welche gleichsam mit instinktmäßigem Vertrauen auf die einmal eingeschlagene
Kichtung sich durch keine herkömmliche Form binden läßt, vor Allem das Gute
will, und deshalb ohne irgend einen Umweg zur Ausführung schreitet, freilich
auch ohne sich vor den schroffsten Verletzungen dessen, was ihm in den Weg
tritt, im Geringsten zu scheuen. Man kann nicht sagen, daß Friedrich Wilhelm I.
zum Herrscher geboren war, denn es fehlle ihm jede Vorstellung von der politischen
Bedeutung des jungen Königsstaates, den er zu regieren berufen war,
in dem Gewirre des internationalen Treibens der europäischen Mächte; dagegen
erfaßte er mit wahrer Genialität Alles, was zur inneren Förderung desselben als
nächstes Bedürfniß hervortrat. In dieser Beziehung zeigte er ebensoviel Scharfblick
als Willenskraft. Daher ist es kein Wunder, wenn ein solcher Fürst die
verschiedensten Beurtheilungen erfährt — wir unsererseits wollen das unvergänglich
Gute, welches der preußische Staat ihm verdankt, hervorheben, ohne
mit einer die geschichtliche Wahrheit verletzenden Parteilichkeit über die Mängel
hinwegzugehen.
Seltsam verschieden erscheint Friedrich Wilhelm J. von seinen beiderseitigen
Eltern, die wiederum an Gaben und Neigungen so wesentlich von einander abwichen.
Wenig Annäherung fand zwischen ihm und dem Vater statt, was aus
der Natur desselben hinlänglich zu erklären ist; etwas näher stand er der ungezwungneren
Mutter, mit deren überwiegend wissenschaftlich -dsthetischem Sinne
jedoch ebenfalls keine große Sympathie bei dem Prinzen hervortreten konnte,
welcher, obschon voll natürlichen Verstandes und mit gutem Gedächtniß begabt,
weder lernen wollte, um das Herkömmliche zu leisten, noch um den Geist zu
schmücken, sondern sich nur zu dem verstand, was ihm unmittelbar für seinen
Beruf nützlich erschien. Allein dankbar war ihr gewiß der junge Prinz, wenn
sie ihm gleichaltrige Spielkameraden zuwies, und dem Knaben dann ungebunden
freie Bewegung erlaubte, wohl oft gegen den Willen des prinzlichen Erziehers,
Alerander von Dohna, der sich in seiner Weise eher dem Kurfürsten näherte.
Früh schon stellte sich bei dem Prinzen die Neigung für das Soldatenwesen
heraus, und sein größtes Vergnügen bestand darin, Knaben in der üblichen
Weise einzuerereiren, und sich so eine Art Leibcompagnie zu bilden. Zu diesem
Zwecke verwandte er auch sein Taschengeld. Sonst zeigte er schon früh die
Reigung zu einer solchen Sparsamkeit, daß die Mutter, welche, ohne die
Prunksucht ihres Gemahls zu theilen, doch das Leben zu edel auffaßte, über
dem Gedanken, ihr Sohn könnte ein Geizhals werden, in große Besorgniß
gerieth. Begreiflich ist es, wie Sophie Charlotte, um ihren Sohn von solcher
Richtung zu entfernen und ihm Sinn für edlere Form des Lebens einzuflößen,
ihn in die Gesellschaft von gebildeten Frauen zu bringen suchte; doch gelang
ihr diese Absicht nicht, denn der junge Prinz trat dabei sehr abstoßend auf,
und gefiel sich nur im Umgange mit seinen männlichen Altersgenossen.
Nun wünschte die Königin ihn wenigstens durch Reisen in das Ausland
zu bilden, und wirkte hierzu, so schmerzlich ihr auch die Trennung von ihrem