Contents : Hand- und Lehrbuch der Staatswissenschaften. Erste Abteilung VIII. Band. Geld und Banken. I. Teil Das Geld. (1_8)

3.  Kapitel.  Edelmetallproduktion  und  Wertverhältnis.  $  5.  119

unaufhaltsame  Preissturz  des  Silbers;  in  zwei  Jahrzehnten  verlor  das
weiße  Metall  die  Hälfte  seines  Wertes,  und  gegenwärtig  (März  1910)
ist  bei  einem  Londoner  Silberpreise  von  etwa  233,8  d  I  kg  (sold  ungefähr
soviel  wert  wie  40  kg  Silber.

Die  Zeit,  in  der  sich  diese  auffallende  Entwicklung,  deren  Ursachen
heftig  umstritten  sind,  vollzog,  war  charakterisiert  durch  folgende
Merkmale.

1.  Hinsichtlich  der  Produktionsverhältnisse.  Bis  zur  Mitte  der
80er  Jahre  ging  die  Goldproduktion  zurück  bei  erheblich  steigender
Silbergewinnung;  in  den  folgenden  Jahren  nahm  zwar  die  Goldproduktion
  wieder  zu,  aber  die  Silberförderung  stieg  bis  etwa  1893  in
noch  viel  höherem  Maße,  sodaß  der  Anteil  des  Goldes  anı  "rewichte
der  Gesamtproduktion  wieder  bis  auf  4,8  Prozent  im  Durchscanitt  der
Periode  1886  bis  1895  zurückging.  Von  1894  an  zeigte  allerdings  die
Goldproduktion  eine  wesentlich  stärkere  Zunahme  als  die  Silbergewinnung,
  ohne  daß  dadurclı  eine  nachhaltige  Erholung  des  Silberpreises
bewirkt  worden  wäre.

2.  Hinsichtlich  der  monetären  Verhältnisse.  Seit  dem  Beginn  der
70er  Jahre  hat  sich  in  der  Währungsverfassung  der  Kulturwelt  eine
gewaltige  Verschiebung  vollzogen.  Fast  alle  Länder,  die  für  den  Weltverkeliır
  in  Betracht  kommen,  haben  dem  Silber  ihre  Münzstätten  verschlossen
  und  die  Goldwährung  mehr  oder  minder  vollständig  durchgeführt.
  Die  Verwendung  des  Silbers  zu  Geldzwecken  ist  mithin
beschränkt  worden,  während  der  (sebrauch  des  Goldgelies  eine  sehr
erhebliche  Ausdehnung  erfahren  hat.

Diese  Andeutungen  müssen  hier  genügen,  um  die  Gestaltung  der
Wertrelation  mit  der  Gesamtentwicklung  in  Beziehung  zu  setzen.

In  Anbetracht  der  Wichtigkeit  der  Vorgänge  während  der  letzten
sechs  Jahrzehnte  sind  in  der  Tabelle  auf  5.  120  und  121  die  Londoner
Silbernotierungen  und  das  sich  daraus  ergebende  durchschnittliche
Wertverhältnis  für  die  Zeit  von  1848  bis  1909  zusammengestellt.  Dazu
  ıst  folgendes  zu  bemerken:

Die  Londoner  Silbernotierung  lautet  auf  pence  (d)  pro  Unze  Standard
Silber  (oz.  st...  Das  Standard  Silber  ist  37/,  fein.  Aus  einer  Unze
Standard  Gold  von  !!/ıa2  Feinheit  werden  andrerseits  3  Pfd.  Sterl.  17  sh
10%j2  d  =  934,5  d  geprägt.  Daraus  ergibt  sich,  wenn  man  die  Londoner
Notierung  —  a  setzt,  zur  Berechnung  des  Wertverhältnisses  zwischen
der  feinen  Unze  Silber  und  der  feinen  Unze  Gold  folgender  Kettensatz  :

x  Uinzen  feines  Silber  i  Unze  feines  Gold

Il  Unzen  feines  Gold  12  Unzen  Standard  Gold
1  Unze  Standard  Gold  934,5  pence

a  pence  I  Unze  Standar::  :,.!ber

40  Unzen  Standard  Silber  ı  37  Unzen  feines  S?!ber.