268 Der Feldzug im Osten vom 6. Nov. bis 17. Dez. 1914
Die Kämpfe an der Angerapp und an den masurischen Seen
Hindenburg sah die gewaltige Neugliederung der verbündeten öster.
reichisch-ungarischen Armeen und der Armee Woyrsch noch nicht vollendet,
als ihn der Augenblick schon zur Tat rief. Bevor wir den ehernen Schritten
folgen, mit denen er plötzlich wieder das vor wenigen Tagen geräumte Feld
betrat, werfen wir noch einen Blick auf die deutschen und russischen Nord.
armeen, die bei Schirwindt, an der Angerapp, vor den masurischen Seen
und bei Mlawa verkämpft lagen, während bei Warschau und Rawa um
die Entscheidung gerungen wurde. Auch sie wurden von der elementaren
Gewalt der Ereignisse ergriffen, die über Polen hinwegschricten und sich zur
entscheidenden Schlachtenfolge des Jahres 1914 gestalteten.
Der Kampf Frangois’' und Rennenkampfs war noch nicht zum Austrag
gekommen, seit der Umfassungsversuch des russischen Generals bei Schirwindt
und Lyck gescheitert war. Rennenkampf erneuerte seine Anstrengungen, um
des behenden und standfesten Gegners habhaft zu werden, der sich immer
tiefer eingrub, der Bewegung enlsagte und den Kampf an den Gegner zum
Stehen brachte.
Oie Armee Frangois lag zwischen Schirwindt und Bialla in Gräben
und Verhauen und hielt sich den Überlegenen Gegner mit dem Feuer ihrer
Gewehre und schweren Geschütze vom Leibe, als General Okto v. Below
am 7. November die Mitteilung erbielt, daß er zum Führer der 8. Armee
ernannt sei und General v. Mackensen die Führung der neugebildeten 9. Armee
übernehme. Gleichzeitig mit der Mitteilung erreichte ihn Hindenburgs
Befehl, drei Divisionen aus der Fronk zu ziehen und nach Thorn in
Bewegung zu sehen. Auch das XXV. Reservekorps sollte abrücken. Es
war der Sammlungsbefehl, der alle verfügbaren und entbehrlichen Kräfte
nach Thorn rief und keine Folgen scheute. Below wurde angewiesen, mit
den zurückbleibenden Kräften die Verteidigung Ostpreußens und den Schutz
der äußersten linken Flonke durchzuführen. Er beschloß, die Stellungen, die
westlich der Hancza in der Linie Cimochen— Bukalarzewo zum Wuysztytensee
und weiter bis Schirwindt liefen, möglichst lange zu halten und im
schlimmsten Falle auf die Rominte, die Angerapp und die großen Seen
zurückzugehen. Da an der Angerapp und in den masurischen Wäldern inzwischen
große Verteidigungsanlagen aus dem Boden gewachsen waren
und ihm dort NReserven und Landsturm als Ersatz zugeschoben werden
konnten, fühlte er sich imstande, der russischen Abermacht mit geringen
Kräften die Spitze zu bieten.
Die 10. russische Armee spürte die Abnahme des Gegendruckes und
schrieb sie der Ermattung des Gegners zu. Rennenkampf ging darauf zum
Angriff über, wurde aber bald gewahr, daß die Kampfkraft des alten Feindes
nicht gelitten hatte.) Als die Mitte der 10. Armee am 8. November mit