— 5305 —
Überhaupt aber griff jetzt auf dem Reichstage eine gereizte
Stimmung Platz. Schon machte sich die gegenseitige Erbitterung
in Hohn und Schmähungen Luft. Namentlich die Anfangsbuchstaben
des evangelischen Sinnspruches: „Verbum domini manet in
eternum“ (das Wort Gottes bleibt in Ewigkeit), welche die
evangelischen Fürsten und ihr Gefolge in Stickerei auf dem rechten
Ärmel ihres Gewandes trugen, dienten der Spottlust der Katholischen
zur Zielscheibe: das Wort Gottes bleibt im Ärmel, interpretierten:
sie, doch wulsten die Evangelischen gut zu repli-20.
August (Thomas nr. 215): Die evangelischen Predigten gewähren den
gegnerischen Priestern vielen Anstofs und diese würden viel darum geben,
wenn der Reichstag nicht in diese Stadt gelegt worden wäre, welche zu der
evangel. Predigt gänzlich hinzuströmt. In der Hauptkirche wird zwar noch
von einigen Predigern des Erzherzogs gepredigt, nämlich von Faber und
einem Franziskanermönch, aber diese „hanno pochissimo concorso e sono
sbeffati*. Vgl. noch Micyll an Agricola 22. August: „Passim praedicatur
sedulitas et studium tuum in praedicando evangelio, qua re nihil audio cum
maiore voluptate, nam scio te illum esse, qui possit fabris ac cancris istis
adversum ire, non clamore et immodesta loquacitate, sed veris ae rectis
rationibus solidaque eloquentia“. (Brecher, Neue Beiträge z. Briefw. der-Reform.,
in Zeitschr. f. histor. Theol. 1872 S. 393). Ferner Capito an Blaurer
25. Aug.: Juvenis ille princeps Hessorum ardentissime videtur ad gloriam
dei aemulatione propendere, qui cum Fabro de rebus controversis quotidie
prope disputat atque convincit“. Baum, Thes. epistol. II. — Sehr ungehalten
war Kurf. Joachim von Brandenburg, da er durch seinen Bruder den Kardinal
von den Zuständen in Speier hörte: er vernehme, schrieb er dem
Bruder zurück, dafs viel Gewalt und Eigenwillen wider christliche Ordnung
und das kaiserliche Verbot freventlich vorgenommen werde. Im besonderen
„ist bei uns ein übermälsig Verwundern und eine erbärmliche Sache, dafs
Statthalter und Kommissarien, auch Kurfürsten und Fürsten, so in solcher
grofsen Versammlung bei einander sind, unchristliche und ketzerische Prediger
das gemeine Volk zu verführen und Irrtum und Aufruhr zu erwecken
und auch unchristlich Wesen vorzunehmen verhängen, zusehen und gestatten.
Was will daraus entstehen und erwachsen anders,, dann, wie e. ]. anzeigt,
Aufruhr, Zerrüttung christlichen Wesens und aller Obrigkeit?“ d.d. Köln
a. d. Spree Sa. n. ass. Mar. (18. Aug.) 1526. Orig. Magdeb. St. A., Rep. I
Fasz. 283. — Vgl. auch Cochlaeus a.a.0O.; Spalatin bei Mencken II
S. 661 zum 19. August; auch Veesenmeyer 8. 9 f.;, 125 ff. Über Agricolas
Schriftwechsel und Disputationen mit Fabri s. Kapp, Kl. Nachlese II
Ss. 691 fi., vgl. Weller, Repertor. typographic. nr. 3707. Ein satirisches
Epigramm des Humanisten Herm. Buschius auf Fabri teilt Spalatin S. 660
mit. — Über einen katholischen Prediger aus Konstanz, Pirata, der nach
Speier kam, um dort mit den evangel. Praedikanten zu diskutieren, s. Vierordt
S. 256.
Historische Untersuchungen. 5
20