Berhandlungen mit Bennigsen. 209
lich gleichgültig, sogar ganz gleichgültig, wenn ich von den eingestandnen
und nicht eingestandnen Republikanern absähe, die
nach rechts mit der Fortschrittspartei abschlössen. Mein Ziel
sei die Befestigung unfrer nationalen Sicherheit; zu ihrer innern
Ausgestaltung werde die Nation Zeit haben, wenn erst ihre
Einheit und damit ihre Sicherheit nach Außen consolidirt sein
werde. Für die Erreichung des letztern Zwecks sei gegenwärtig
auf dem parlamentarischen Gebiete die nationalliberale Partei
das stärkste Element. Die conservative Partei, der ich im
Parlament angehört, habe die geographische Ausdehnung, deren
sie in der heutigen Bevölkerung fähig sei, erreicht und trage
nicht das Wachsthum in sich, um zu einer nationalen Majorität
zu werden; ihr naturgeschichtliches Vorkommen, ihr Standort
sei beschränkt in unsern neuen Provinzen; im Westen und Süden
von Deutschland habe sie nicht dieselben Unterlagen wie in Alt-Preußen;
in Bennigsen's Heimath, Hanover, namentlich habe
man nur zwischen Welfen und Nationalliberalen zu wählen,
und die letztern böten einstweilen die beste Unterlage von allen
denen, auf welchen das Reich Wurzel schlagen könne. Diese
politische Erwägung veranlasse mich, ihnen, als der gegenwärtig
stärksten Partei, entgegen zu kommen, indem ich ihren
Führer zum Collegen zu werben suchte, ob für die Finanzen
oder das Innre, sei mir gleichgültig. Ich sähe die Sache von
dem rein politischen Standpunkte an, bedingt durch die Auffassung,
daß es für jetzt und bis nach den nächsten großen
Kriegen nur darauf ankomme, Deutschland fest zusammenwachsen
zu lassen, es durch seine Wehrhaftigkeit gegen äußre
Gefahren und durch seine Verfassung gegen innre dynastische
Brüche sicher zu stellen. Ob wir uns nachher im Innern etwas
conservativer oder etwas liberaler einrichteten, das werde eine
Zweckmäßigkeitsfrage sein, die man erst ruhig erwägen könne,
wenn das Haus wetterfest sei. Ich hätte den aufrichtigen
Wunsch, ihn zu überreden, daß er, wie ich mich ausdrückte, zu
Otto Fürst von Bismarck, Gedanken und Erinnerungen. II.