— 37 —
dach froher gegenseitiger Begrüßung machte er mir nämlich
den Vorschlag, eine ansehnliche Weinkiste, die er mit allerlei
sehr köstlichem Inhalt vom Prinzen Friedrich Karl, mit dem
er in nahen persönlichen Beziehungen stand, zum Geschenk er—
halten hatte, mir, wenn ich sie fortschaffen könnte, überlassen
zu wollen. Sollte uns das Geschick wieder einmal zusammen—
führen, ehe ich auf den Grund gekommen, so sollte ich mit
ihm teilen. Natürlich ging ich mit Freuden auf diese Offerte
ein, zog den Zahlmeister ins Vertrauen und verstaute die ge—
heimnisvolle Kiste auf dem Bataillonswagen, wobei der Zahlmeister
die Sorge übernahm, sie für die Folgezeit vor räuberischen
Eingriffen zu schützen. Meinen guten Major v. N. traf
ich erst bei le Mans wieder, und wo war da der Inhalt der
Kiste, er tröstete sich aber mit der Versicherung, daß die exquisiten
Getränke nur in würdige Kehlen geflossen seien, und
wir uns stets sehr freundlich und dankbar des gütigen Gebers
erinnert hätten.
Als ich in Ars sur Moselle eintraf, fand ich bereits den
ganzen Regiments= und Bataillonsstab in einem sehr anheimelnden
Cafe sitzen, beschäftigt, die äußere Nässe durch innere Befeuchtung
zu paralysieren. Mit möglichst strammer Haltung,
mein invalides Bein verdeckend, trat ich zum Regimentskommandeur
heran und meldete mich gesund. Großes Erstaunen, mich,
den man schon in Nancy wähnte, hier zu sehen und allgemeines
Kopfschütteln. „Aber wie wollen Sie denn aufs Pferd kommen,"
fragte der Kommandeur. „Von der rechten Seite wie der
Schinder und die Juden, Herr Oberstleutnant“, antwortete ich,
worauf er lachend sagte: „Na, wenn Sie einmal wollen, dann
übernehmen Sie nur Ihre Kompanie wieder.“"
So war der erste Akt des Kriegslebens zu Ende, er hatte
mit einem großartigen Effekte abgeschlossen. Froh und wohlgemut
ging's dem zweiten entgegen, freilich in der sicheren Hoffnung,
daß der Frieden nicht mehr lange ausbleiben könne.
Wer dachte damals daran, daß die Franzosen fähig wären,
jetzt, wo eine Armee von 200,000 Mann zur Verwendung im
Felde frei wurde, ihren Widerstand fortzusetzen? Auf den mit
so großem Pomp angekündigten suprêème effort und die levée
en masse hatten wir alle wenig Vertrauen. Der Erfolg hat