrt  über  die
Savebrüce  der  reizrolle  Umriß  des  Stadtbildes
von  Belgrad  sichtbar,  der  sich  in  den  Fluten
widerspiegelte.  Nun  waren  wir  auf  orientalisckem
  Boden.  Hier  wie  auch  weiterhin  konnten
uir  vom  Zuge  aus  nur  wenig  Spuren  der
Kämpfe  beobachten,  deren  gluckliche  Durchführung
  ganz  Serbien  Schritt  für  Schritt  in  die
Hand  der  verbündeten  deutschen,  österreichischungarischen
  und  bulgarischen  Truppen  brachte.
War  von  den  Wirkungen  der  kriegerischen  Vorgänge
  des  verflossenen  Jahres  nicht  riel  zu  sehen.
so  erinnerte  doch  fast  jeder  Ortsname  an  mehr
oder  weniger  schwere  Gefechte,  durch  die  das
Land  den  Serben  abgerungen  werden  mußte.
So  gleich  hinter  Belgrad  Topschider,  das  übrigens
  nebenbei  an  das  in  Serbien  übliche  politische
  Kampfmittel  des  Mordes  gemahnte:
drüben  im  Walde  fiel  Michael  Obrenowitsch
im  Jahre  1868  einem  Anschlag  seiner  Widersacher
  zum  Opfer;  Anstifter  des  Anschlags  waren
  —  die  Karageorgewitsch!  Rechts  und  links
der  Bahnstrecke  ziehen  sich  bald  näher,  bald  in
größerer  Ferne  Höhenzüge  dahin,  die  sämtlich
Stätten  schwieriger  Kämpfe  in  Berg  und  Tal

 

gel  üdet  haben.  Noch  jetzt  sieliten  uns  die  verschlammien
  Straßen  die  Mühseligkeiten  vor
Augen,  die  die  verbundeten  Truppen  bei  ihrem
Vordringen  haiten  überminden  müssen.

Das  Morama  Tal,  das  sich  teilweise  zu  gro#
ßer  Breite  ausdehnt,  nimmt  südlich  Tschuprija
auf  einer  Strecke  von  etwa  100  Kilomelern  den
Charakier  einer  Enge  an,  die  die  Bahn  häufig
zwingt,  sich  dicht  an  die  Felswände  zu  halien.
An  vielen  Stellen  mußte  der  Boden  fur  die
Bahn  durch  Sprengungen  dem  Gestein  abge
monnen  werden.  Altgeschichtliches  Land  in  es.
das  wir  durcheilen.  Ueberreste  romischer  Bau
len  sind  hier  und  da  noch  erhalten;  Trümmer
von  Burgen  erinnern  an  die  trkisch  serbischen
Kämpfe  im  14.  Jahrhundert.  Auch  später  inn
das  ganze  Gebiet  Schaupla  kriegerischer  Aueinandersetzungen
  gewesen.  Wir  nähern  uns
der  Romersiedlung,  die  heute  den  Namen  Risch
führt,  als  Naissus  aber  den  Ruhm  genoß,  Ge
burtestaltte  Konstantins  des  Großen  zu  sein.
Hier  haben  Romer  und  Gothen  gelämpft;  auch
der  Hunnenkönig  Attila  ist  mit  seinen  Scharen
darüber  hingezogen.  Die  Wichtigkeit  der  Lage
von  Nisch  am  Vereinigungspunkt  des  Morawa-Tales
  mit  dem  Nischama-Tal  ist  sofort  erkenn.
bar.  it  Recht  wurde  daher  der  Einnahme
von  Nisch  im  gegenmärtigen  Kriege  gegen  Serbien
  große  Bedeutung  beigemessen.  Die  Begegnung
  unseres  Kaisers  mit  dem  König  von  Bulgarien
  am  18.  Januar  verknüpft  den  Namen
der  alten  Stadt  abermals  mit  einem  geschichllich
  denkwürdigen  Vorgange.

Fortan  verläuft  die  Bahnstrecke  in  der  all-