Letzte Vorbereitung des Umsturzes 123
mußte jeder Stoßtruppführer genau mit den Waffen informiert sein,
so daß er sie ausprobierte und jedem Einzelnen wiederum klarlegte.
Die einzelnen Leute mußten verschwiegen sein, mußten die Waffen
kennen und mußten auch die Kerle sein, sie zu benutzen. Doch es ging,
nicht nur besser, als ich dachte, sondern gerade diese Führer, die ich
alle selbst einweihte, nachdem sie nach reiflicher Uberlegung an mich
verwiesen waren, gaben mir neuen Mut und neue Energie
Anfang August, also nach der Niederlage an der Marne, wurden
die ersten Stoßtrupps gebildet. In den Sitzungen mit den Obleuten und
bei den Führern legte ich klar, daß nunmehr alle Tage die Kriegslage
uns zwingen könne, loszuschlagen
Jetzt galt es, die richtige Stunde zum Kampfe zu wählen, die
richtige Stunde und die äußerste Kraftanstrengung, den einheitlichen
Schlag im ganzen Lande. Kuriere gingen ab. Die Stimmung war
überall gut. Die Vorbereitungen überall fest im Gange. Uberall die
strikte Anweisung, nur auf meine Parole loszuschlagen.“
Die Organisation war, ohne daß — wie erwähnt — die Behörden
oder auch selbst Kreise der Mehrheitssozialdemokratie Kenntnis davon
hatten, fertig ausgebaut. Von der Unabhängigen Sozialdemokratischen
Partei waren Rich. Müller, Abg. Haase und Ledebour nach Barths Zeugnis
in alle Pläne eingeweiht.
Ersterer wurde im September von den Unabhängigen als Kandidat
im Wahlkreise Berlin I aufgestellt.
Die Mehrheitspresse enthielt sich trotz der starken Depression der
Massen jeder Aufsätze zur Hebung der Stimmung. Die „Breslauer
Volkswacht“ (27. Juli) besprach die militärischen Ereignisse sogar in
recht pessimistischer Form.
Dagegen geizte man — Mehrheitssozialisten und Unabhängige —
nicht mit Sympathieerklärungen für den Bolschewismus. „Bricht jetzt
sein System zusammen, so bedeutet das einen Schlag für uns alle“,
rief der unabhängige Dr. Breitscheid in der „Sozialistischen Auslandspolitik“
(25. Juli) aus. Auch Stampfer („Vorwärts“) machte aus seiner
Sympathie kein Hehl. —
Daß diese stetig zunehmende trübe Stimmung der Heimat auch
auf das Heer nachteiligen Einflus haben mußte, bedarf keiner Begründung.
Und wie notwendig war es gerade bei diesem, den Kampfeswillen
zu erhalten. Man versetze sich in die Wirklichkeit. Der Mann, der sein