Die erste Session 1878. 51
ministeriums, der Ablösung der Domänen und Forsten vom Finanzministerium
und behufs Dotirung eines Ministers ohne Portefeuille
als Stellvertreter für sich selbst. Fast sein ganzes Ministerium so,
klagte in der Soiree der Kanzler, sei invalide: Der Kriegsminister
von Kameke und Achenbach seien fast noch allein im Besitz der
vollen Arbeitskraft. Er habe schon früher die Ressortverhältnisse
ändern wollen, aber bei Camphausen und Eulenburg Widerstand
gefunden. Camphausen ginge jamnunmehr ab, Falk habe sich überarbeitet
und hätte wiederholt überredet werden müssen, sein Abschiedsgesuch
zurückzuhalten. Friedenthal klage über Rheumatismus,
aber er wisse das besser: Friedenthal habe in seinem Doppelressort
sich übernommen wie der Vogel im Hanfsamen.
Schon drei Tage darauf wurde die betreffende Vorlage über
die Ressortveränderungen an den Landtag gebracht. Diese Uberstürzung
aber war den Nationalliberalen ein zu starkes Stück. Sie
stimmten nur für die Dotation eines Vizepräfidenten des Staatsministeriums
ohne Portefeuille und lehnten die Ressortveränderungen
ab.
Acheubach vor der Front besfeitigt.
„Ein neuer Handelsminister,“ so hatte Fürst Bismarck am
21. Dezember 1877 an den Staatssekretär v. Bülow geschrieben,
„wird kaum nötig sein, wenn man das Ressort teilt und zunächst
ein selbständiges preußisches Eisenbahnministerium schafft.“ Die beabsichtigte
Ressortteilung erlangte, wie bemerkt, nicht die Zustimmung
des Abgeordnetenhauses. Als nun bei der ersten Lesung des Nachtragsetats
zu den Ressortveränderungen Abg. Miquel erklärt hatte, daß
seine politischen Freunde zur Zeit jede Ressortveränderung ablehnen
müßten, klagte sofort Fürst Bismarck in seiner darauf folgenden
Rede die Eisenbahnverwaltung heftig an, daß sie durch Differentialtarife
in Oberschlesien die Entwertung der einheimischen Wälder
zu Gunsten der österreichischen Forsten herbeiführe. Die Verhältnisse
würden nach der Willkür einzelner Eisenbahnverwaltungen
derart geschoben, daß niemand sich darauf einrichten könne. Die
stetige und regelmäßige wirtschaftliche Entwickelung leide darunter.
Da kann nur eine fach= und sachkundige Hand helfen, die in unser
Eisenbahnsystem eingreift. Noch ein sechstes Jahr zu warten mit
der Abhilfe, dazu könne er seine Zustimmung freiwillig nicht geben.
Lebhafte Bewegung folgte dieser Rede, in welcher sich derselbe
Vorgang wiederholte, wie am 22. Februar im Reichstage gegenüber
Camphausen und 1877 gegenüber Marineminister v. Stosch. Man
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