Pereinigle Staaten von Nordamerika und Kanada. (November 12.) 911
12. Nov. Wilson an die amerik. Arbeiter.
Auf der Jahresversammlung des amerik. Arbeiterbundes (Federation
ok Labor) in Buffalo hält Präsident Wilson eine Rede, in der er zunächst
in Wiederholung früherer Ausführungen seine Auffassung von der
Entstehung des Krieges darlegt, der dadurch verursacht worden sei, daß die
deutsche Regierung, nicht zufrieden mit der außerordentlichen Entwicklung
von Deutschlands Industrie und Handel in ver Friedenszeit, den Plan verfolgte,
sich durch Gewalt die politische Oberherrschaft in Europa und damit
die Kontrolle über die Arbeit und die Industrie der ganzen Welt zu verschaffen.
Wer aber in Amerika oder sonstwo glaube, daß das freie Gewerbe
und die freien Unternehmungen der Welt fortbestehen könnten, wenn der
alldeutsche Plan verwirlicht und die deutsche Macht auf der Welt befestigt
werde, sei so einfältig wie die Träumer Rußlands. Auf die Notwendigkeit,
alles aufzubieten, um den Krieg zu gewinnen, übergehend, fährt W. fort:
Wenn wir wahre Freunde unfrer eigenen oder irgendeiner andern Freiheit
sind, werden wir darauf bedacht sein, daß die Macht und die Produktivität
dieses Landes auf ihr Höchstmaß gebracht werden, und daß es niemand
gestattet ist, ihr im Wege zu stehen. Wenn ich sage, daß es niemand gestattet
sein soll, ihr im Wege zu stehen, so meine ich nicht, daß er durch
die Gewalt der Regierung daran gehindert werden soll, sondern durch die
Macht des amerik. Geistes. Wenn wir dieses große Ziel erreichen und Amerika
als das zeigen wollen, wofür wir es halten — die größte Hoffnung und
Kraft der Welt, so ist es unsere Pflicht, Tag und Nacht zusammenzustehen,
bis die Arbeit vollendet ist. Während wir für die Freiheit kämpfen, müssen
wir darauf acht haben, daß die Arbeit frei ist. Das bedeutet eine Menge
interessanter Dinge. Es bedeutet nicht nur, daß wir das tun müssen, was
wir als unsern Zweck erklärt haben, nämlich darauf zu halten, daß die
Arbeitsverhältnisse durch den Krieg nicht beschwerlicher gestaltet werden,
sondern auch, daß wir darauf achten, daß die Mittel, durch die man die
Arbeitsverhältnisse bessert, nicht gesperrt oder gehemmt werden. Das muß
geschehen. Zusammenstehen heißt, daß niemand die Prozesse unserer Energie
unterbrechen darf, wenn es überhaupt möglich ist, die Unterbrechung ohne
die absolute Verletzung der Freiheit zu vermeiden. Um dies handgreiflich
darzustellen: Niemand hat das Recht, die Prozesse der Arbeit aufhören zu
lassen, bis alle Methoden der Unterhandlung und der Schlichtung erschöpft
sind. Und ich kann gerade hier bemerken, daß ich nicht bloß zu Ihnen spreche.
Sie tun dann und wann dem Gang der Arbeit Einhalt, doch es gibt andere,
die dasselbe tun. Und ich glaube, ich spreche nicht allein aus meiner Erfahrung,
sondern aus der Erfahrung anderer, wenn ich sage, daß Sie in
einer größeren Anzahl von Fällen vernünftiger sind als die Kapitalisten.
Ich habe jenen diese Dinge nicht persönlich gesagt, weil ich dazu noch keine
Gelegenheit gehabt habe. Doch sie müssen gesagt werden, nicht in irgendeinem
Geiste der Kritik, doch um die Luft zu klären und sich ans Werk zu
machen. Eine Schlichtung ist nie unmöglich, wenn beide Teile das Richtige
tun wollen. Des ferneren ist eine Schlichtung stets schwer zu umgehen, wenn
die Parteien einander von Angesicht zu Angesicht gegenübergestellt werden
können. Darum müssen wir in jedem Falle darauf bestehen, daß die Parteien
einander persönlich gegenübergestellt werden und die zwischen ihnen obschwebenden
Streitfragen in dieser Weise verhandeln, nicht aber einzeln und
an Orten, die keine Verbindung miteinander haben. Wir sind alle aus demselben
Ton und Geiste, und wir können zusammenkommen, wenn wir zusammenzukommen
wünschen. Daher ist mein Rat an Sie der folgende: Laßt uns
uns als Amerikaner zeigen, indem wir zeigen, daß wir nicht in verschiedene