Vereinigie Staalen ren Nerdamerike und Kausda. (Juni 14.) 895
2. April, dargelegt hat, wie „die unerhörten Beleidigungen und aggressiven
Handlungen der Kaiserl. deutschen Regierung“ die Ver. St. zum Kriege gedrängt
hätten, fährt er fort: Wir wissen es heute noch ebensogut, wie wir
es vor dem Eintritt in den Krieg wußten, daß wir ebensowenig ein Feind
des deutschen Volkes sind, wie dieses der unsere ist. Das deutsche Volk
hat diesen entsetzlichen Krieg nicht angestiftet oder gewollt, noch auch gewünscht,
daß wir in ihn verwickelt werden sollten; und wir haben ein dunkles
Bewußtsein, daß wir nicht nur für unsere eigene Sache kämpfen, sondern
auch für die seinige, und daß es dies eines Tages einsehen wird. Das
deutsche Volk befindet sich selbst in den Klauen der finsteren Macht, die
nun endlich ihre widerwärtigen Fänge auch nach uns ausgestreckt und uns
blutende Wunden geschlagen hat. Die ganze Welt steht im Kriege, weil
sich die ganze Welt in den Klauen dieser Macht befindet und nun den
großen Entscheidungskampf kämpft, von dem es abhängen wird, ob sie unter
ihre Herrschaft geraten oder ob es ihr gelingen soll, sie von sich abzuschütteln.
Der Krieg wurde von den militärischen Gebietern Deutschlands begonnen,
die, wie sich herausstellte, auch die Gebieter Oesterreich--Ungarns waren.
Diese Männer haben Nationen nie als Menschen, als Männer, Frauen
und Kinder betrachtet, in deren Adern dasselbe Blut fließt, wie in ihren
eigenen, für welche die Regierungen da sind, und von denen die Regierungen
erst ihre Existenzberechtigung erhalten. Sie haben sie immer nur
als brauchbare Einrichtungen betrachtet, die sie durch Gewalt ihren eigenen
Wünschen beugen oder durch Intrigen verleiten konnten, ihren eigenen
Interessen zu dienen. Sie haben namentlich die kleineren Staaten und die
Völker, die sich durch Gewalt niederschlagen ließen, als die natürlichen
Werkzeuge ihrer Herrschaftsgelüste betrachtet. Ihr Ziel war schon längst
kein Geheimnis mehr. Die Staatsmänner anderer Nationen, denen dieses
Ziel unglaublich erschien, achteten nicht weiter darauf; sie waren in der
Meinung, daß in den Ausführungen deutscher Professoren in ihren Lehrsälen,
sowie in den Darlegungen deutscher Schriftsteller in der Oeffentlichkeit
über das Endziel der deutschen Politik nur Träume von Männern zu
sehen seien, die dem praktischen Leben fernständen, — nur verschrobene
Privatansichten über die Bestimmung des deutschen Volkes, nicht aber die
wirklichen Pläne verantwortlicher Herrscher. Dabei wußten aber die Herrscher
Deutschlands nur zu gut, welche wirklichen Pläne, welche wohlvorbereiteten
Intrigen den Aeußerungen jener Professoren und Schriftsteller zugrunde
lagen; und froh, unbehelligt ans Werk gehen zu können, besetzten sie die
Throne der Balkanstaaten mit deutschen Fürsten, stellten der Türkei deutsche
Offiziere zur Verfügung, die ihre Armeen ausbilden und einen Einfluß
auf ihre Regierung gewinnen sollten, schmiedeten Pläne zur Aufruhr und
Empörung in Indien und Aegypten und waren auch in Persien an der
Arbeit. Die von Oesterreich an Serbien gerichteten Forderungen stellten
nur einen einzelnen Schritt innerhalb eines Planes dar, der Europa und
Asien umspannte, von Berlin bis nach Bagdad. Sie hofften, daß diese
Forderungen Europa nicht aufrütteln, waren aber entschlossen, auf ihnen
zu bestehen, gleichviel ob dies der Fall war oder nicht, da sie sich für den
endgültigen Entscheidungskampf gerüstet glaubten. Es war ihre Absicht, die
militärische Macht und die politische Herrschaft Deutschlands in einem
breiten Gürtel mitten über Europa hin und über das Mittelmeer hinaus
bis ins Herz Asiens hinein zu ziehen. Oesterreich-Ungarn sollte ihnen ganz
ebensogut als Werkzeug und Schachsigur dienen wie Serbien oder Bulgarien
oder die Türkei oder die wichtigen Staaten des Ostens. Ja, Oesterreich-Ungarn
sollte ein Teil des deutschen Zentralreichs werden, von denselben
Mächten und Einflüssen aufgesogen und beherrscht, die ursprünglich