Full text : Reichs-Gesetzblatt. 1909. (43)

renden  Einfluß  bis  zur  Adria.  Dort  im  Balkan  stieß  es
auf  die  Donaumonarchie.  Selbst  von  slawischen  Staͤmmen
  durchsetzt,  geographisch  in  der  gleichen  Ungunst  der
Mittellage  wie  Deutschland  befindlich,  waͤre  sie  durch  die
Verwirklichung  der  russischen  Plaͤne  eingeschnuͤrt,  zu  ohnmaͤchtigem
  Kleinstaatendasein  verurteilt  worden.  Die
Lotreißung  der  südflawischen  Landesteile  der  Krone  Habsburg
  wäre  die  unausbleibliche  Folge  gewesen.  Sie  hätte
das  Gefüge  der  Monarchie  gesprengt  (wie  dies  nach  dem
unglücklichen  Ausgang  des  Krieges  geschehen  ist).  Es
handelte  sich  um  eine  Lebensfrage  für  Österreich-Ungarn.

Ich  habe  oben  von  den  Balkanwirren  der  letzten  Jahre
eine  ausfährliche  Schilderung  gegeben.  Von  Krise  zu
Krise  sahen  wir  hier  die  russische  Diplomatie  als  Förderer
der  Unruhen,  als  Agitator  gegen  Österreich  auftreten,
und  immer  wieder  fanden  wir  Oeutschland  mit  Osterreich
  bemuͤht,  den  Konflikt  zu  verhindern:).  Soeben  war
es  gelungen,  die  letzte  dieser  Krisen,  die  albanische,  mit
dem  ganzen  Aufgebot  des  europäischen  Konferenzappa-1)

  Die  sogenannte  #hrenthalsche  Politük,  welche  Herrn  Iswolsll  Gelegenheit
  zur  Entwicklung  der  bosnischen  Krise  gab,  und  welche  fär  Osterreich-Ungarn
  eigentlich  nur  einen  Firmenwechsel  (um  den  preis  des  Sandschaks
  !)  bezweckte,  mag  ein  Fehler,  ein  unnätzer  Aufwand  von  Kraft  gewesen
  sein.  Aber,  obwohl  Buchlau  vorhergegangen  war  und  Öslerreich
in  selnen  Ansprüchen  durch  Verträge  mit  Rußland  (Reichstadt)  gedeckt
war,  war  es  gerabe  letzteres,  welches  die  Dinge  hart  an  den  Rand  des
Krleges  trieb.  Hätten  die  Fentralmächee  einen  solchen  gesucht,  so  wäre
der  damalige  Zeitpunkt,  wo  Rußland  viel  schwächer  geräsiet  war,  für  sie
bel  weitem  gänsäger  gewesen.

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