274
glaubte, die großen Erzbischoͤfe selbst moͤchten daburch an ihrem
Interesse verlieren. In den Baseler Dekreten waren nämlich
alle Annaten aufgehoben; nun hatten es die großen Erz-Bischöfe
dem Pabst längst nachgemacht und auch aus ihren
Dibzesen Annaten eingetrieben, wie sie der Pabst aus ganz
Deutschland eintrieb. Diesen Profit wollte Mainz nicht fahren
lassen, sondern verwahrte sich vorher durch eine Protestation,
daß seine Annaten nicht unter dem Baseler Dekrete begriffen
seyn sollen. Köln und Trier würden wahrscheinlich
ein Gleiches gerhan haben, wenn nicht diese damals einen
größeren Kampf gehabt hätten. Der Kaiser wehrt sich gewöhnlich
mehr für die Kirchen seiner Erblande, als für die
deutschen Kirchen überhaupr; denn was liegt ihm viel daran,
wenn diese Geld nach Rom für Annaten und Palliengelder
schicken wollen.
8) Eben den Gang, den es mit Konstituirung der Konkordate
nahm, eben denselben nimmt es täglich mit Beobachtung
derselben. Ungeahndet wurden sie auf das unverantwortlichstc
beständig gebrochen. Die Geschichte des Verhältnisses
des Pabstes gegen die deutsche Kirche seit dem geschlossenen
Konkordat ist fast nichts, als eine Geschichte der verletzten
Konkordate: selbst der Aeneas Sylvius, der an Schliebung
derselben so vielen Antheil hatte, da er unter dem Namen
Pius II. Pabst wurde, erlaubte sich eine fast gänzliche Vernachläßigung
derselben. Einer der wesentlichsten Artikel der
Basel'schen Synode war, daß ein dkumenisches Koncilium über
dem Pabst sey, daß man sich demnach von einem Ausspruche
des Pabstes auf ein Urtheil einer solchen Synode berufen
könne, und doch wagte es Pius II. in einer Bulle vom Jahr
4460,. alle diejenigen eo ipso als erkommunicirt zu erklären,
welche an ein Koncilium appelliren würden.
Also durch die Konkordate ist nichts weniger als den