Metadata : Geschichte der Königlich Preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Erster Band Erste Hälfte.

Leissiz’  Societätspläne  vor  1597.  29

nisse  der  Gegenwart  und  Zukunft.  Abgeleitet  wird  die  Nothwendigkeit,
  eine  Societät  zu  begründen,  aus  der  gottgesetzten  Aufgabe  des
Menschengeschlechts,  den  Schöpfer  zu  verehren,  und  zwar  erstlich
in  Anbetung  (»oratores  et  sacerdotes«)',  zweitens  in  der  Erkenntniss
seiner  Werke  (»plıilosophi  naturales«),  drittens  in  der  Nachahmung
seines  Regiments  (»morales  seu  politici«).  In  der  Erfüllung  dieser
Aufgabe  gelangt  die  Menschheit  zur  Glückseligkeit:  aber  die  Menschen
  ınüssen  sich  zusammenthun,  um  sie  durchzuführen.  »Dazu
wird  die  Aufrichtung  einer  wiewohl  anfangs  kleinen,  doch  wohl
gegründeten  Societät  oder  Academie  eines  der  leichtesten  und  importantesten
  sein.«e  Und  nun  folgt  eine  Schilderung  der  Obliegenheiten
  einer  solchen  Societät,  die  einfach  Alles  an  erspriesslichen
Thätigkeiten  in  Wissenschaft,  Kunst,  Handel,  Industrie,  Polizei,
Medicin,  Archiv-,  Schul-,  Maschinenwesen  u.  s.  w.  umfasst,  was
nur  irgend  erdacht  werden  kann.  Zoologische  und  botanische  Gärten
sind  so  wenig  vergessen  wie  Arbeits-  und  Zuchthäuser.  Das  Ganze
mündet  in  einen  Vorschlag  der  Religionsvereinigung,  die  Leıssız
stets  für  eine  notlıwendige  Voraussetzung  alles  gemeinschaftlichen
Wirkens  gehalten  hat”.  Dieser  »Grundriss«  scheint  für  den  Kurfürsten
  von  Mainz  bestimmt  gewesen  zu  sein.  Nicht  viel  später
hat  Leisenız  ein  zweites  »Bedenken  von  Aufrichtung  einer  Academie
oder  Societät  in  Teutschland«  ausgearbeitet,  welches  jenes  erste
weit  übertrifft.  Es  enthält  zunächst  einen  geistvollen  Überblick  über
das,  was  die  Deutschen  bisher  in  den  mechanischen  Wissenschaften
und  Künsten  geleistet,  und  bittre  Klagen  darüber,  wie  wenig  sie
es  verstanden  haben.  ihre  Erfindungen  auszunützen.  Deutschland
wird  als  das  Land  der  realen  Wissenschaften  gefeiert;  aber  die  Ausländer
  bemächtigen  sich  des  unsrigen  und  wissen  es  besser  in's  Licht
zu  setzen  und  zu  gebrauchen.  Unsere  Schulen,  Academieen,  Education,
  Zünfte,  Künste  und  Wissenschaften  sind  »verstellet,  verdeeket
  und  verwirret«.  »Nunmehr,  nachdem  das  Licht  angezündet
und  die  Künste  gemein,  auch  alle  Nationen  exeitirt  worden,  sind
wir  diejenigen,  die  da  schlafen,  oder  die  letzten,  die  «la  aufwachen.«
Er  führt  nun  an,  was  in  England  und  Frankreich  durch  Gründung

!  »Dabei  ınir  einfället.«  —  schreibt  Leissıiz  —  »dass  bei  Aufrichtung  der
französischen  zu  Aufnehmen  und  Zierde  ihrer  Sprache  vom  Cardinal  RıckeLievu  eingerichteten
  Academie  oder  Societät  ein  gottseliger  Mann  unter  andern  in  die  Leges
einzurücken  begehrt,  dass  ein  jedes  Glied  etwas  jährlich  zum  Lobe  Gottes  zu  componiren
  schuldig  sein  sollte,  ist  aber,  weiss  nicht  warum,  verblieben.«

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?  Siehe  den  vollständigen  Abdruck  dieses  Entwurfs  in  dem  Urkundenband  Nr.  3.