Full text : Reichs-Gesetzblatt. 1903. (37)

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§ 5.

Ist  der  Angeschuldigte  auf  dem  Seemannsamt  anwesend  und  stehen  der
mündlichen  Verhandlung  Hindernisse  nicht  entgegen,  so  kann  sofort  ohne  vorgängigen
  Einleitungsbeschluß  (§  1)  in  die  Verhandlung  eingetreten  werden.

§ 6.

Der  Angeschuldigte  kann  sich  in  jeder  Lage  des  Verfahrens  des  Beistandes
eines  Verteidigers  bedienen.  Das  Seemannsamt  kann  Personen,  die  nicht
Rechtsanwälte  sind,  als  Verteidiger  zurückweisen.  Hat  das  Seemannsamt  seinen
Sitz  außerhalb  des  Reichsgebiets,  so  ist  die  Zulassung  eines  Verteidigers  von
dem  Ermessen  des  Seemannsamts  abhängig.

§ 7.
Der  Termin  zur  mündlichen  Verhandlung  ist  möglichst  nahe  anzusetzen.
Das  Seemannsamt  hat  die  erforderlichen  Beweismittel  herbeizuschaffen.

§ 8.

Die  zur  Entscheidung  zugezogenen  Beisitzer  des  Seemannsamts  sind,  falls
dies  nicht  bereits  bei  ihrer  Bestellung  ein  für  allemal  geschehen  ist,  von  dem
Vorsitzenden  auf  die  Erfüllung  der  Obliegenheiten  ihres  Amtes  eidlich  zu  ver—
pflichten.

§ 9.

Die  Leitung  der  mündlichen  Verhandlung,  die  Vernehmung  des  Ange—
schuldigten  sowie  die  Aufnahme  des  Beweises  erfolgt,  wenn  unter  Zuziehung  von
Beisitzern  verhandelt  wird,  durch  den  Vorsitzenden.  Der  Vorsitzende  hat  den
Beisitzern  auf  Verlangen  zu  gestatten,  an  die  zur  Vernehmung  erschienenen  Personen
  Fragen  zu  stellen.  Ungeeignete  oder  nicht  zur  Sache  gehörige  Fragen
kann  der  Vorsitzende  zurückweisen.

§  10.

In  der  mündlichen  Verhandlung  ist  der  Angeschuldigte  über  die  ihm  zur
Last  gelegte  strafbare  Handlung  zu  vernehmen.  Soweit  erforderlich,  ist  der  Tatbestand
  durch  Beweisaufnahme  festzustellen.  Nach  deren  Abschluß  ist  dem  Angeschuldigten
  das  Wort  zu  seinen  Ausführungen  und  Anträgen  zu  erteilen.

§  11.

Ist  der  Angeschuldigte  gehöriger  Ladung  ungeachtet  nicht  erschienen,  so
kann  in  seiner  Abwesenheit  gegen  ihn  verhandelt  werden.  Das  Seemannsamt
kann  jedoch  das  persönliche  Erscheinen  des  Angeschuldigten  anordnen  und  ihn  im
Wege  polizeilichen  Zwanges  vorführen  lassen.

§ 12.

Macht  sich  in  der  mündlichen  Verhandlung  ein  Kapitän  oder  Schiffsmann
einer  Zuwiderhandlung  gegen  §  115  der  Seemannsordnung  schuldig,  so  kann