Kummer 31
zungen der griechischen Neutralität zukommen
zu lassen. Der Kommandant des Forts Karaburungsoll
vor ein Kriegsgericht gestellt werden,
weil er sich der Landung der französischen Truppen
nicht widersetzte. Nach Berichten aus Saloniki
wurde bei dem Luftangriff durch einen
deutschen Lenkballon auch der gesamte Goldbestand
der Banken zerstört. General Sarrail
hat für alle zurückgebliebenen Griechen die Paßrflicht
angeordnet. (3.)
Ool aud Fersonalnachrichler.
München. 6. Feb. Der König empfing
Sonniagvormittag den General der Infanterie
Grafen Bothmer.
Baerische Nachrichten.
St. Ingbert, 6. Febr. In unmittelbarer
Nähe der Stadt stürzte gestern vormittag ein
Flugzeug al. dessen beide Insassen getötet wurden.
Der Absturz erfolgte infolge eineo Motordefeltes.
(33.)
Simbach a. J., 6. Febr. In Gumperting
lrach infolge Brandstiftung beim Oelonomen
Joseph Niederreiter Großfeuer aus, welches zuerst
Scheune und Stallung einäscherte und zuoleich
auf das Nachvaranmesen des Michael Rieß
und der Therese Eder übergriff und das Gesamtlesitztum
der beiden letzteren ebenfalls in
Schutt und Asche legte. Nur das Großvich
lonnte gerettet verden. Der Schaden ist sehr
groß.
Gtenzlende.
Uufstein, G6. Febr. Das eiserne Wahrzeichen
der Stadt, der Kufsteiner Standschutze,
hat in den eriten zuei Monaten 8000 Kronen
fur den tirolischen Kriegsschax zur Fürsorge
ron Inraliden, Wituen und Militärmaisen
eingebracht. Das auf Anregung des Vorftandes
des Kuffteiner Kriegsfürsorgeamtes Herrn Ed.
Lippott vom Bildhauer Joh. Enrich aus
Cröde= geschnitzte Standtild des Kussteiner
Schützen in der schmucken historischen Tracht,
wie sie heute noch getragen wird, stellt ein Stück
Tiroler Vollslunn dar; um diese zu erhalten,
wird nur der Sockel genagell. Der Standschütze
soll demnächst in München auf kurze Zeit Aufstellung
finden.
E.Sf
Westerndorf St. Peter, 7. Febr. Am
Samstag, den 5. d. M. abends war in Westerndorf
St. Peter Kirchenversammlung der dortigen
Kirchengemeinde. Die im Dezember vorgenommene
bauamtliche Visitation der Kirche
lestätigte, wuas man schon längst befurchtete,
daß Ve Neueindedung der Kirche nicht mehr
zu vermeiden sei. Die Kosten zur Hebung der
Mauschäden belaufen sich auf nahezu 30000 Mk.
Die Kirchenstistung ist arm und außer Stande,
hiefür aufzulommen. Da der ganze Baufall
mit einem einmaligen Umlagensoll gewendet
werden kann, genehmigte die gut besuchte Kirchengemeindeversammlung
debattelos und einstimmig
die einmalige Einhebung einer Kirchengemeindeumlage
von 100 Prozent. Man
ming dabei von der Erwägung aus, daß es
praltisch sei. unter den dermaligen, nicht ungünstigen
Verhältnissen die ganze Summe sofort
ganz zu Lezahlen, da zu erwarten steht,
daß die nächsten Jahre noch größere Zahlungen
bringen werden. Wenn es denn doch
sein muß, lieber jetzt als später. Der Kirchengemeinde
gereicht der Beschluß nur zur Ehre.
Stefanskirchen, 7. Febr. Unser Altbürgermeister,
der Austragsvater zum Lackermann
—
in Gregling, Herr Joh. Bapt. Aßbichler, ist
in der verflossenen Nacht gestorben. Während
30 Jahren war er Bürgermeister der Gemeinde
Stesanskirchen, die seine vielsachen Verdienste mit
der Verleihung des Ehrenbürgerrechts auszeichnete.
Er erreichte ein Aller von 78 Jahren.
Bad Aibling, 7. Febr. Der Metzger Josef
Schönlechner, welcher seit mehreren Jahren beim
Metermeister Kühner beschäftigt war, stand
seit Kriegebeginn im Felde, galt aber als vermißt
oder gefallen. Jetzt ist Nachricht von
ihm eingetroffen, daß er sich in russischer Gesangenschaft
befindet. Der Bezirlsamts-ssistent
Hans Weter von Bad Aibling, zurzeit
Ofsizierstellvertreter im Heeresdienst, ist zum
Bezirksamtssekretär in Morltt Oberdorf befördert
worden.
De Rosenhemer M lä Rpelle
in Kusstein.
Unsere Militärkapelle gab am vergangenen
Mittwoch (Maria Lichtmeßz) nachmittags und
abends zwei große Wohllätigkeitskonzerte in
Kufstein und zwar auf Einladung des dortigen
Kriegssursorgeamtes und zum Besien der heimlehrenden
Krieger und deren in Not geralenen
Familien. Die Konzerte, deren Zustandelommen
dem eifrigen Bemühen des Grunders und Leiters
der Kriegöfürsorgeamtes Kusstein, Herrn
Buchdruckereibesitzer Ed. Lippott jun., zu dauken
ist, der auch die kürzlich in Nosenheim siallgesundenen
Militärkonzerte der Tiroler Kaiserläger
vermitlelte, bildeten für beide Teile ein
Ereignis insofern, als es das erste Mal war.
daß eine bayerische Militarmusik offiziell in
Kufsstein spielte. Der Empfang seitens der Kuf—
sieiner Bevolkerung am Mittwoch mittag halb
1 Uhr war überaus herzlich und unter klingendem
Spiel marschierte die Kapelle durch die
festlich geschmückten Straßen der Stadt zum
großen Eggersaal. Trotz der herrlichen Witterung
war dieser, sowohl nachmittags als abends
dicht gefüllt. Fahnen in den verbündeten Farben
verliehen ihm wirkungsvollen Schmuck.
Bei dem Nachmittagskonzert hieß der k. l.
Statthaltereirat Karl Bruder-Kufstein die Rosenheimer
Musiker herzlich willkommen und wies
auf die gemeinfamen segensreichen Beziehungen
der beiden verbündeten Staaten und Länder und
der Nachbarstädte Rosenheim und Kufstein hin.
Er brachte ein begeistert aufgenommenes Hockauf
König Ludwig von Bayern aus, worauf die
Kapelle die bayerische Königshymne anstimmte.
Bei dem Abendlonzert hielt der Genannte
eine längere Rede, in der er der Rosenheimer
Garnisons-Kapelle den herzlichsten Dank aussprach
dafür, daß sie sich in den Dienst der tirolischen
vaterländischen Bestrebungen gestellt habe.
Sein Hoch galt diesmal dem treuen Bundeskaiser
Wilhelm. Herr Bataillonsadjutant Leutnant
Ruhr überbrachte von der Bühne aus Grüße
aus Rosenheim und danfte den Kufsteinern für
den herzlichen schönen Empfang. Er betonte, daß
die Kapelle mit Freuden der ehrenden Einladung
des Kufsteiner Kriegsfürsorgeamtes gefolgt seir
galt es doch, zur Linderung der Not braver,
österreichischer Kriegslameraden beizutragen.
Das Bündnis der Treue zwischen beiden Staaten
müsse auch in der Heimat zum Ausdruc
tommen. Sein Hoch galt dem greisen Freund
unseres Kaisers, dem Kaiser Franz Josef, und
wurde mit srürmischen Heilrufen begleitet. Dann
brauste das alte Kaiserlied: „Gott erhalte,
Gott beschütze“ durch den Saal.
Herr Ed. Lippott sprach der Kapelle namens
des Kriegsfürsorgeamtes Kufstein Dank und
Anerkennung aus für die prächtigen musikalischen
Darbietungen und bestellte den Mitwirkenden
treudeutsche Grüße an die allen Kufsleinern
liebe Nochbarstadt Rosenheim, sowie an die heldenmütigen
bayerischen Waffenbrüder. Dann
überreichte er der wackeren Kapelle unter stürmischen
Beifall und brausenden Heilrusen einen
mit einer Widmungsschleise versehenen, vom
Kufsteiner Kriegsfürsorgeamt gespendeten Lorbeerkranz.
Die „Wacht am Rhein“ beschloß den
feierlichen Akt.
Ueber den musikalischen Teil der beiden Konzerte,
die Herr RKapellmeister Frz. Bertrams
dirigierte, schreibt der Kufsteiner „Grenzbote"
u. a.: „Wer mit zweifelnden Gefühlen den Konzertsaal
betreten hatte, der wurde gar bald angenehm
enttäuscht, wer aber mit hoffnungsfrohem
Herzen gekommen war, den riß die Freude
am Dargebotenen bald zu ehrlicher Begeisierung
sort. Es waren schöne, an inneren und
äußeren Erfolgen reiche Stunden, und Anerkennung
muß der Kapelle gezollt werden für
ihre waderen Leistungen. Beglückwünschen müssen
wir sie aber zu dem Manne, den sie sich zu
ihrem musikalischen Leiter erkor, der sich in diesen
Konzerten als feinfühliger und zugleich
schneidiger Dirigent auf das Vorteilhaftesle einführte:
Herrn Kapellmeister Franz Bertrams.
Das Verdienst am Gelingen der Konzerte gebührt
unttreiltig ihm. In allen Musiknummern
spürte man, mit welchem Verstandnis er den
Tattiiock führte, mit welcher Hingabe, Energie
und Gründlichleit die Siucke einstudiert
warcu. Er beherrschte seine „Rosenheimer Landflürmler“
volllommen. Die Vortragsordnungen
zeigten in der Wahl guten (eschmock. So
lauchte das Publikum mit besonderem Entzücken
der „Lohengrin-Phantasic“, und der
Pilgerchor aus „Tannhäuser“ wirkie wie immer
mit der heiligen Gewalt seiner Töne auf die
Herzen der Zuhörer. Aus dem reichhaltigen
Programm erwähnen wir „Rakoczy Vorspiel“
(Keler Bela), einen schneidigen „Hindenburg-Festmarsch“
(Bomhard), mit Glanz instrumentiert,
und die große launige Potpourri „Aus
der Wache“ (Thiele). Von besonders durchschlagender
Wirkung waren die Soli des (Trompeters
von Nosenheim) Herrn Pröll. Die Phanlasie
über „Webers letzter Gedanke“ von Fuchs
gab ihm Gelegenheit, dem alten klangschönen
und vollstümlichen Liede warmen, innigen Ton
zu geben. Er fand slürmischen Beisall und mußie
sich oft verbeugen. Die Glanzleistung des
Abends waxr entschieden das Tongemalde von
„Die Aöllerschlacht bei Leipzig“, ein wirkungsvolles
Kriegemotiv, das alle Abschnitte dieses
großen Ringens musikalisch darstellte und
in machtvollen Aklorden mit dem Choral „Nun
dantket alle Gott!“ schloß. Damenhände überreichten
den Musilern Sträußchen frischer Bergblumen
und von den braven Tiroler Kaiserjagern
am Tonale gepflücktes Edelweiß. Auch den
österreichischen Verwundeten der Kufsteiner Lazarette
war der Konzertbesuch ermöglicht worden,
sodaß man wohl sagen kann, daß die beiden
Veranstaltungen voll und ganz ihren Zweck
erfüllt haben. Der Besuch der Rosenheimer Ka—
pelle wird noch lange als eines der schönften
Ereignisse während der an derartigen Frenden
nicht sehr reichen Kriegszeit im Gedächinis aller
Teilnehmer fortleben. “
Kol#chsss
Rosenheim, 7. Februar.
Auf dem Felde der Ehre gefallen:
Baumeister Franz Hallinger, VDizeeldwebel und
Offiziersiellvertreter in der 5. preuß. Landsturm-Pionier-Kompanie.
Herr Hallinger zog. 42
Jahre alt, im Dezember ins Feld; er hinterläßt
eine Witme mit vier RKindern. Früher
nar er längere Zeit in Rosenheim lätig und
ist durch verschiedene große Tiefbauten, wie die
Hafendauten in Passau und Regensburg, in
Diĩenstãg, s. Februar 1918
weiten Kreisen belannt geworden. Auch am
Kaiser-Wilhelm-Kanal haite er verschiedene Arbeiten
auszuführen und wurde bei dessen Eröffnung
mit dem preuß. Kronenorden 4. Kl.
ausgezeichnet. Ferner sind auf dem Felde der
Ehre gesallen: Franz Baumgartner, Riesbauerssohn
von Mühldorf, Pfarrei Halfing,
Ers., Res. im 1. Inf.-Rgt.; Johann Feichtner,
Kalklgruberbauerssohn von Kalkgrub bei Rimsting,
Soldat im J. Inf.-Rgt.
Auszeichnungen im Felde. Der Erpedient
Josef Hochholzner der Papierwarenfabrik
M. Niedermayr in Rosenheim, welcher
im Z. Res. Inf.-Rgt. sieht, wurde mit dem
Militärverdiensttreuz 3. Klasse mit Schwertern
ausgezeichnet. Der Kriegsfreiwillige Jos. Empl
bei einer bayer. Fußartilleriebatterie, Gärtner
der Stadtgärtnerei Rosenheim, Sohn des Taglöhners
Ernst Empl in Rosenheim, erhielt dao
Militärverdienstkreuz 3. Klasse mit der Krone
u. Schwerten. Leutnant Hans von Stralendorff
aus Brannenburg, dem früher schon das Eiserne
Kreuz und das Mecklendurgische Verdienstkreuz
verliehen wurde, wurde jent auch mit dem Mili
tlärverdienstorden ausgezeichnet. Der Leutnant
d. R. ##ul. n##.d. v u. Fritz Zimmermann, Sohn
des Bahnvern alterd Zimmermann in Endorf.
murde mit dem Militärverdiennorden 4. Kl.
mit Schuertern ausgezeichnet; damit hat er die
dritte Kriegeaue zeichnung bereils erbdalten, der
Konig uberreichte sie ihm persönlich. Der In
fanterist Georg Leulmuer von Bernau, der im
1. Ret. Infs. Rgl. icht, erbielt das Eiserne
Kreuz und das Militärrerdichilreuz mit der
Krone und mit Schuerlern. Der seit Kriege
beginn in Felde fiehende Weberbauerssohn
Engelbert Dialler von Feilnbachk, Gefreiler i#n
. Jus. Rat., uurde mil dem Eisernen Krenz
ausgezeichnet.
Oberbayerischer Schuldienst. Wie
dervermendet werden die zur Ableiltung ihrer
aktiven Militärpflicht bLeurlaubten, zurzeit im
Heere stehenden Hilfslebrer Mar Jungmann
ron Feldlirchen, BA. Traunnein, ab 1. Januar
und Bartholomäus Scheibmayr von Cber
taufkirchen. BA. Mühldori, ab 1. Dezember
1915, je ausf ihrer bie#erigen Dienitstelle. Be
jordert nurde die vormalige HKilfslehrerm Ma
rin Kaxirammer, zulett in Kirchseeon. BM.
Elersberg, nun in Munchen, unter Wieder
aufnahme in den oberbayerischen Lehrerverband
abt 25. Januar zur Schulvermeserin auf der
erledigten Schulvreruesernelle in Kolbermoor,
BM. Aibling.
Todes fall. MWie bereits berichtet, hat die
Holzgropbhndlung der Firma Klopfer & Königer
den Tod ihres Gründers und Seniorchefs,
Herrn Job. Chrisian Klöpfer zu bellagen.
Herr Klopfer, ein Mann von seleener
Arl. ist in Munchen kurz vor der Vollendung
seines 660. Jal#res verschieden. Aus den ein.
fachten Verhaltnissen alo schwäbischer Bau
ernjunge hat er sich durch unermudlichen
Fleis und laufmämische Begak ung in die Höhe
gearkeitet, so daß er ichließlich zu den ange
seheninen Burgern der Stadt München gehörte.
Trotzdem war er ein Mann ohne alle Eitel
leil, der im Erfolg, in den glänzendsten Ver
lältnissen sich gleich geklieben war, schlicht und
einfack. Funfundzwanzig Jahre lang war er
PHundelsrichter, und als er aus diesem Ehren
amte schied. hat er jede ihm zugedachte Auszeicknung
abgelehnt. Allen, die ihn näher kann
lten, die ihn auf seinem schonen Besitz am Simessee
sahen, wie er. art eitend und schaffend bis
zuletzt, ireundlich zu jedem, in seiner still beschautichen
Weise seine Ruhe genoß, wird er
im besten Andenken bleiben.
Ein Jubiläum. Die Herren Rechtsanwalt
Kollmann und Mobelfabrilant Ri##auer
geboren nunmehr seit 25 Jahren den slädtischen
—
Beain-Konstanlinopel.
Eindrücke während der Fahrt des
ersten Balkanzuges.
„Ballanzug!“ Schon diese Aufschrift in groken,
leuchtenden Buchstaben auf jedem Wagen
verlündel in knappster Form, aber eindrunglich,
daß es sich nicht nur um die Wiederaufnahme
einer durch den Krieg gestörten Verkehrsverbindung
handelt. Mit militärischer Bestimmtheit
spricht sich darin die organisatorische Kraftleistung
aus, mitten im Kriege ein Gebiet, das
zuischen der serbischen Donau und Bulgarien
in schweren Kämpfen dem Feind entrissen werden
muhte, von einem mit allen Bequemlichkeiten
ausgestatteten Zuge bio zum Bosporus durch,
lausen zu lassen.
Was das im technischen Sinne bedeutet, wurden
wir erst während der Fahrt von Semlin
über Belgrad und Nisch bis Joribrod gewahr.
Von der großen Brücke über die Save, die
Semlin mit Belgrad verbindet, konnten wir
rechts und links im Wasser noch Spuren der
don den Serben vorgenommenen Sprengung
erbli 2 Die Brücke aber trug den schweren
Zug M## vordem ungefährdet hinüber nach Belgrad.
Wie hier eine überlegene Technik in lurzer
Frist der Schwierigkeiten Herr geworden
var, so zeigte sich auch auf der weiteren Strecke
durch Serbien, wie schnell der während der
Kämpfe beschädigte Bahnkörper inftand gesetzt,
Brücken wieder betriebsfähig gemacht oder durch
neue Bauten ersetzt waren. Der Zug konnte ohne
Hemmmis auf seiner Bahn dahingleiten. Vielsach
sahen wir deutsche Eisenbahner noch an
der Arbeit, um weitere Sicherungen für den
Verkehr zu schaffen.
4 Diesen Vertretern der deutschen Wehrmacht
im fernen Orientlande den Gruß der Heimat
zu übermilteln, war uns ein besonderer Genuh.
Von ihren freudig bewegten Gesichtern konnten
wir ablesen, daß das Erscheinen des ersten
Ballanzuges, der tags zuvor Berlin verlassen
hatte, sie gleich einem Hauch der heimatlichen
Luft anmutete. Als ihnen Berliner Zeitungen
vom Samstagfrüh hinausgereicht wurden, verlündelen
sie den Kameraden jubelnd, daß die
Blätter nur einen Tag alt seien. Wir aber, die
wir unsere bewehrten Landsleute in der Ferne
ihr ernstes Werk verrichten sahen, waren erfreut
über die frische Stimmung, die uns überall
entgegentrat, obmohl unsere Truppen auch
dort unten sich zumeist in recht bescheidener Art
mit den rüchständigen Verhältnissen abfinden
müssen.
Für unsere Landsleute im Waffenrock da
draußen war der Balkanzug vor allem ein personliches
Erlebnis. Bei der Durchfahrt von
Berlin durch deutsches und österreichisches Gebiet
rief er darüber hinaus als ein Ereignis
von hoher politischer Tragweite freudige Kundhebungen
hervor. In Sachsen, vornehmlich bei
und in Dresden, war des Jubels kein Ende.
König Friedrich August mar persönlich erschienen,
um den Zug zu besichtigen und dann bis
Tetschen mitzufahren. Als der Zug sich in Bewegung
setzte, erklang aus zahllosen Kehlen
„Deutschland, Deutschland über alles“!“ An
vielen Punkten Böhmens und Mährens schol
len uns begeisterre Heilrufe enigegen. Inzwischen
senkten sich die Schatten des Abends und
das Dunkel der Nacht hernieder, so daß Wien
und Budapest, sowie das ganze weitere öflerreichische
und ungarische Gebiet bei unserer Hinsahrt
die Ruhe der späten Stunde zeigten.
Als am Sonntagfrüh der erste Sonnenstrahl
aufleuchtete, wurde und bei der Fahrt über die
Savebrüce der reizrolle Umriß des Stadtbildes
von Belgrad sichtbar, der sich in den Fluten
widerspiegelte. Nun waren wir auf orientalisckem
Boden. Hier wie auch weiterhin konnten
uir vom Zuge aus nur wenig Spuren der
Kämpfe beobachten, deren gluckliche Durchführung
ganz Serbien Schritt für Schritt in die
Hand der verbündeten deutschen, österreichischungarischen
und bulgarischen Truppen brachte.
War von den Wirkungen der kriegerischen Vorgänge
des verflossenen Jahres nicht riel zu sehen.
so erinnerte doch fast jeder Ortsname an mehr
oder weniger schwere Gefechte, durch die das
Land den Serben abgerungen werden mußte.
So gleich hinter Belgrad Topschider, das übrigens
nebenbei an das in Serbien übliche politische
Kampfmittel des Mordes gemahnte:
drüben im Walde fiel Michael Obrenowitsch
im Jahre 1868 einem Anschlag seiner Widersacher
zum Opfer; Anstifter des Anschlags waren
— die Karageorgewitsch! Rechts und links
der Bahnstrecke ziehen sich bald näher, bald in
größerer Ferne Höhenzüge dahin, die sämtlich
Stätten schwieriger Kämpfe in Berg und Tal
gel üdet haben. Noch jetzt sieliten uns die verschlammien
Straßen die Mühseligkeiten vor
Augen, die die verbundeten Truppen bei ihrem
Vordringen haiten überminden müssen.
Das Morama Tal, das sich teilweise zu gro#
ßer Breite ausdehnt, nimmt südlich Tschuprija
auf einer Strecke von etwa 100 Kilomelern den
Charakier einer Enge an, die die Bahn häufig
zwingt, sich dicht an die Felswände zu halien.
An vielen Stellen mußte der Boden fur die
Bahn durch Sprengungen dem Gestein abge
monnen werden. Altgeschichtliches Land in es.
das wir durcheilen. Ueberreste romischer Bau
len sind hier und da noch erhalten; Trümmer
von Burgen erinnern an die trkisch serbischen
Kämpfe im 14. Jahrhundert. Auch später inn
das ganze Gebiet Schaupla kriegerischer Aueinandersetzungen
gewesen. Wir nähern uns
der Romersiedlung, die heute den Namen Risch
führt, als Naissus aber den Ruhm genoß, Ge
burtestaltte Konstantins des Großen zu sein.
Hier haben Romer und Gothen gelämpft; auch
der Hunnenkönig Attila ist mit seinen Scharen
darüber hingezogen. Die Wichtigkeit der Lage
von Nisch am Vereinigungspunkt des Morawa-Tales
mit dem Nischama-Tal ist sofort erkenn.
bar. it Recht wurde daher der Einnahme
von Nisch im gegenmärtigen Kriege gegen Serbien
große Bedeutung beigemessen. Die Begegnung
unseres Kaisers mit dem König von Bulgarien
am 18. Januar verknüpft den Namen
der alten Stadt abermals mit einem geschichllich
denkwürdigen Vorgange.
Fortan verläuft die Bahnstrecke in der all-