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daß er wohl auch früher nicht immer das richtige Maaß in seinen öffentlichen
Aeußerungen eingehalten hatte.
Als der Kurfürst nach seiner Residenz zurückgekehrt war, stellte er vor
der Versammlung der Stände eine scharfe Untersuchung über den widerwärtigen
Vorfall an. Die Kurfürstin selbst war nicht von allem Verdacht frei; wenigstens
wurde behauptet, daß sie bei der ersten Nachricht von dem Tumult, als
ihr gemeldet worden, man wolle den Cölnern ihren Pfarrer nehmen, geäußert
habe, sie sollten ihn sich nicht entreißen lassen. Der Kurfürst wie bei allen
früheren Gelegenheiten, gehalten und gemäßigt, erwiederte, daß solche Worte
im Falle sie wirklich von der Kurfürstin gesprochen worden seien, noch immer
zu keiner Gewaltthat berechtigten, auch überdies man keinem Andern als
ihm selbst Eid und Treue geschworen hätte.
Das Urtheil jedoch fiel dem milden Sinn des Fürsten gemäß, ziemlich
glimpflich aus; es lautete, daß „Räthe und Bürger der ganzen Residenz durch
eine öffentliche Schrift versichern mußten, sie verabscheuten den Tumult
und würden sich künftig nur an ihren Landesherrn halten." Bestraft
dagegen wurde Niemand, als der unbesonnene Urheber des ganzen Aufstandes,
der Caplan an Sankt-Petri, Stuler, welchen der Kurfürst, aber auch
nur erst, nachdem man ein Gutachten des Leipziger Schöppenstuhles darüber
eingeholt hatte, aus seinen Staaten verwies.
Der Ausgewiesene fand in Kursachsen, wo man lutherische Zeloten gern
sah, unverzüglich Aufnahme und Anstellung.
Auch an andern Orten des Kurfürstenthums Brandenburg fehlte es an
ärgerlichen Auftritten nicht, obgleich gerade nicht Volksbewegungen daraus entstanden.
Merkwürdig genug waren die religiösen Streitigkeiten zwischen den
Geistlichen in der Stadt Brandenburg. Hier gab es keine calvinistischen Prediger,
aber wohl des Calvinismus verdächtige Mitglieder der Gemeinde, welche
von den Geistlichen mit großem Aufheben vom Tisch Gottes zurückgewiesen
wurden. Nur der Superintendent selbst, der gelehrte Garcäus, war so
christlich duldsam, auch in dieser Weise verirrte Glaubensbrüder von dem Trost
des heiligen Mahles nicht auszuschließen und die von seinen Amtsbrüdern zurückgestoßenen
Communicanten bei sich zuzulassen. Hierüber gerieth sein Archidiaconus,
Nagel mit Namen, in so ungezähmte Wuth, daß er seinen sanften
und christlich milden Vorgesetzten vor der ganzen Gemeinde vom Altar wegstieß,
und dafür noch das Lob seiner übrigen Amtsgenossen erhielt. Natürlich gelangte
die Sache an den Kurfürsten, welcher die unduldsamen Geistlichen zur
Verantwortung und Bestrafung nach Berlin forderte. Wir haben ein Schreiben
des Kurfürsten über diese Angelegenheit, welches trotz aller jener Zeit angehörenden
Derbheiten wiederum von seiner richtigen Einsicht ein vortreffliches
Zeugniß ablegt.
6Wo Jemand, heißt es in diesem Schreiben, in allen Ständen ist, der
sich des Friedens und der Einigkeit wenig befleißiget, so seid Ihrs und Andere,