Volltext : Historische Untersuchungen. Heft V. (5)

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Überhaupt  aber  griff  jetzt  auf  dem  Reichstage  eine  gereizte
Stimmung  Platz.  Schon  machte  sich  die  gegenseitige  Erbitterung
in  Hohn  und  Schmähungen  Luft.  Namentlich  die  Anfangsbuchstaben
  des  evangelischen  Sinnspruches:  „Verbum  domini  manet  in
eternum“  (das  Wort  Gottes  bleibt  in  Ewigkeit),  welche  die
evangelischen  Fürsten  und  ihr  Gefolge  in  Stickerei  auf  dem  rechten
Ärmel  ihres  Gewandes  trugen,  dienten  der  Spottlust  der  Katholischen
  zur  Zielscheibe:  das  Wort  Gottes  bleibt  im  Ärmel,  interpretierten:
  sie,  doch  wulsten  die  Evangelischen  gut  zu  repli-20.

  August  (Thomas  nr.  215):  Die  evangelischen  Predigten  gewähren  den
gegnerischen  Priestern  vielen  Anstofs  und  diese  würden  viel  darum  geben,
wenn  der  Reichstag  nicht  in  diese  Stadt  gelegt  worden  wäre,  welche  zu  der
evangel.  Predigt  gänzlich  hinzuströmt.  In  der  Hauptkirche  wird  zwar  noch
von  einigen  Predigern  des  Erzherzogs  gepredigt,  nämlich  von  Faber  und
einem  Franziskanermönch,  aber  diese  „hanno  pochissimo  concorso  e  sono
sbeffati*.  Vgl.  noch  Micyll  an  Agricola  22.  August:  „Passim  praedicatur
sedulitas  et  studium  tuum  in  praedicando  evangelio,  qua  re  nihil  audio  cum
maiore  voluptate,  nam  scio  te  illum  esse,  qui  possit  fabris  ac  cancris  istis
adversum  ire,  non  clamore  et  immodesta  loquacitate,  sed  veris  ae  rectis
rationibus  solidaque  eloquentia“.  (Brecher,  Neue  Beiträge  z.  Briefw.  der-Reform.,
  in  Zeitschr.  f.  histor.  Theol.  1872  S.  393).  Ferner  Capito  an  Blaurer
25.  Aug.:  Juvenis  ille  princeps  Hessorum  ardentissime  videtur  ad  gloriam
dei  aemulatione  propendere,  qui  cum  Fabro  de  rebus  controversis  quotidie
prope  disputat  atque  convincit“.  Baum,  Thes.  epistol.  II.  —  Sehr  ungehalten
war  Kurf.  Joachim  von  Brandenburg,  da  er  durch  seinen  Bruder  den  Kardinal
  von  den  Zuständen  in  Speier  hörte:  er  vernehme,  schrieb  er  dem
Bruder  zurück,  dafs  viel  Gewalt  und  Eigenwillen  wider  christliche  Ordnung
und  das  kaiserliche  Verbot  freventlich  vorgenommen  werde.  Im  besonderen
„ist  bei  uns  ein  übermälsig  Verwundern  und  eine  erbärmliche  Sache,  dafs
Statthalter  und  Kommissarien,  auch  Kurfürsten  und  Fürsten,  so  in  solcher
grofsen  Versammlung  bei  einander  sind,  unchristliche  und  ketzerische  Prediger
  das  gemeine  Volk  zu  verführen  und  Irrtum  und  Aufruhr  zu  erwecken
und  auch  unchristlich  Wesen  vorzunehmen  verhängen,  zusehen  und  gestatten.
Was  will  daraus  entstehen  und  erwachsen  anders,,  dann,  wie  e.  ].  anzeigt,
Aufruhr,  Zerrüttung  christlichen  Wesens  und  aller  Obrigkeit?“  d.d.  Köln
a.  d.  Spree  Sa.  n.  ass.  Mar.  (18.  Aug.)  1526.  Orig.  Magdeb.  St.  A.,  Rep.  I
Fasz.  283.  —  Vgl.  auch  Cochlaeus  a.a.0O.;  Spalatin  bei  Mencken  II
S.  661  zum  19.  August;  auch  Veesenmeyer  8.  9  f.;,  125  ff.  Über  Agricolas
Schriftwechsel  und  Disputationen  mit  Fabri  s.  Kapp,  Kl.  Nachlese  II
Ss.  691  fi.,  vgl.  Weller,  Repertor.  typographic.  nr.  3707.  Ein  satirisches
Epigramm  des  Humanisten  Herm.  Buschius  auf  Fabri  teilt  Spalatin  S.  660
mit.  —  Über  einen  katholischen  Prediger  aus  Konstanz,  Pirata,  der  nach
Speier  kam,  um  dort  mit  den  evangel.  Praedikanten  zu  diskutieren,  s.  Vierordt
  S.  256.

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