Wassergymnastik — Wasserkopf. 845
beispielsweise ein heftiger Stoß, Offenbleiben des Leistenkanals oder Tuber—
kulose hervorgerufen hat. Hochlagerung des Hodensackes, erregende Umschläge,
auch kurze Andampfung mit nachfolgendem lauen Bad von 15 Minnten von
etwa 220 R. dürften oft Besserung bringen. Wenn die Geschwulst nicht
weicht, entschließe man sich zur ungefährlichen Operation.
Malsergpmnastik im Bade ermöglicht Goßmann mit seiner neu erfundenen
Ruder= und Wellenbadewanne, welche durch eine sinnreiche Einrichtung
dem Badenden gestattet, gymnastische Ruder= und Widerstandsbewegungen
im Badewasser auszuführen, wodurch das Wasser in sanftem oder kräftigem
Wellenschlag über den Körper hinweggleitet. Die Vorteile einer solchen Wanne,
welche mit den sogenannten „Schaukelwannen“ nichts zu tun hat, sind ersichtlich.
Mlasserbeilkunde (Hydrotherapie). Siehe
„Heilkunde“ und „Allopathie“.) Über keine Heilmethode
sind die Ansichten der Arzte so weit
auseinandergehend, wie über das Wasser als
Heilmittel. Wer sich gründlich mit der Wasserheilmethode
vertraut machen will und die genügende
wissenschaftliche Vorbildung besitzt, der
lese das Buch des Prof. W. Winternitz: „Die
Hydrotherapie auf physiologischer und
klinischer Grundlage". Die Wirkung des
Wassers als Heilmittel gründet sich auf thermische Fig. 467. Wasserbruch.
und mechanische Reizwirkung, welche von einzelnen
Arzten schon im Altertum erkannt wurde. Trotzdem ist erst in den letzten
Jahrhunderten eine „Methode“ begründet worden, welche rasch zahlreiche
Anhänger fand. Prießnitz gilt als ihr Begründer, obwohl er verschiedene
Vorläufer hatte, deren Wirken aber bloß historischen Wert hatte. Ihm folgte
Pfarrer Kneipp. Beide waren Empiriker, d. h. Menschen, die nur über
ihre persönlichen Erfahrungen zu berichten hatten, diese aber nicht wissenschaftlich
zu begründen vermochten. Prof. Winternitz war der erste, der
ein wissenschaftliches Werk über die Wasserheilkunde schuf.
Mlallerkopf. Man munterscheidet einen angeborenen und einen
erworbenen. Die Kinder kommen im ersten Falle mit anuffälliger Kopfform
zur Welt; das Gesicht wird vom großen, vorgewölbten Schädel gleichsam
erdrückt. Diese Vergrößerung ist die Folge von Ausschwitzungen, die im
Gehirn stattfinden. Der „hitzige“ Wasserkopf folgt der tuberkulösen Entzündung
der Hirnhäute und führt meist zum Tode. Ein alter Vater, syphilitische oder
miteinander verwandte Eltern sind mitunter die Ursache der angeborenen
Mißbildung. Gute Pflege, Ableitung vom Kopfe, Verbesserung der Körpersäfte
durch richtige Nahrung und reichlichen Genuß ozonreicher Luft wird
Besserung bringen. In stark ausgebildeten Fällen ist auch geistige Minderwertigkeit
vorhanden.