Metadata : Der Weltbrand. Deutschlands Tragödie 1914-1918. Erster Band. (1)

dioision  und  einigen  Landwehrregimentern  und  Landsturmformatlonen.  Also
neun  Infanterledioisionen,  zu  denen  noch  eine  einzige  Kavalleriediolsion  trat.

Diese  geringen  Kräfte  reichten  seldstverstaändlich  nicht  entfernt  hin,  die  weit
gestreckten  Grenzen  Ost-  und  Westpreußens  vom  Memel  auch  nur  bis  in  die
Weichselgegend  dei  Thorn  zu  schützen.  Das  war  von  vornherein  klar,  daß  der
nordöstliche  Teil  der  Provinz  etwa  nördlich  des  Pregel  und  sstlich  der  Seenkette
zwlschen  Insterburg  und  Johannledurg  dem  Feind  üderlassen  werden  mußte.
Der  Oderkommandlerende  der  8.  Armee,  Generaloderst  von  Prittwitz,  handelte
entsprechend.  Er  teilte  seine  schwachen  Kräfte  in  eine  Nordgruppe,  welche  sich
um  Insterburg  aufstellte  und  den  nach  Osten  gekehrten  Grenzabschnitt  zu  überwachen
  hatte,  und  in  eine  Südgruppe,  welche  etwa  dei  Ortelsburg  nach  Süden
Aueschau  halten  sollte.  Daß  diese  deiden  Gruppen  jede  für  sich  allein  zu  ernstbaftem
  Widerstande  nlcht  stark  genug  sein  würden,  war  vorauezusehen.

Am  17.  August  wurde  es  erkenndar,  daß  eine  große  russische  Armee  die  ostpreußlsche
  Grenze  von  Kowno  her  üderschritt  und  auf  Znsterdurg  im  Anmarsch
war.  Prittwitz  warf  ihr  dle  Nordgruppe  seiner  Armee  entgegen,  derelt,  die
Verteidigung  auch  hler  mit  selnen  schwachen  Kräften  offensiv  zu  führen.  Vorwärte
  Gumblnnen  entdrannte  die  Schlacht.  Es  standen  sieden  Divislonen
und  eine  Kavallerledlvision  gegen  die  ganze  Armee  Rennenkampf,  neunzehn
Dioisionen  und  ein  Gardekavalleriekorps,  im  Gefecht.  Der  deutsche  Angriff
traf  die  russische  Armee  noch  in  der  Entwicklung  und  erzlelte  Anfangeeersolge.
Ale  ader  die  russtsche  Armee  ihren  Aufmarsch  vollzogen  hatte,  begann  ihre  Ubermacht
  sich  geltend  zu  machen.  Prittwitz  zog  alle  irgendwie  entbehrlichen  Kräfte
an  slch  und  warf  sie  in  die  Schlacht.  Vom  17.  bie  20.  August  wütete  ein  heftiger,
für  die  Deutschen  sehr  ehrenvoller  Kompf.  Im  Laufe  des  20.  ader  begamn  dle
russische  Übermacht  sich  erdrückend  fühlbar  zu  machen  und  dedrohte  die  schwache
deutsche  Front  mit  Umzingelung.  Zudem  trafen,  und  das  mußte  entschelden,
jetzt  Nachrichten  von  der  Südgruppe  ein,  wonach  starke  russische  Kräfte  von
Ostrolenka  und  Lomscha  her  in  der  Richtung  auf  die  Südgrenze  Ostpreußene
im  Anmarsch  seien.  Ee  erwuche  also  die  weitere  Sorge  um  die  Rückzugellnie.
Prittwig  beschloß  den  Kampf  adzudrechen.  Gleichzeltig  mit  diesem  Entschluß
meldete  er  der  Obersten  Heereoleltung,  daß  er  angeslchts  der  Bedrohung  selner
rückwärtigen  Verdindungen  keinen  anderen  Weg  der  Verteldigung  sehe  als  den,
ganz  Ostpreußen  zu  räumen  und  sich  ble  binter  die  Welchsellinie  zurückzuziehen.

Die  O.  H.  L.,  dle  sich  damals  noch  in  Codlenz  befand,  erbielt  dlese  Meldung
am  Tage  nach  dem  Einmarsch  der  deutschen  Truppen  in  Brüssel.  Unter  dem
Elndruck  des  erfolgrelchen  Vorsturme  der  Westheere  faßte  sle  rasche  und  rettende
Entschlüsse.  Prittwitz  schlen  mlcht  der  Mann  tatkräftigen  Handelns.  Er  mußte
ersetzt  werden.  Moltkes  Blück  fiel  auf  den  Erstürmer  von  Lüttich.  Von  selner
Tat  wußte  das  Vaterland  noch  ulchte.  Alles  Llcht  der  ersten  deutschen  Großtat
im  Weltkriege  war,  preußlscher  Uberlieferung  entsprechend,  auf  den  Oderkom--mandierenden
  der  Lütticher  Sturmtruppe  gefallen:  den  General  von  Emmlch.
Die  O.  H.  L.  hatte  ihren  Mann  erkannt.  Sie  kannte  ihn  schon  von  früher.

Aber  Ludendorff  war  „nur“  Generalmajor.  Ihn  an  die  Spitze  einer  Armee
zu  stellen,  wo  er  üder  Divisionskommandeure  und  Kommandierende  Generale
zu  befehlen  gehabt  hätte,  widersprach  sahrhundertelanger  preußischer  Tradition.

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