thumbs : Rosenheimer Anzeiger. 62. Jahrngang (62)

Aummer  20

Die  Tũtlel  m  Belches

Im  Kaukasus.

Konstantinopel,  24.  Jan.  Die  Russen
berichten  unter  dem  23.  Januar:  „Der  eilige
Rückzug  der  Türlen  aus  Erzerum  dauert  an.
An  vielen  Stellen  werden  noch  Artilleriemunition,
  Telephonmaterial  und  Lebensmittel  aufgesammelt.
  Unsere  verfolgenden  Abteilungen
marschieren  auf  den  mit  zahlreichen  erfrorenen
Veichen  dedectten  Wegen  vor.  Viele  Gefangene
wurden  noch  in  den  besetzten  Ortschaften  gemacht.
  Eine  unserer  von  der  Mandschurei  nach
dem  Kaukasus  gelommenen  Abteilungen  griff
mit  einer  ihr  zugeteilten  Halb-Esladron  drei
Kompanien  Türken  an,  die  ein  Dorf  verteidigten.
  Sie  töteten  einen  Teil  und  nahmen
den  Rest  gesangen.  Südlich  des  Sharianflusses,

fdist  nördlich  Dutackh,  vernichteten  wir
eine  ganze  Kurdenakbteilung.  In  der  Gegend
von  Melasgert  rerwickelte  sich  unsere  Kavallerie
in  ein  Gesecht  mit  stärleren  Kurdenkräften
und  nahm  ihnen  6000  Stück  Vieh  ab.“  Mir
crwähnen  auch  heute  wieder,  daß  die  russischen
Berichte  noch  immer  verlogene  Mitteilungen
enthielten.  Ein  türkischer  Bericht  über  die  Vorgänge
  im  Kaukasus  liegt  nicht  vor.

 

Kriegsfleuern.

Der  Berliner  Korrespondent  der  „Kölnischen
Volkszeitung“  stellte  eingehende  Erwägungen
an,  ob  es  notmendig  und  zweckmäßig  sei,  gemäß
der  vom  Staatssekretär  des  Reichesschatzamtes
in  der  Dezembertagung  des  Reichstages  gemachten
  und  lürzlich  bei  der  Beratung  des  Vertagungsantrages
  wiederholten  Anlündigung  zu
Kriegssteuern  zu  greisen.  Die  Gründe,  die  für
die  Astandonahme  von  Sieuerrorlagen  ins
Feld  geführt  werden,  sind  teils  taltischer,  teils
sachlicher  Natur.  In  taltischer  Beziehung  wird
auf  die  Bedrohung  des  Burgfriedens  lingewiesen
  und  die  Meinung  ausgesprocke  en,  daß  unter
den  Parteien  Uneinigleit  in  der  Frage  der  Behandlung
  der  Kriegssteuern  herrsche;  ferner  sei
es  vollspsychologisch  ein  Fehler,  bei  der  herrschenden
  Teuerung  im  Volle  mit  neuen  Steuern
zu  kommen.  Sachlich  sei  die  Notwendigkeit  neuer
Stenern  nicht  obne  weileres  einzusehen,  da  der
endgültige  Bedarf  des  Reiches  zu  neucn  Sleuern
noch  nicht  feitstehl;  es  wäre  ein  Fehler,  wenn
jetzt  einzelne  Steuerprojelte  vorweggenommen
würden.  Zudem  versprach  der  Reichsschatzsekretär
  dem  deutschen  Volle  in  seiner  Rede  vom  10.
März  1915,  daß  er  ihm  während  des  Krieges
keine  neuen  Lasten  bringen  wolle.

Hierzu  schreilt  die  „Nordd.  Allg.  Ztg.“:  Wir
stellen  zunächst  die  dem  Reich  schatzselretär  zugeschriebene
  Aeußerung  richtig.  Nach  dem  stenographischen
  Bericht  führte  der  Reichsschatzsekretär
  am  10.  März  1915  aus,  daß  der  Etat
für  das  Finanzjazr  1914  15  mit  einem  Ueberschuß
  alschließe  und  sich  für  das  Finanziahr
1915  16  im  Gleichgewicht  halten  lasse.  Unter
diesen  Umständen  glaulten  die  verbündeten  Regierungen
  zurzeit  von  der  Einbringung  ron
Kriegssteuern  Albstand  nehmen  zu  können;  sie
glautten,  dem  Lande  das  Tragen  der  ohnedies
schweren  Kriegslaften  nicht  durch  neue  Steuern
oder  Steuererhol  ung  noch  schkwerer  machen  zu
sollen,  solange  aus  der  Gestaltung  des  Reichshaushalts
  heraus  die  Notwendigkeit  hierzu  nicht
vorliegt.  Ein  Versprechen,  daß  Kriegssteuern
auch  kei  jeder  beliebigen  Dauer  und  Entwickelung
  des  Krieges  nicht  eingeführt  werden  sollten,
ist  in  diesen  Worten  nicht  enthalten,  im  Gegenleil;
  die  Ausführungen  des  Reichsschat  selrelärs
vom  10.  März.  v.  Is.  bezeichnen  genau  und  be—-stimmt
  die  Grenze,  bis  zu  der  von  der  Einfüh—
rung  von  Kriegssteuern  Abĩtand  genommen  werden
  lann.  Diese  Grenze  wird  mit  dem  Etat  für
1916  17  überschritten.

Wie  der  Reichsschatzsekretär  in  der  Dezembertagung
  des  Reichstags  mitteilte,  kann  der  Reichshaushalt
  für  1916  17  ohne  neue  Einnahmen
nicht  ins  Gleichgemicht  geLracht  werden.  Hier
liegt  eine  zwingende  Notwendigkeit  vor.  Angesichts
  des  mit  aller  Sicherheit  vorauszusehenden'
Fehlbetrages  des  Etats  für  das  kommende  Rechnungsiahr
  wäre  ein  Verzicht  auf  Kriegssteuern
nicht  länger  zu  vertreten.  Jeder  andere  Weg,
sei  es  eine  Defizitanleihe,  sei  es  die  Deckung
der  Zinsen  der  Kriegsschuld  aus  den  neu  aufzunehmenden
  Anleihen,  wäre  eine  unverantwortliche
  Finanzgebahrung,  die  überdies  von  unseren
  Feinden  als  Zeichen  finanzieller  Un  Wuläng.
lichkelt  zur  weiteren  Aufpeitschung  derne  riegsleidenschaft
  mißbraucht  werden  würde.  Wir  müssen
  auch  im  Kriege  die  Ordnung  in  unserem
laufenden  Reichshaushalt  aufrechterhalten.  Das
deutsche  Volk  hat  so  glänzende  Proben  seiner
finanziellen  Kraft  in  der  Zeichnung  auf  die
Kriegsanleihen  abgelegt,  daß  Zweifel  an  der
Fähigkeit,  die  für  die  Bilanzierung  des  ordentlichen
  Reichshaushaltes  erforderlichen  Mittel
trotz  der  Kriegsteuerung  im  Steuerwege  aufzubringen,
  keinen  Augenblick  gestattet  sind,  edensowenig
  Zweifel  an  der  Bereitwilligkeit.

Ueber  das  Wie  wird  eine  Einigung  erzielt
werden;  wo  ein  Wille  ist,  da  ist  auch  ein  Weg.
Die  Vorschläge  der  verbündeten  Regierungen
werden  im  Zusammenhang  mit  den  Steuermaßnahmen,
  die  in  den  SEielttoaten  und  Komnu.
nen  notwendig  gewor  d,  eine  gerechte,  die
Lwücheren  Schultern  gr  Woglichkeit  schonende

 

Verleilung  der  Lasten  bringen.  Es  wäre  eine
lieinmütige  Einschätzung  des  im  Kriege  geborenen
  Gemeinsinnes  der  Parteien,  wenn  man  annehmen
  wollte,  daß  die  Parteien  unfähig  ueren,
  sich  über  die  notmendig  gewordenen  Kriegssteuern
  zu  einigen,  und  es  wäre  ein  schlechter
Burgfrieden,  der  nur  durch  die  Preisgabe  von
Staatsnotuendigleiten  erhalten  nerden  würde.
Die  Tatsache,  daß  erst  nach  Friedensschluß  über
den  Neurau  der  Reichsfinanzen  endgültig  zu  beschließen
  sein  wird,  beseitigt  nicht  die  Notmendigleit,
  während  des  Krieges  die  Reichsfinanzen
vor  dem  Fall  zu  bewahren.  Dagegen  wird
diese  Tatsache  den  Parteien  die  Verständigung
unter  sich  und  mit  den  verbündeten  Regierungen
  erleichtern;  denn  es  handelt  sich  auch  jetzt
nicht  um  die  Schaffung  dauernder  Verhältnisse,
sondern  um  Notbehelse,  die  einer  Nachprüsung
und  Einordnung  in  die  endgültige  Reichssinanzverfassung
  unterliegen,  nicht  um  Grundsätzee,  sondern
  um  Kriegsmaßnahmen.

JAln]ine  —  «-.«,
EDITIONS-see  JUNGE-di
Dresden,  Jan.  Sonntagabend  et

eignete  sich  in  erdi  ein  Frauenmord.  Ein
Radsahter  fand  an  einer  Straßenlreuzung  die
Leiche  einer  jungen  Frau,  die  zwei  tiefe  Wunden
  am  Halse  aufwies.  Alles  deutet  darauf
bin,  daß  ein  DLefliger  Kampf  stattgefunden  hat.
Die  Tote  war  etme  25  bis  30  Jahre  alt.

Eger,  23.  Jan.  Vor  25  Jahren  wurde
ein  2.]  jähriges  Bauernmädchen  von  Bielotin
irn  Wald  bei  Dobrawa  verbrannt  aufgefunden.

Der  Mörder  halte  sein  Opfer  mit  Petroleum
übergossen  und  die  Leiche  angczündet.  Nun
hat  ein  uegen  Doppelmordes  verhafleter  Mam
namen?  Karl  Kaspar  das  Gefsländnis  abgelegt,
  vor  25  Jahren  das  Mädchen  ermordet
zu  haben.

Rom,  24.  Jan.  Der  „Secolo“  meldet  aus
Florenz:  Auf  der  Linie  EFlorenz-Bologna  ereignele
  sich  gestern  abend  ein  schweres  Eisen
balnunglüuck.  Ein  Schnellzug,  der  von  Florenz
algefalren  war,  sltieß  auf  dem  Bahnhof  von
Pioppe  di  Salvard?  mit  einem  dort  haltenden
Güterzug  zusammen.  Genauere  Nachrichten  über
die  Ausdebnung  des  Unglückes  liegen  noch  nicht
vor.  Man  spricht  ron  vielen  Vermundeten  und
einem  sehr  grosen  Materialschaden.

Münchener  Neuigkeilen.

München,  24.  Jan.  Heute  morgen  zeichnete
  der  Seismograph  der  Münchener  Erdbebenwarte
  ein  zerstörendes  Erdbeben  auf.  Die
Bodenbewmegung  begann  um  7  Uhr  59  Min.
44  Sek.  und  erreichte  um  8  Uhr  1°)  Min.  mit
Schwingungen  über  einen  halben  Millimeter
ihren  Höchstwert  und  dauerte  über  eine  Stunde
an.  Der  Herd  des  Bebens  liegt  in  westöstlicher
  Richtung  2200  Kilometer  von  München
entfernt.

München.  24.  Jan.
Münchener  Polizei-Direktion  herausgegebenen
Kriminalstatistil  betrug  die  Zabl  der  1915  behandelten
  Anzeigen  11  584,  darunter  1019  Anzeigen
  gegen  Ingendliche:  lehtere  Ziifer  be—
Leutet  gegen  die  Vorjahre  eine  br  denküche  M1=rung
  der  Straftaten  Jugendlicher.  Die  Zahl
der  an  die  Staalsanwaltschaft  geleiteten  Anseigen
  betrug  5504,  darunter  5½8  gegen  Jugendliche.
  Die  Nahl  der  Unfälle,  welche  im
vergangenen  Jahre  behandelt  urden  beirug
2131,  darunter  271  lodliche.  Die  meisten  Un
fälle  ereigneten  sich  im  Monat  August  (210).
Die  Selb  Rmordstatistil  von  1915  berichtet,  daß
107  Personen  durch  Sell  umord  aus  dem  Leden
  schiepen,  und  zwar  50  männliche  und  43
weibliche  Persoren.  Im  Jahre  1913  betrugen
die  Selb  Ktmorde  148.

 

 

Nach  einer  von  der

 

Grenzlande.

Kufstein,  24.  Jan.  Die  Bierpreiserhöhung
beträgt  im  allgemeinen  5  Kronen  für  den  Hektoliter;
  für  Tirol  wurde  sie  im  Einvernehmen
mit  dem  k.  k.  Handelsministerium  auf  6  Kr.
per  Hekloliter  festgesetzt,  weil  für  die  tirolischen
Brauereien  höhere  Spesen  (Zufuhr  u.  dgl.)
in  Betracht  kommen.  Die  Erhöhung  der  Bierpreise
  soll  am  1.  Februar  in  Kraft  treten.  Zu
welchem  Einzelpreise  die  Tiroler  Wirte  lünftig
den  Liter  Bier  abgeben,  steht  noch  nicht  sest;
doch  muß  man  sich  darauf  gefast  machen,  daß
von  obigem  Tage  ab  der  Liter  Bier  im  Kleinausschank
  76—80  Heller  kostet.

sE  Bberiuus
RNaubling,  24.  Jan.  Ein  mit  der  Aussicht
über  ein  einjähriges  Nachbarokind  in  Raubling
betrauter  Junge  wollte  in  Abuesenheit  der
Eltern  seinen  Schützling  reinigen  und  setzte  ihn
deshalb  in  ein  selbstbereitetes  Bad.  Das  Wasser
  war  aber  so  heiß,  daß  das  Kind  berbraht

wurde  und  einen  qualvollen  Tod  fand.

Vab  Mibling,  24.  Jan.  In  der  letzten
Quartalsversammlung  der  freien  Handwerker-Jnnung
  ab  fer  Obermeister  bekannt,  daß  die

orstandschaft  bemüht  war,  Arbeiten  für  die
Innung  zu  sant  u  So  konnten  bei  der  Sa- 



 

nierungsanstalt  ungefähr  für  100  000  Mk.  Arbeilen
  an  hiesige  Innungemitglieder  vergeben
werden.  Auch  vom  Magistrat  Aibling  erhielten
hiesige  Jmnungsmitglieder  ansehnliche  Arbeiten
zugewiesen.  Ebenso  erhielten  die  Jaangeinun.
gen  der  Schneider,  Schmiede  und  Wagner  M
litärlieferungen.  Aiblinger  undernseniedet
gelen  11  und  vom  Vezirk  15  Mitglieder  im
eld

Baxrischzell,  24.  Jan.  Dieser  Tage  stattete
  ein  Hirsch  vom  Zellerberg  unserem  Dorf
nachts  einen  Besuch  an,  wobei  er  auch  durch
das  ossene  Tor  in  den  Friedhof  jam.  Auf  dem
Grab  des  vor  einem  Jahr  verstorbenen  Jägers
Matthäus  Hummel  ragte  aus  dem  Neuschnee
Nelkengrün  und  Eseu  hervor.  Der  hungrige
Hirsch  sättigte  sich  am  Grabe  des  Jägers  und
äste  alles  herausragende  Grün  ab,  worauf  er
in  die  Berge  zurückeilte.

,Birnsberg,  24.  Jan.  Am  vergangenen
Somntag  wurde  das  Kriegegefangenen-  „Arbeitsdepot
  Hirnsberg  mit  50  gesangenen  Ukrainern
belegt  und  am  Montag  mit  den  Straßenbauarbeilen
  zur  Umlegung  der  Vergstraße  begonnen.
Wie  wir  erfahren,  wird  auch  die  Gemeinde
Biellm  die  Straße  in  ihrer  Gemarlung  durch

das  Depot  Hirnsberg  durchführen.  Da  die  Gemeinde

  Mauerlirchen  seit  sast  4  Wochen  an
der  Durchführung  der  Straßenregulierung  arbeilet,
  lann  die  Gesamtdurchführung  der  zirka
10  Kiometer  langen  Verbindungsstraste  als
gesichert  gelten.

Segachrusne#

Rosenheim,  25.  Jannar.

 

Aus  dem  Felde  der  Ehre  gesallen:
Willi  Flaschenträger,  Sohn  des  Bürgermeister?
und  Jiegeleitesitzers  Flaschenträger  von  Engelschalling,
  Absolvent  des  Gymnasiums  Nosenleim,
  Kriegsfreimilliger  im  15.  Inf.-Rgt.

Ausjeichnungen  im  Felde.  Der  Schristseber
  Nupert  Liebl  aus  Rosenheim  ist  mit  dem
Militärverdienstlreuz  3.  Klasse  mit  der  Krone
und  mit  Schwerlern  ausgezeichnet  uorden;  er
siehl  als  Gefreiter  im  1.  Inf.-Reg.;  das
Eiserne  Kreuz  erhielt  er  früher  schon.  Dem  Feldmetbelleutnant
  Josef  Feil  in  der  1.  Landfturm-Pionier-
  Kompanie,  Sohn  der  verwitmeten  Hebamme
  Karolina  Feil  in  Rosenheim,  ist  das
Militärverdienstkreuz  1.  Klasse  mit  Schwertern
verliehen  und  nom  König  persönlich  überreicht
worden.  Der  Hafnergehilfe  Siewie  aus  Rosenheim,
  Oberjäger  im  1.  Jäger-Bat.,  ist  mit  dem
Eisernen  Kreuz  2.  Klasse  ausgezeichnet  worden;
Sieuie  ist  das  30.  Mitglied  des  Kampfgenossen-
  und  Veteranen  Vereins  Rosenheim,  das
in  diesem  Kriege  bereits  das  Eiserne  Kreuz
erworlen  hat,  ein  Mitglied  ist  auch  im  Besitze
des  Eisernen  Kreuzes  1.  Klasse.

Laßt  Euch  nicht  ausfragen!  Eine
Kriegemahnung  an  die  deutschen  Arbeiter  wird
jetzt  auf  den  Bahnhöfen  veröfsentlicht.  Der  Inhall
  lautet:  „An  die  deutschen  Arleiter!  Seid
verscwiegen!  Keine  deutsche  Ersindung,  kein
tecknischer  Fortschrit!  darf  unseren  Feinden  zudute
  lommen.  Das  Wohl  des  Vaterlandes

rängt  von  Eurer  Geheimhaltung  ab,  denn  Ihr
seid  die  Hüter  dieser  Geheimnisse.  Wer  über
das,  mas  er  auf  der  Arbeitestälte  sieht  oder
hört,  Mitteilungen  macht,  schädigt  das  Vaterland
  und  begeht  Landesverrat.  Feindliche  Spione
  sind  bemüht,  Euch  unter  der  Maske  des
Vaterlandsfsreundes  auszufragen.  Darum  seid
versckwiegen  und  laßt  Euch  nicht  ausfragen!“

Die  Eisenbahner  im  Dienste  des
Aalerlandes.  Der  Landesverein  der  baeriscen
  Lokomotioführer  hat  bis  jetzt  die  slattliche
  ZIumme  von  70000  Ml.  gesammelt  und
den  Hilfovcreinen  überwiesen.  Der  Deutsche
Lolomotiv  führerverein  hat  bereits  112  Millionen
  Mark  aufgebracht.  Außerdem  wurde  ein
eigener  Lazarettzug  gestliftet.

Die  Preise  für  Speiseöle.  Aus  Verlin
  2  uns  amtlich  berichtet:  Die  Preise  für
Speiseöle  haben  in  letzter  Zeit  eine  durch  die
Sachlage  nicht  gerechtfertigte  Steigerung  erfahren.
  Wie  das  WI/TB.  hört,  wird  seitens  der
Reichsregierung  die  Frage  der  Preisbindung
für  Speiseble  eingehend  erwogen.

Vaterländischer  Abend.  Die  für
Mitltwoch,  den  26.  Januar  angekündigte  vaterländische
  Veranstaltung  im  Flötzinger  Löchl
lann  wegen  Verhinderung  Mituärkender  nicht
slatlfinden.

Französisches  Papiergeld  haben  wir
in  e  Schaufenster  ausgestellt.  Es  ist  nach

et  des  baren  Geldes  aus  Karton  gefertigt
und  umfaßt  Stücke  von  5  und  10  Centimes
(d  und  8  Pfg.)  Die  Große  entspricht  den  früheren
  französischen  großen  Kupfermünzen,  die  als
Sou=  und  Zwei-Soustücke  bekanm  sind.  Dieses
Papiergeld  ist  von  der  Stadt  Lille  Frausgen.
ben;  es  zeigt  auf  der  Rückseite  das  Wappe
Lille.  Wir  machen  auf  die  bnteressonken“  Etbe
besonders  aufmerksam.

Für  die  Familie  Eimannsderger
in  Fürstätt  sind  uns  von  verlchiedenen.  Seiten
wellere  Spenden  im  Gesamtbetrage  von  9  M
zgangeen,  für  zeh  —.  im  Da##  t
armen  Familie  herzlich  da  Der  Betr
8  inzwischen  *  rrs  2  zuefabre

 

Mittwoch,  26.  Januar  1916

Zwei  Frühlingsboten  wurden  uns
überbracht.  Es  sind  zwei  Schmetterlinge,  die
lustig  in  der  Redaktion  herumflogen.  Wir  fürchten,
  daß  den  munteren  Tierchen  das  frühe  Erwachen
  zun  Verhängnis  wird.

Kürchliche  Nachrichlen.

In  der  prot.  Pfarrkirche  findet  am
Donnerstag,  den  27.  Januar,  vormittags  3/19
Uhr,  anläßlich  des  Geburtsfestes  des  Deutschen
Kaisers  ein  Bittgottesdienst  slatt.

Der  Welkrieg.

DerUmfall  der  englischen  Arbeiter.

aag,  25.  Jan.  Das  poländische  Se  Meurer
Budean  meldet  aus  London:  Zeichen
mehren  sich,  daß  die  Bewegung  gegen  die  militärische
  Dienitpflicht  unter  den  Arbeitern  an
Stärle  einbüßt;  die  Möglichkeil,  daß  die  Bergarbeiter
  bei  Einsührung  des  Gesetzes  zum  Streik
schreiten,  ist  kleiner  geworden.  (3.)

Die  Angst  in  London.

London,  25.  Jan.  Der  Herald  teilt  offiziell
  mit,  daß  die  britische  Regierung  beschlossen
  habe.  alle  Museen  und  öffentlichen  Sammlungen
  der  Hauptfladt  zu  schließen,  um  die
Schätze  der  Nationalkunst  gegen  die  Angrisfe
der  Aeroplane  und  Lenkballone  zu  schützen.  (3.)

Gegen  die  engl.  Blockade-Politik.

Haag  Jan.  „Het  Vaderland“  legt
in  einer  Pelseur  gegen  den  „Telegraaf“  dar,
daß  eine  Verschärfung  der  Blockade  durch  Eng
land,  zu  der  der  „Telegraas“  England  aufzu
reizen  versuche,  icht  im  Interesse  Holland
gelegen  sei  und  auch  mit  Englands  Interessen
schwer  vereinbar  wäre,  da  dadurch  die  M  hlich
leit  eines  Konflikte  mit  den  nordischen  Reichen
oder  mit  Holland  geschaffen  und  der  Krieg
dadurch  verlängert  würde.  (3.)

Das  Gelbgesicht.

Stockholm,  25.  Jan.  „Rietsch“  gibt  ein
in  Petersburg  umlaufendes  Gerücht  wieder,
Japan  habe  mit  England  ein  geheimes  Ablommen
  geschlossen,  wonach  Japan,  falls  Ruß.
land  einen  Sonderfrieden  mit  den  Mittelmäch
ten  abschliehe,  Rußland  in  der  Mandschurei
angreifen  soll.  (3Z.)

Der  Kaiser  in  Orsowa.

Budapest,  25.  Jan.  Kaiser  Wilhelm  traf
von  Belgrad  kommend  am  20.  Januar  morheus
  mit  Begleitung,  darunter  Herzog  Johann
Albrecht  von  Mecklenburg,  in  Bazias  ein.  Er
begab  sich  auf  die  nächste  Berghöhe  und  ließ
sich  den  Verlauf  des  Ueberganges  der  Truppen
über  die  Donau  bei  Rama  erklären.  Der  Kaiser
  begad  sich  hierauf  auf  den  Dampfer  „Sofia“,
  melcher  ihn  nach  Orsoma  brachte.  Auck
bei  Orsowa  wurde  dem  Kaiser  die  Geschichte
des  dortigen  Donauüberganges  der  verbündeten
  Truppen  berichtet.  Um  3  Uhr  ging  der
Kaiser  in  Orsowa  an  Land,  wo  er  mit  großen
militärischen  Festlichkeiten  empfangen  wurde.
Nach  einem  herzlichen  Abschied  bestieg  der  Kaiser
  das  Automobil,  um  nach  Bazias  zurückzu.
lehren,  von  wo  er  alends  die  Weiterreise  im
Hoszug  fortsetzte.

 

 

Russische  Dolumente.

Budapest,  25.  Jan.  Nach  einer  Meldung
aus  Sofia  hat  man  unler  den  in  Nisch  gefundenen
  und  nach  Sofia  gebrachten  Schriften
des  serlischen  Thronfolgers  eine  Depesche  und
zwei  Briefe  des  Jaren  entdeckt.  Diese  Dokumente
  befanden  sich  in  einer  Reisetasche,  die  bei
der  raschen  Flucht  vergessen  worden  war.  Die
Briefe  und  das  Telegramm  enthalten  die  strenge
Weisung,  daß  Serbien,  wenn  es  seine  Ideale
erreichen  wolle,  allen  Vesehlen  Rußlands  gehorchen
  müsse.  In  dem  einen  der  Briefe  wird
dem  Thronfolger  aufgetragen,  unter  keinen
Umständen  die  Narodna  Odbrana  aufzulösen.
Die  Depesche  enthält  den  Befehl,  das  ulit.
matum  Oesterreich-Ungarns  zurückzuweisen,  da
Nußland  bereit  sei,  Serbien  mit  den  Waffen
beizustehen.  Im  zweiten  Schreiben  sind  alle
jene  Ersolge  aufgezählt,  die  Serbien  erreichen
könne,  wenn  es  sich  den  Anordnungen  Nußlands“
  süge.  Der  Zar  beruft  sich  auf  die  bewaffnete
  Macht,  die  Rußland  bereithalte,  und
fordert  Serbien  auf,  bis  zum  äußersten  -
lämpfen.  (3.)

Das  Ende  eines  Attentäters.

Theresienstadt,  25.  Jan.  In  der  Militär-Strafanstalt
  ist  der  serbische  Anarchist  Gabrinovic,
  der  in  dem  Prozeß  gegen  die  Alantäter
  von  Serajewo  zu  20  Jahren  schweren
Kerkers,  verschärst.  mit  hartem  Lager  in  einer
Dunkelzelle  am  28.  Juni  eines  jeden  Sr
verurteilt  worden  wör,  an  Lungentuberkulose
geslorben.  Der  damals  19  jährige  Buchdrucker

auf  der  Fahrt  des
Franz  Ferdinand  in  Sptose  gegen  das  Automobill
  eine  Bombe  warf,  d  enpbodierte,
abex  ihr  JZiel  verfehite,  W#n  nderlahrig  ·