Metadata : Blätter für Rechtsanwendung. LIX. Band. (59)

166  Entscheldungen  des  OL#.  München.

über  derartige  Vorkommnisse  bildet  daher  ebensowenig
wie  ein  unwahrer  Bericht  desselben  hierüber  an  das  Vollstreckungsgericht
  den  Thatbestand  der  falschen  Beurkundung
  im  Sinne  des  §  348  StGB.  Dasselbe  gilt  von
Feststellungen  zum  Acte  über  Gewährung  von  Aufschub,
auch  wenn  der  Glänbiger  dieselben,  ohne  Kenntniß  ihres
Inhalts  und  ohne  Zustimmung  zu  dem  Aufschube,  mitunterzeichnete.
  Denn  solche  Erklärungen  betreffen  nicht
Thatsachen,  welche  einen  Bestandtheil  von  Vollstreckungshandlungen
  bilden.  Auch  die  Aufnahme  solcher  Vermerke
in  die  Vollstreckungsregister  stellt  sich  nicht  als  die  Vornahme
  einer  öffentlichen  Beurkundung  dar.  Denn  nach
den  maßgebenden  Vorschriften  sind  diese  vom  Gerichtsvollzieher
  zu  führenden  Register  nur  dazu  bestimmt,  über
den  Stand  jeder  Vollstreckungssache  eine  Uebersicht  zu
bieten  und  zur  Ausübung  der  Controle  des  Gerichtsvollziehers
  durch  die  Aufsichtsbehörde  und  die  Parteien  zu
dienen,  nicht  aber  der  Allgemeinheit  in  der  Art,  daß
sie  die  Möglichkeit  gewähren,  als  Beweismittel  für  und
gegen  Jedermann  benützt  zu  werden.  Bloße  Anfragen
Betheiligter  an  den  Gerichtsvollzieher  über  den  Stand
der  Sache  tragen  nicht  die  Eigenschaft  von  Urkunden  im
juristischen  Sinne.  Sie  sind  lediglich  Schriftstücke,  welche
bezwecken,  den  Adressaten  von  dem  Wunsche  des  Absenders
  in  Kenntniß  zu  setzen,  welche  daher  für  den  Beweis
  von  Rechten  und  Rechtsverhältnissen  keine  Erheblichkeit
  besitzen.  Demnach  macht  sich  ein  Gerichtsvollzieher,
  welcher  solche  Zusendungen  den  Vollstreckungsacten
  nicht  einverleibt,  keiner  Beseitigung  von  Urkunden.
schuldig.  Beschluß  vom  12.  August  1893.

StGB.  8§  359.  Mitglieder  eines  Frauenordens
  zur  Aufsicht  rc.  in  einem  Gemeinde-Armenhause
  sind  Beamte.  Nach  dem  Gesetze  vom
29.  April  1869,  betr.  die  öffentliche  Armen=  und  Krankenpflege,
  gehört  die  Erfüllung  der  Aufgabe  der  öffentlichen