Metadata : Leitfaden der vaterländischen Geschichte für Schule und Haus.

70

bei  den  Unterhandlungen  seine  Stimme  zum  Schutz  der  Protestanten
  in  den  an  Frankreichs  Herrschaft  fallenden  Ländern
erhoben.  Seinen  Eifer  für  den  Protestantismus  bewies  er  nun
durch  weitere  hilfreiche  Aufnahme  der  Auswanderer  aus  Frankreich
  und  der  Pfalz,  deren  Zahl  in  seinen  Ländern  von  neuem
bis  über  15000  stieg.  Das  Beispiel  ihres  einsichtigen  Gewerbfleißes
  gereichte  dem  Lande  zum  großen  Segen;  ebenso  wurden
ihre  Anstalten  für  den  Jugendunterricht  für  Arme,  Kranke,
Witwen  und  Weisen  vielfach  nachgeahmt;  endlich  brachten  sie
auch  eine  große  Lebhaftigkeit  und  nützliche  Förderung  in  das
geistige  und  gesellige  Leben  ihres  neuen  Vaterlandes.
Gründung  der  Auiversität  Halle.  In  der  protestantischen
Gottesgelahrtheit  war  damals  eine  neue  Bewegung  eingetreten.
Gegen  den  schroffen  Eifer  der  meisten  lutherischen  Theologen,
welche  über  der  scharfen  Verteidigung  der  Rechtgläubigkeit  die
Sorge  für  gute  Früchte  des  Glaubens  und  der  christlichen
Liebe  vergaßen,  trat  Philipp  Spener  in  Berlin  auf  und
forderte,  daß  die  Frömmigkeit  sich  in  einem  wahrhaft  lebendigen
  und  tätigen  Glauben  erweise.  Sein  Gesinnungsgenosse
August  Hermann  Francke  hielt  in  Leipzig  Vorlesungen
über  die.  Bibel,  in  welchen  er  auf  wahrhaft  frommen  Willen,
Reinheit  und  Demut  des  Herzens  und  auf  werktätige  Frömmigkeit
  als  die  Kennzeichen  echten  Christentums  alles  Gewicht
legte.  Er  wurde  jedoch  von  den  alten  Lehrern  an  der  Universität
  deshalb  angefeindet  und  verfolgt.  Gleichzeitig  mußte
noch  ein  anderer  berühmter  Gelehrter,  Thomasius,  wegen
seiner  Angriffe  auf  den  Geist  der  damaligen  Theologie  die
Universität  Leipzig  verlassen  und  ging  nach  Berlin.  Friedrich  III.
nahm  den  Flüchtigen  gern  auf  und  benutzte  diese  Gelegenheit,
um  den  längst  gehegten  Plan  der  Gründung  einer  neuen  Universität
  in  Ausführung  zu  bringen.  Thomasius  erhielt  die
Erlaubnis,  in  Halle  Vorlesungen  zu  halten,  und  zog  eine
große  Anzahl  Studierender  dahin,  bald  kam  auch  Francke
und  andere  bedeutende  Gelehrte  nach  Halle,  und  am  10.  Juni
1692  1692  erteilte  der  Kurfürst  das  (vom  Kaiser  im  Jahre  1694
bestätigte)  förmliche  Privilegium  für  die  neue  Universität,
welche  einen  sehr  raschen  Aufschwung  nahm.