Full text : Bilder aus der letzten Kaiserzeit.

Bilder  aus  der  letzten  Kaiserzeit.

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gewöhnlichen  Revolverblattes  gehandelt  hat,  oder  aber  daß  sie  zuvor  das
Gutachten  irgendeiner  kompetenten  Persönlichkeit  in  amtlicher  Stellung
erlangt  hatte.  Jener  Artikel  verfolgke  den  Zweck,  drei  Beamte  —  darunter
zwei  der  höchsten  Beamten  —  einer  befreundeten  und  verbündeten  Macht,
teils  offen,  teils  verhüllt  zu  schädigen.  Es  ist  ausgeschlossen,  daß  ein  großes
Blatt,  wenn  es  das  Gefühl  seiner  politischen  BVerankwortung  hat,  einem
solchen  ungewöhnlichen  Wutausbruch  die  Spalken  öffnekl,  ohne  zuvor  die
Frage  erwogen  zu  haben,  ob  aus  diesem  Kampfe  der  Personen  sich  nicht
etwa  politische  Ungelegenheiten  ergeben  können.  Auch  die  „hochachtbare“
Privatperson  konnte  als  Einsender  des  Artikels  dieses  Bedenken  nicht
beseitigen.  Die  „NA.  Fr.  Pr.“  ist  also  entweder  von  kompekenter  Seite  beruhigt
  worden,  oder  sie  hat  sich  der  Sensation  zu  Liebe  über  alle  Bedenken
hinweggesehzt.
Holstein,

Wirkl.  Geh.  Rat.“

„Dammhaus,  3.  Oktober  99.
Lieber  Kollege!

Von  einer  Seite,  die  manches  erfährt,  wird  mir  Münster)  als  mutmaßlicher
  Einsender  des  Briefes  an  die  „N.  Fr.  Pr.“  bezeichnek.  Ich  kann
nicht  beurteilen,  auf  was  die  Annahme  sich  stügzt,  vielleicht  nur  auf  die
Hineinziehung  von  Hahbfeldt.  Ubrigens,  angenommen  der  80jährige  —  —
(folgk  ein  starker  Ausdruck  des  Abscheus)  wäre  es  gewesen,  was  dann?
Der  Kaiser  könnte  ihn  allenfalls  ärgern,  wenn  er  wollte,  ich  stände  da
und  könnte  nichts  tun.  Erst  vor  8  Jahren  der  70jährige  Schlözer,  jetzt  der
80  jährige  Münster  —  es  siehk  aus  wie  ein  System.  Aber  ich  habe  es  noch
nichk  eilig  mit  dem  Glauben  an  Münster.

Wenn  es  Münster  wäre,  dann  könnke  er  es  doch  wohl  nur  durch  den
Pariser  Korrespondenten  der  „N.  Fr.  Pr.“  gemacht  haben.  Halt!  Ist  das
nichk  Goldmann,  der  jetzige  Berliner?

Na,  ich  sage  gar  nichks  weiter.

Heute  abend  schrien  die  Hirsche  prachtvoll.  Ich  saß  auf  einem  60  Fuß
hohen  Grabendamm  und  hörke  zu.  Zwei  waren  nicht  300  Schritt  von  mir.
Der  jüngere  blökte  schmeichelnd:  „Darf  ich  bitten,  mich  Ihren  Damen  vorzustellen?"
  Der  alte  brüllte  förmlich:  „So'n  Laffel  Uf,  uf,  uf,  uf!“  Infolge
dieser  Unfreundlichkeit  blieb  der  junge  im  Dichicht  und  der  alte  machte  sich
draußen  breit.  Auch  ich  bleibe  vorläufig  noch  im  Dichicht  und  wünsche
Ihnen  alles  mögliche  Inkeressanke.

Mit  Händedruckh
Holstein.“

*)  Graf  Münster,  Fürst  von  Derneburg,  seit  1887  Botschafter  in  Paris.

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