Die Hölle von Verdun 35
und verwandelte die Acker, auf denen die Truppen, lang hingestreckt, den
Befehl zum Sturm erwarteten, in klebenden Morast. Tber sie hinweg heul-
ten die Granaten; sie zerschlugen die Werke am Nordwesthang der Höhe 304
und wälzten die Trümmer von Malancourt und Haucourt noch eimmal um.
Der Franzose hielt in Kellern, toten Winkeln und Stollengängen stand,
vermochte aber den heranbrausenden Stuerm nicht mehr zu brechen. Oie
Schlesier stießen bis zum Forgesgrund durch, nahmen den nördlichen Teil
von Malancourt samt der befestigten Kirche und drangen in die Erd.
werke am Hang von Haucourt. Die Franzosen wichen fechtend über den
Bach auf die Höhenstufe 287 und behaupteten die Trümmer von Haucourt.
Von Regen und Schlamm durchnäßt, harrten die Schlesier zwischen Leichen
und Natten in zerfehten Gräben und zerstörten Kellern des Befehls zu
neuem Sturm. Die Verbindungen rissen ab, die Zufuhr stockte, die Ver-
luste wuchsen, aber sie hielten aus.
Und wie sie hier, so lagen vor Béthincourt auf der Nordostflanke des
Toten Mannes, im Dabenholz, vor Cumieres, in den Steinbrüchen am
fefferrücken, am Fuß der Kalten Erde, vor den Werken von Thiaumone,
am Saume des Caillettewaldes und am Hang und in den Schluchten von
Vaux andere Kämpfer im fürchterlichsten Graus schutzlos den Unbilden
der Witterung und dem Feuer der französischen Geschügtze preisgegeben.
Das Schlachefeld war zu einem einzigen Trichterfeld geworden.
Der Verteidiger litt nicht minder. Wohl war er in der Lage, die Truppen
rascher auszuwechseln, aber das konzentrische Feuer des Angreifers lag
so schwer auf seinen Linien und seinen Verbindungswegen, daß dieser Wechsel
schwere Verluste nach sich zog. Eng und enger eingepfercht, kämpften die
Franzosen um die Behaupctung Verduns. Sie hatten die Festung im
Februar nicht vor überraschendem Fall bewahrt, um sie nun langsam zer-
bröckeln zu lassen.
Joffre zog die letzten Folgerungen aus der entstandenen Lage. Er
übertrug Pétain, der die Verkeidigung der Feste am 26. Februar über-
nommen und im März auf neue Grundlagen gestellt hatte, den Oberbefehl
über die französische Mittelfront von Soissons bis Verdun und übergab
die Verleidigung Verduns dem General Nivelle. Nivelle traf am 3. April
in Verdun ein. Er brachte Verstärkungen und den festen Willen mir, dem
Feind im Gegenangriff zu begegnen, sah sich aber zunächst in der Abwehr
gefesselt.
Die deutsche Heeresleitung war immer noch voller Hoffnungen. Da
die russische Märzoffensive sich in den Naroczsümpfen verblutet hatte und
schwächlichere Vorstöße der Italiener am Isonzo schon in der Entwicklung
gescheitert waren, blickte der Frühlingshimmel freundlicher auf die Pläne
der deulschen Heeresleitung. Dem vorgefaßten Dlane getreu, setzte Falken-
bapn daher alles an die Fortsegung der Schlacht um Werdun.