354 Meineidsversuch.
die Eidesleistung ertheilten gerichtlichen Beurkundung
die Schlußformel: „so wahr mir Gott helfe“. Hierauf
wies das Bezirksgericht F, den geleisteten Eid
als rechtswirksam ansehend, die Klage ab. Es
wurde jedoch gegen A der Verdacht des Meineids
angeregt, und in der desfalls eingeleiteten Untersuchung
gedieh die Sache zur Anklage, in deren Verfolg
das im Berufungszuge befaßte Appellationsgericht
in Passau am 18. Juni 1879 den A eines
Verbrechens des Versuchs zum Verbrechen des
Meineids für schuldig erkannte und ihn in eine entsprechende
Strafe verurtheilte. Auf die von A eingewendete
Nichtigkeitsbeschwerde wurde aber vom
obersten Gerichtshof am 11. Juli 1879 das appellationsgerichtliche
Urtheil vernichtet und A freigesprochen.
Bei dem Ansehen, welches die Praxis oberstrichterlichen
Aussprüchen beizumessen gewohnt ist und
bei der Wichtigkeit der gegenständlichen Frage wird
es gestattet sein, letzteres Urtheil näher in Betracht
zu ziehen.
Der oberste Gerichtshof nimmt als vom Appellationsgericht
thatsächlich festgestellt an, daß A den
erwähnten Eid wissentlich falsch geschworen hat, jedoch
unter Hinweglassung der in Art. 473 der CPO.
vorgeschriebenen Schlußworte: „so wahr mir Gott
helfe“, weil der den Eid abnehmende Richter aus
Versehen unterließ, dem Schwörenden diese Worte
vorzusprechen.
« UnterdieserVokaußfetzungdütftetin-Hinblick
auf§§.43,153d.RStGB.detappellatlonßgerichtlichenAnnahmevondemVorhandenIeindeö
Thatbestands eines Meineidsversuchs um deßwillen
nicht entgegenzutreten sein, weil A seinen Entschluß,
einen Meineid zu verüben, durch Handlungen, welche
bereits einen Anfang der Ausführung des Meineids
enthalten, bethätigt hat, und die vollständige Leist-