Full text : Geschichte der Deutschen Frauenwelt. Erster Band. (1)

172  Buch  II.  Kap.  2.

Ehebrecher  und  Sklaven  der  schmutzigsten  Laster  sein.“
Aber  das  Unheil  war  einmal  im  Zug,  und  als  der  Papst
wahrnahm,  daß  die  meisten  deutschen  Bischöfe  nur  mit
Widerstreben  an  die  Durchführung  des  Eheverbots  in
ihren  Sprengeln  gingen,  anempfahl  er  die  Angelegenheit
den  mit  ihm  gegen  die  kaiserliche  Macht  verbündeten
deutschen  Fürsten.  Sie  mußten  ihm  wohl  zu  Willen
sein,  weil  sonst  ihre  Rebellion  des  päpstlichen  Rückhalts
entbehrt  hätte.  Auch  hetzte  die  Kurie  mittelst  der  Mönche
den  adeligen  und  bäuerlichen  Pöbel  zu  Gewaltthätigkeiten
gegen  die  verheirateten  Pfarrer  auf.  Demzufolge  zwang
vieler  Orten  das  Volk  die  Geistlichen  tumultuarisch  zur
Entlassung  ihrer  rechtmäßigen  Ehefrauen.  Doch  waren
in  norddeutschen  Sprengeln  im  12.  Jahrhundert  noch  die
meisten  Pfarrer  verheiratet  und  noch  im  13.  Jahrhundert
gab  es  in  einigen  Gegenden  Deutschlands,  wie  z.  B.  in
Schlesien,  verheiratete  Bischöfe,  Domherren  und  Pfarrer.
Erst  von  da  ab  verschwand  bei  uns  die  Priesterehe  völlig,
um  einem  Treiben  Platz  zu  machen,  dessen  Zuchtlosigkeit
zahllose  Pfaffenschwänke  des  Mittelalters  grell  genug
widerspiegeln.  Das  Volk  merkte  zu  spät,  welcher  Pest
es  seine  Häuser  geöffnet,  indem  es  den  Cölibat  durchsetzen
geholfen,  und  im  14.  und  15.  Jahrhundert  war  unter
unseren  Bauern  die  Forderung  gäng  und  gäbe,  daß  ein
neuaufziehender  Pfarrherr  auch  gleich  seine  Kebse  oder,
wie  sie  sich  bäuerisch  ausdrückten,  daß  ein  neuer  „Seelenhirt"
  seine  „Seelenkuh“  mitbringen  müsse.  Sie  wußten
wohl,  warum.