Volltext : Sagenbuch des Königreichs Sachsen

—  853  —

1062.  Wie  das  Dörfchen  Parostensa  (Alte  Ziegelscheune)  bei
Kuckau  seinen  Namen  erhielt.

Mitgeteilt  von  Lehrer  Jentsch,  Dresden.

Als  der  alte  Fritz,  der  Preußenkönig,  auf  seinen  Kriegszügen
auch  einmal  in  das  Dörfchen  Stara  Cyhelnica  (setzt  in  getreuer
Ubersetzung  amtlich  „Alte  Ziegelscheune“  genannt)  kam,  fragte  er
auch,  wie  der  kleine  Ort  hieße.  Man  nannte  ihm  den  wendischen
Namen.  Er  aber  verstand  Parostensa,  und  seit  dieser  Zeit  hieß
der  Ort  Parostensa.

1063.  Die  Gründung  des  Klosters  Marienftern.

Gräße,  Bd.  II,  Mr.  880;  Dlugoss.  Hist.  Polon.,  Bd.  I,  S.  193;  Frenzel,

Hoffmann.  Scr.  Lus.,  T.  II,  S.  50;  Sintenis,  Oberlausitz,  Bd.  I,  S.  57  ff.;

Carpzovs  Ehrentempel,  Bd.  I,  S.  329  ff.;  Grosser,  Laus.  Merkw.,  Bd.  U,

S.  12,  Bd.  III.  S.  32;  Gräve,  S.  163,  126;  poetisch  aufg.  in  Ottos  Nachlaß,

  Leipzig  1827,  S.  306  und  Lauf.  Mag.  1832,  S.  217;  v.  Burkhard,

Gedichte,  1843,  S.  198  und  Segnitz,  Bd.  I,  S.  188,  vgl.  v.  Webers
Archiv  für  Sächs.  Geschichte,  Bd.  IV,  S.  85  ff.

Das  Kloster  Marienstern  soll  von  drei  Herren  von  Kamenzz,
Witigo,  Burchard  und  Bernhard  erbaut  und  reichlich  begabt  worden
sein,  und  die  Markgrafen  Johann  und  Otto  von  Brandenburg
haben  diese  Schenkung  1264  zu  Guben  verbrieft.  Der  eigentliche
Grund  der  Erbauung  soll  aber  folgender  gewesen  sein:  Einst  jagte
Bernhard  von  Kamenz  in  den  dichten  Forsten,  welche  sich  in  der
BVähe  der  Dörfer  Panschwitz  und  Kuckau  befinden.  Da  traf  er
auf  einen  gewaltigen  Eber,  den  er  mit  seinem  Jagdspieße  zwar
verwundete,  aber  doch  nur  so,  daß  es  dem  geängstigten  Tiere  gelang,
  sich  in  das  Dichicht  zu  flüchten.  Von  Jagdlust  ergriffen,  eilte
der  Ritter  ihm  nach,  allein  er  ließ  sich  zu  weit  von  seinem  Eifer
fortreißen,  und  auf  einmal  sah  er  sich  in  einer  ihm  völlig  unbekannten
  Gegend  mit  sumpfigem  und  moorigem  Boden.  Zum  Unglück
  brach  auch  der  Abend  herein,  ein  furchtbarer  Regenguß  stürzte
vom  Himmel,  und  der  Graf,  welcher  keinen  Ausweg  wußte,  versank
  mit  seinem  Bosse  immer  tiefer  in  den  Morast.  Er  durchwachte,
von  der  furchtbarsten  Angst  gefoltert,  die  ganze  Nacht,  und  als  nun
das  erste  Morgenrot  durch  die  Gipfel  der  hohen  Bäume  drang,